Markus Horntrich
Die InTiCa Systems AG dürfte die Prognosen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 erreicht haben. Die vorläufigen Zahlen kommen in Kürze. Vorstandschef Walter Brückl gab im Interview mit dem AKTIONÄR schon einmal einen Ausblick auf das Geschäftsjahr 2012.
Die InTiCa Systems AG hatte für das vergangene Jahr einen Umsatz- und EBIT-Sprung angekündigt. Nach den Prognosen des CEO Walter Brückl soll der Umsatz von 31 Millionen auf über 40 Millionen Euro ansteigen und das EBIT von -4,4 Prozent auf rund +3 Prozent springen. Zum Jahreswechsel hatte InTiCa einen Auftragsbestand von circa 35 Millionen Euro und war damit gut gerüstet, in 2012 wieder ein respektables Ergebnis vorzulegen. Im Interview mit dem AKTIONÄR spricht Firmenchef über realistische Zuwächse in der Automobiltechnologie von 25 Prozent, von stabilen Zulieferungen in der Solarindustrie und den Eintritt mit neuen Produkten in Breitbandnetze im Bereich der Kommunikationstechnologie.
DER AKTIONÄR: Herr Brückl, ist das Jahr 2011 so zu Ende gegangen, wie Sie es prognostiziert haben?
Walter Brückl: Durch das überproportionale Wachstum unserer strategischen Geschäftsfelder Automobiltechnologie und Industrieelektronik mit Zuwächsen von rund 50 Prozent beziehungsweise 34 Prozent, ist es uns gelungen, den Konzernumsatz auf über 40 Millionen Euro zu steigern. Nach dem aktuellen Kenntnisstand spricht nichts dagegen, dass wir das prognostizierte Ergebnis erreichen konnten, die vorläufigen Zahlen werden wir voraussichtlich Ende März vorlegen.
Jetzt laufen die Geschäfte in der Solarindustrie, für die die Industrieelektronik fast die gesamte Produktion liefert, generell alles andere als rund. Wie stark sind Sie davon betroffen?
Im Geschäftsjahr 2011 ist es uns durch die Qualität unserer Produkte und unserer Flexibilität trotz der widrigen Rahmenbedingungen der Märkte gelungen, entgegen dem Branchentrend wiederum mit 34 Prozent in diesem Segment zu wachsen. Für das laufende Jahr sehen wir unter Einbeziehung von der Vermarktung neu entwickelter Produktinnovationen für die Solarindustrie in Verbindung mit dem Einstieg in neue Absatzmärkte wie der Schweiß- und Bahntechnik eine leicht rückläufige bis stabile Umsatzentwicklung.
Wie sehen Sie die Entwicklung im Segment Automobiltechnologie bei einer eventuell rückläufigen Absatzentwicklung bei den Autoherstellern?
Unsere innovativen Produkte für Zutritts- und Fahrberechtigungs-systeme und für das Motormanagement zur CO2-Reduzierung durchdringen mehr und mehr die Fahrzeugmodelle unserer Kunden. Diese Situation und unsere Entwicklungen für Elektro- sowie Hybridfahrzeuge stimmen uns zuversichtlich, auch bei eventuell stagnierenden Absatzzahlen an Fahrzeugen bei den OEMs ein überproportionales Wachstum erzielen zu können. In diesem Segment planen wir für 2012 mit einem Wachstum von über 25 Prozent.
Werden Sie trotz des Umsatzrückganges beim Splittergeschäft in der Kommunikationstechnik wieder schwarze Zahlen schreiben?
Die durchgeführten Optimierungen und Neuentwicklungen für Glasfaser- sowie Koaxialkabel geführte Breitbandnetze geben uns die Zuversicht, auch dieses Segment umsatzseitig stabilisieren und im Ertrag weiter verbessern zu können. Durch diese Entwicklungen ist es uns gelungen, in allen kabelgeführten Breitbandnetzten mit Produkten vertreten zu sein. Zum Beispiel stehen Neuentwicklungen von Breitbandweichen mit zugehöriger Verbindungstechnik für Koaxialkabelnetzte, mit gegenüber den Wettbewerbsprodukten wesentlich verbesserten Übertragungsraten, kurz vor dem Abschluss und ermöglichen uns im zweiten Halbjahr 2012 den Zutritt in neue Märkte.
