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Kapitalmarktexperte: "Viele Investoren wurden auf dem falschen Fuß erwischt"

Michael Schröder

Was für ein Jahresstart? Der DAX ist in den vergangenen sieben Wochen kontinuierlich gestiegen. Eine solche Gewinnserie gab es für den heimischen Leitindex seit fünf Jahren nicht mehr. Doch woher kommt die Euphorie? DER AKTIONÄR fragte nach!

Die Bullen haben - trotz des Rücksetzers zum Wochenschluss - an den Aktienmärkten derzeit ganz klar die Oberhand. Wie konnte es zu diesem fulminanten Jahrsstart kommen? Wie weit geht die Reise? DER AKTIONÄR fragte nach bei Roger Peeters, Kapitalmarktexperte bei Close Brother Seydler Research.

DER AKTIONÄR: Der Bullenmarkt wurde durch den 3-Jahrestender der EZB am 21. Dezember 2011 eingeleitet - einem Quantitative Easing Programm auf europäische Art. Der Jahresstart war entsprechend beeindruckend. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage an den Aktienmärkten ein?

Roger Peeters: Wir sind in einer sehr schwunghaften Aufwärtsbewegung, deren Ende schwer absehbar ist. Neben gewissen Erleichterungen bei Investoren hinsichtlich der konjunkturellen Situation und der Staatsschuldenkrise war es tatsächlich die massive Liquidität, die den Märkten die wesentlichen Impulse gab. Dabei wurden viele Investoren auf falschen Fuß erwischt und durch die Hausse in Verlegenheit gebracht. Dies wiederum sorgt für Anschlusskäufe.

Am 28. Februar wird die EZB den Bankenmarkt vermutlich erneut mit einer gewaltigen Summe fluten. Haben die Bären im Vorfeld dieser gigantischen Geldinfusion eine Chance?

Generell ist an der Börse nichts sicher und ebenso nichts chancenlos. Externe Schocks wie etwa eine Eskalation im Nahen Osten können immer schnell die Situation auf den Kopf stellen. Aber unter normalen Umständen ist der Liquiditätsschub schon beachtlich und hat die entsprechenden Konsequenzen an den Märkten.

Ende Januar einigten sich die EU-Länder auf einen neuen Fiskalpakt, der Schuldenbremsen in den nationalen Verfassungen vorsieht. War dies ein weiterer Baustein zur Überwindung der Schuldenkrise?

Ein Baustein sicher, zumal es wirklich wichtig wäre, dass das Schuldenproblem mal vom Grund auf angegangen wird, sprich dass die Staaten wieder vernünftig haushalten. Doch darf man den Pakt nicht überbewerten, weil man erst in der Praxis sehen kann, ob er wirklich so ernst gelebt wird, wie man jetzt hofft.

Wie beurteilen Sie den bisherigen Verlauf der Berichtssaison?

Ordentlich. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Erfreulich finde ich, dass Unternehmen sich wieder häufiger trauen, Prognosen auszusprechen.

Liquiditätsgetriebene Haussen laufen oft sehr dynamisch ab. Sehen Sie daher noch Potenzial für DAX und Co?

Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, aber der Trend ist wie Sie sagen sehr dynamisch, weshalb man ihn nicht vorschnell für beendet erklären soll. Im Moment spricht mehr dafür, dass der DAX weiter klettert als dass er abrupt dreht.

Was könnte die Bullen aus der Bahn werfen?

Vornehmlich externe Schocks etwa eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Iran und Israel oder auch eine neue Eskalationsstufe in der Schuldenkrise. Hiermit meine ich, dass auch ein größerer Staat auf einen Haircut zusteuert.

Vielen Dank für das Gespräch!

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