Martin Weiß
Die Aktie des Embedded-Computer-Spezialisten gehört mit einer 12-Monats-Performance von minus 33 Prozent zu den schwächsten TecDAX-Titeln. Der Betrugsskandal in Asien drückt weiter massiv auf den Kurs und macht eine kurzfristige Trendwende unwahrscheinlich. Dafür ist etwas anderes umso wahrscheinlicher.
Der Abgabedruck bei Kontron hat in der vergangenen Woche erneut zugenommen, nachdem das im TecDAX gelistete Papier auch noch unter die 6-Euro-Marke gerutscht war. Das am 11. August markierte Tief bei 5,38 Euro dürfte kaum das Ende der Fahnenstange bedeuten, vielmehr sieht es nach einem Test des Tiefs vom Oktober 2008 bei 5,01 Euro aus.
Massiver Vertrauensverlust
Seit bekannt werden des Betrugsskandals Anfang Juli hat die Kontron-Aktie 32 Prozent an Wert eingebüßt. Was das Unternehmen viel schmerzlicher treffen dürfte - neben den 34 Millionen Euro an offenen Forderungen, die wohl nicht mehr eingetrieben werden können - ist der massive Vertrauensverlust der Anleger in das Management um Firmenchef Ulrich Gehrmann.

Die anhaltend hohen Handelsumsätze auch bei Kursen unter sechs Euro lassen zudem vermuten, dass sich größere Adressen aus dem Titel verabschieden. Aufzeichnungen des Finanzdienstes Bloomberg zufolge zählen Warburg Pincus (Stand: 13.07.) mit 4,89 Millionen gehaltenen Aktien sowie Fidelity Management (30.06/ 4,16 Mio.) und J.P. Morgan (13.07./2,73 Mio.) zu den größten Investoren des Unternehmens.
Kaufen, wenn die Kanonen donnern?
Fundamental ist Kontron nach dem Kurseinbruch attraktiv bewertet. Der Minicomputer-Hersteller hat zuletzt überraschend hohe Auftragseingänge (169 Mio. Euro) gemeldet und auch bei der Entwicklung der Rohmarge (32 Prozent) wussten die Süddeutschen zu überzeugen. Charttechnisch sieht es momentan hingegen nach einem Test des Tiefs bei 5,01 Euro aus. Anleger sollten vor einem Einstieg zunächst die Stabilisierung des Aktienkurses abwarten.