Sehen Sie die Notwendigkeit sich international über Produktionsstätten breiter aufzustellen?
Im Grundsatz ja. Aufgrund der äußerst schwierigen Lage unseres Unternehmens im Jahr 2008, war es aber in den letzten Jahren vorrangig notwendig, das Unternehmen neu zu positionieren. Das heißt die Entwicklung neuer Produkte, der Aufbau neuer Absatzmärkte, die Optimierung der Organisation und Erhöhung der eigenen Wertschöpfung durch den Auf- uns Ausbau der Produktionsstätte in Prachatice hatte oberste Priorität. Aktuell sind wir in der Phase der Effizienzsteigerung, um ein stabiles Umsatz- und Ertragswachstum nachhaltig absichern zu können.
Nun zurück zu Ihrer Frage, um zum Beispiel langfristig im asiatischen Markt über unsere international aufgestellten Kunden der Automobiltechnologie wachsen zu können, besteht die Notwendigkeit uns mittelfristig mit einem kompetenten Partner ebenfalls vor Ort in Asien zu positionieren.
Die Quote des operativen Ergebnisses EBITDA ist ja ausgezeichnet, wo sehen Sie Möglichkeiten Ihre EBIT-Marge zu verbessern?
Betrachtet man die Entwicklung des operativen Ergebnisses EBITDA, dann kann man hervorheben, dass InTiCa für das Geschäftsjahr 2011 mit rund 14 Prozent die beste EBITDA-Marge der Firmengeschichte erwartet. Zur Verbesserung der EBIT-Marge arbeiten wir an einem Effizienzprogramm. Die Erhöhung der Auslastung von vorhandenen Anlagen / Maschinen durch die Gewinnung von entsprechenden Neuaufträgen und die weitere Reduzierung von Materialkosten durch optimierte Einkaufsprozesse stehen dabei ebenso wie die Weiterentwicklung unserer Produktionsprozesse im Vordergrund.
Zusätzlich möchte ich anmerken, dass sich die notwendigen Investitionen in Maschinen und Anlagen für das zukünftige Wachstum über das vorhandene Produkt-portfolio gegenüber dem durchschnittlichen Investitionsbedarf aus den vergangenen Jahren wesentlich verringern wird. Diese Situation wird unter der Berücksichtigung der Laufzeiten für die Abschreibungen im Jahre 2014 ebenfalls zu einer spürbaren Verbesserung der EBIT-Quote führen.
Wie sind Sie insgesamt für 2012 gestimmt?
Ich würde sagen, vorsichtig optimistisch. Nach einem etwas schwächeren Geschäftsverlauf im ersten Quartal 2012, erwarten wir auf Jahressicht eine zumindest stabile Umsatzentwicklung.
Zudem gehen wir davon aus, dass der Anteil vom Endkundenumsatz am Konzern-umsatz mit einem höheren Deckungsbeitrag zunehmen wird. Dies stärkt unsere Zuversicht, unsere EBIT-Marge gegenüber 2011 verbessern zu können.
Durch die Marktturbulenzen kamen in den vergangenen Monaten die Aktien von Nebenwerten erheblich unter Druck, auch die Aktie von InTiCa konnte sich nicht gegen den Trend erwehren. Wie stehen Sie zur Auszahlung einer Dividende?
Wie Sie anführen, entspricht der Kursverlauf nicht immer der operativen Leistung eines Unternehmens, sondern wird auch von verschiedensten Entwicklungen der Weltwirtschaft oder der Kapitalmärkte beeinflusst. Um die Investoren, trotz solcher nicht direkt beeinflussbaren Faktoren, am operativen Erfolg des Unternehmens teilhaben zu lassen, sehe ich eine Dividendenzahlung an die Aktionäre als wichtigen Baustein für die Zukunft.
Herr Brückl, besten Dank für das Interview.
