Michael Schröder
Das Bankhaus Lampe hat im "MDAX-Guide Sommer 2010" alle Werte des Mid-Cap-Index unter die Lupe genommen. Der AKTIONÄR stellt daraus mit Deutsche Euroshop, Gildemeister, Leoni und Salzgitter vier seiner Favoriten vor.
Von wegen zweite Reihe. Nach dem schlechtesten Auftaktquartal seiner Geschichte beendete der MDAX das Börsenjahr 2009 noch mit einem Plus von 34 Prozent. Zum Vergleich: Der große Bruder DAX schnitt knapp zehn Prozentpunkte schwächer ab. Auch in diesem Jahr konnte der MDAX bisher überzeugen.
Volatile Seitwärtsbewegung
"Unter taktischen Gesichtspunkten bleiben wir weiter vorsichtig und erwarten auf Sicht der nächsten Wochen eine Fortsetzung der volatilen Seitwärtsbewegung an den Aktienmärkten", gibt Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe die Marschrichtung im Hintergrundgespräch mit dem AKTIONÄR vor. "Zum Jahresende erwarten wir aber unverändert einen Indexstand von rund 6.800 Zählern beim DAX und von rund 9.500 Punkten beim MDAX", so der Chefanalyst weiter.
Deutlich mehr Kaufempfehlungen
Mit seinem Research-Team hat Schlienkamp mittlerweile zum dreizehnten Mal im Rahmen des MDAX-Guide die heimischen Mid Caps unter die Lupe genommen. Am Ende der Arbeit steht eine Liste mit 23 Kauf- und sechs Verkaufsempfehlungen. Die beiden Bauwerte Hochtief und Bilfinger Berger, Top-Tipps konservativ in den AKTIONÄRs-Ausgaben 23 und 25, rangieren dabei mit ganz oben auf der Einkaufsliste. Ebenfalls hoch im Kurs steht der Aktien-Musterdepotwert BayWa. Vor einem Einstieg absehen sollten Investoren dagegen bei Brenntag, Hugo Boss, ProSiebenSat.1, Puma, TUI und der Wacker Chemie AG. Mit den folgenden MDAX-Werten können Anleger in den kommenden Monaten durchstarten.
Deutsche Euroshop: Solide und gut
Der wirtschaftliche Abschwung hat sich bisher nicht auf das Zahlenwerk der Deutschen Euroshop AG ausgewirkt. Der Vorstand hat die bisherige Prognose für das laufende Jahr bestätigt. Der Umsatz soll zwischen 139 und 142 Millionen Euro liegen (Vorjahr: 127 Millionen Euro). Das EBIT wird zwischen 118 und 121 Millionen Euro erwartet und sollte damit mindestens acht Millionen Euro über dem Vorjahreswert liegen. "Nach den vorläufigen Zahlen zum ersten Quartal ist das Erreichen des oberen Endes dieser Spanne wahrscheinlich", erklärt Frank Neumann vom Bankhaus Lampe. Der Analyst erwartet daher einen Gewinn je Aktie von 1,15 Euro nach 0,93 Euro im Vorjahr. Das Portfolio der Gesellschaft wird durch den Ausbau der eigenen Shoppingcenter vergrößert. Da im laufenden Jahr nur etwas mehr als zwei Prozent der Mietverträge neu zu verhandeln sind, sieht der Experte auch nur geringes Downside-Risiko. Er stuft die Aktie daher mit einem Kursziel von 27 Euro mit "Kaufen" ein.

