Jochen Kauper
Die Wettbewerbshüter haben den Weg für eine Übernahme der Mehrheit an MAN durch Volkswagen frei gemacht. Die MAN-Aktie macht am Donnerstag einen gewaltigen Satz nach oben. Wie geht es weiter?
Eitel Sonnenschein bei den Aktionären von MAN. Volkswagen hat grünes Licht für eine Übernahme des Nutzfahrzeugherstellers bekommen. Die letzte noch fehlende Genehmigung für den Deal einer großen LKW-Allianz kam von den chinesischen Wettbewerbshütern. Zuvor gab es das „Ok" aus Brasilien, Serbien, Südafrika und China.
VW holt zum großen Schlag aus
Marktberichten zu Folge soll der Abschluss der Transaktion am 9. November erfolgen. Der Wolfsburger VW-Konzern wird danach 55,9 Prozent der Stimmrechte an MAN halten. Mit der Kontrolle über MAN will Europas größter Autobauer auf dem lukrativen LKW-Markt kräftig mitmischen. Dazu soll MAN enger an Scania gebunden werden. VW erwartet durch die LKW-Allianz hohe Kosteneinsparungen sowohl im Einkauf, als auch in der Produktion.
Schwache Zahlen
Die letzten Zahlen von MAN sind auf den ersten Blick schlecht ausgefallen. Lag der Umsatz im Rahmen der Analystenschätzungen, blieb der Gewinn hinter den Prognosen zurück. Doch das Management gibt sich zuversichtlich. "Intakter Wachstumstrend bei nachlassender Dynamik", heißt es in der Ad-hoc-Mitteilung. In Zahlen ausgedrückt hat MAN im dritten Quartal bei einem Umsatz von vier Milliarden Euro ein operatives Ergebnis von 321 Millionen Euro erzielt. Die Analysten hatten mit Erlösen von 4,12 Milliarden Euro und einem Gewinn von 368 Millionen Euro gerechnet.
Ausblick bekräftigt
Laut MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen hat sich die aufkommende Unsicherheit bei MAN und deren Kunden noch nicht wirklich niedergeschlagen. Im dritten Quartal gingen Bestellungen in Höhe von 4,1 Milliarden Euro ein nach 3,72 Milliarden Euro im Vorjahr. Für das Gesamtjahr hält Pachta-Reyhofen an seiner Prognose fest: Der Umsatz soll um 10 bis 15 Prozent wachsen, die Umsatzrendite bei mehr als 8,5 Prozent herauskommen. Auf mittlere Sicht werde MAN aber mit einer gewissen Verunsicherung und abflauenden Wachstumsraten zurechtkommen müssen. "Hierfür ist MAN aufgrund der gewachsenen Flexibilität gut vorbereitet", so der Vorstandschef.

Analysten optimistisch
Nach den Zahlen fielen die Reaktionen der meisten Analysten positiv aus.JP Morgan erwartet eine Verbesserung der Nachfraget auf dem europäischen Lkw-Markt und sieht ein Ziel 70 Euro. Die WestLB hebt die starke Auftragslage bei MAN hervor. Die Citigroup bleibt ebenso optimistisch und hoben das Kursziel für die MAN-Aktie von 59 auf 65 Euro.
Zahlen gut verdaut
Die Anleger haben zuletzt die Zahlen sehr gut aufgenommen. Dass sich das Wachstum verlangsamen würde, war nach den Zahlen der Daimler Nutzfahrzeugsparte keine große Überraschung. Seit dem Hoch hat das Papier von MAN fast 50 Prozent verloren. Aufgrund der hohen Konjunkturabhängigkeit muss man bei der MAN-Aktie auch in Zukunft mit hohen Schwankungen rechnen. Die Aktie bleibt kaufenswert. An starken Tagen, wie am heutigen Donnerstag, sollten Käufe allerdings zurückgestellt werden.