Steffen Eidam
Die Lufthansa stellt erneut ihre beeindruckende Finanzkraft unter Beweis. Laut Finanzvorstand Stephan Gemkow plant die Kranich-Airline im laufenden Geschäftsjahr trotz anhaltender konjunktureller Unwägbarkeiten wieder eine Ausschüttung.
Nachdem die deutsche Vorzeigefluggesellschaft Lufthansa im vergangenen Jahr auf eine Ausschüttung verzichtet hat, dürfen sich die Aktionäre 2010 wieder berechtigte Hoffnungen auf eine Dividende machen. Im Interview erläuterte Finanzvorstand Stephan Gemkow auch die Notwendigkeit einer Preiserhöhung infolge der von der Regierung geplanten Luftverkehrssteuer.
Bonbon für Anteilseigner
Trotz der anhaltenden wirtschaftlichen Risiken hinsichtlich der Wirtschaftskrise möchte die Lufthansa im laufenden Jahr wieder eine Dividende ausschütten. Über die Höhe machte der Konzern bislang noch keine Angaben. Der europäische Branchenprimus hatte vormals zwar mehrere Male die Absicht einer Ausschüttung angedeutet, wurde letztlich aber zu keinem Zeitpunkt konkret. Für viele Analysten kommt die aktuelle Entwicklung daher überraschend.
Flugsteuer wird an Kunden weitergegeben
Für Lufthansa-Kunden wird das Fliegen ab sofort teurer. Laut Gemkow bleibt der Lufthansa keine andere Wahl, als die von der Bundesregierung beschlossene Ticketabgabe an die Kunden weiterzugeben. Die vom Staat erhobenen Abgaben sind nach Entfernung gestaffelt und werden in drei Stufen pro Fluggast erhoben. Für Inlandsflüge und europäische Kurzstrecken sind es 8 Euro, für Mittelstreckenziele fallen 25 Euro an und für Fernreisen kassiert der Bund 45 Euro ab. Nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) reicht die Lufthansa bei Tickets für 2011 und später die Luftverkehrssteuer seit Samstag an die Kunden durch: "Wenn man bei der Lufthansa pro Jahr 500 Millionen Euro oder mehr herauszieht, bleibt nicht mehr viel an Ergebnissen übrig", so Finanzvorstand Stephan Gemkow gegenüber der Börsen-Zeitung.
Hohe Finanzkraft
Mit Blick auf die Zukunft zeigt sich Gemkow vorsichtig optimistisch: "Die Erholung, die wir beobachten ist meiner Meinung nach nachhaltig." Die positive Entwicklung im Segment Cargo dürfte demnach weiter anhalten. "Ob die Lufthansa Passage selbst auch schwarze Zahlen schreiben kann, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen", sagte der Manager. Während die Langstrecke wieder deutlich Aufwind erfährt, belastet der Trend zu billigeren Flügen vor allem das Inlandsgeschäft. Angesichts der starken finanziellen Basis - die Lufthansa verfügt über eine weit höhere Liquidität als die Mindestsumme von 2,3 Milliarden Euro - sei eine Kapitalerhöhung kein Thema.
Neuer Angriff in Sicht
Nachdem die Lufthansa-Aktie im April ein Hoch bei 13,50 Euro erreicht hat, ging die Notierung im Anschluss in den Sinkflug über. Dabei bildete sich im Bereich von 12,50 Euro eine stabile Unterstützung heraus. Die Kranich-Aktie dürfte zeitnah zum Angriff auf das alte Hoch ansetzen. DER AKTIONÄR bekräftigt daher seine Kaufempfehlung mit Kursziel 16 Euro.