Gildemeister: Viele Kaufargumente
Gildemeister hat eines der schwierigsten Jahre der Firmengeschichte hinter sich. Auch im ersten Quartal 2010 blieb der Werkzeugmaschinenbauer in der Verlustzone. Beim Auftragseingang zeichnet sich aber inzwischen eine Trendwende ab. Nach dem rasanten Markteinbruch im Vorjahr stufen Experten das laufende Jahr bei Gildemeister dennoch als Übergangsjahr ein. Ab dem kommenden Jahr prognostiziert der Branchenverband VDMA aber eine deutliche Belebung des Werkzeugmaschinen-Marktes. Das angestrebte Wachstum in Verbindung mit der reduzierten Kostenbasis sollte bei Gildemeister für eine spürbare Verbesserung der operativen Ergebnisse sorgen. Fantasie kommt aus dem Bereich Energy Solutions. "Die Sun- beziehungsweise SkyCarrier von Gildemeister haben unseres Erachtens aufgrund ihrer überlegenen Technik im Vergleich zu unbeweglichen Solarmodulen sowie dem allgemein wachsenden Markt für regenerative Energien ein großes Marktpotenzial", so Lampebank-Analyst Gordon Schönell. Auch die immer wieder kursierenden Gerüchte, der japanische Konkurrent Mori Seiki plane, das MDAX-Unternehmen nach und nach zu übernehmen, sollten den Kurs weiter stimulieren. Schönell sieht die Aktie bei 14,50 Euro fair bewertet.

Leoni: Zu konservativ geplant
Die Krise hat zwar auch bei Leoni Spuren hinterlassen. Der Auftragsbestand ist in den letzten zwölf Monaten dennoch stabil bei neun Milliarden Euro geblieben. "Dies zeigt, dass das Geschäftsmodell robust ist und lässt auch eine gewisse Visibilität bis 2016 zu", so Christian Ludwig vom Bankhaus Lampe. "Bei Leoni sind die grundlegenden Wettbewerbsvorteile auch nach der Krise unverändert vorhanden", führt der Experte im „MDAX-Guide Sommer 2010" weiter aus. Die Gesellschaft biete vom Draht über das Kabel bis zum kompletten Bordnetz die gesamte Wertschöpfungskette aus einer Hand an, so Ludwig, und das über Jahre aufgebaute Fertigungs-Know-how ermögliche, die verlangte Null-Fehler-Quote eines Bordnetzes zu den niedrigsten Kosten herzustellen. Zudem hat Leoni die Krise genutzt, um den Break-even-Level von 220 Millionen auf 175 Millionen Euro Umsatz pro Monat herunterzufahren. Die bisherige Prognose für 2010 scheint zu konservativ. Derzeit soll der Umsatz um elf Prozent auf 2,4 Milliarden Euro ansteigen. Das EBIT wird bei über 50 Millionen Euro gesehen. Da das zweite Quartal dem Vernehmen nach noch besser läuft als das erste, ist spätestens mit der Vorlage des Halbjahresberichts am 10. August mit einer Anhebung der Guidance zu rechnen. Analyst Ludwig erwartet den Umsatz bei 2,6 Milliarden und das EBIT bei 78,7 Millionen Euro. Sein Fazit: Kaufen mit Kursziel 20 Euro.

Salzgitter: Attraktives Niveau
Die Aktionäre von Salzgitter waren zuletzt alles andere als verwöhnt: Explodierende Rohstoffkosten, der DAX-Abstieg und die Unsicherheiten mit Blick auf den Stahlpreis ließen den Kurs einbrechen. Eine übertriebene Reaktion. "Der Konzern verfügt über einen Finanzmittelbestand von 1,57 Milliarden Euro und ist das finanziell unabhängigste Unternehmen in der Branche", erklärt Lampebank-Analyst Marc Gabriel. Er hat den Buchwert mit 74 Euro je Aktie ermittelt - rund 50 Prozent über dem aktuellen Kursniveau. Angesichts dramatisch gestiegener Preise für Eisenerz und Kokskohle dürfte in den kommenden Monaten zwar viel von der Entwicklung der Stahlnachfrage abhängen. Kommt es hier zu einer weiteren Erholung, wird auch Salzgitter davon profitieren. "Wir sehen das aktuelle Preisniveau als sehr attraktiv an und nehmen den Wert auf unsere Favoritenliste mit Ziel 75 Euro auf", so das Fazit des Experten.

Lukratives Quartett
Bei Salzgitter spricht vieles für eine Gegenbewegung. Auch die Gildemeister-Aktie hat einiges an Nachholpotenzial, das nicht nur dem japanischen Wettbewerber aufgefallen sein sollte. Leoni dürfte mit der Prognoseanhebung weiter durchstarten. Die Deutsche Euroshop ist die konservativste Aktie in diesem Quartett.