Martin Münzenmayer
Experten erwarten in Deutschland eine deutliche Zunahme der IT-Infrastruktur-Investitionen. Diese Prognose nahm DER AKTIONÄR als Anlass für ein Interview mit Bechtle-Vorstandssprecher Dr. Thomas Olemotz.
Angesichts der drastischen Abkühlung der Weltwirtschaft hat sich Bechtle im Geschäftsjahr 2009 wacker geschlagen: Der IT-Dienstleister erzielte vorläufigen Zahlen zufolge bei einem Umsatz von 1,38 Milliarden Euro einen Vorsteuergewinn von 43,5 Millionen Euro und übertraf damit die Analystenerwartungen. Darüber hinaus verfügt Bechtle über gute Wachstumschancen. Denn Experten erwarten in Deutschland eine deutliche Zunahme der IT-Infrastruktur-Investitionen, da hierzulande viele Unternehmen die entsprechenden Ausgaben in den vergangenen Jahren weitgehend zurückgestellt haben. Diese Prognose nahm DER AKTIONÄR als Anlass für ein Interview mit Bechtle-Vorstandssprecher Dr. Thomas Olemotz.
DER AKTIONÄR: Herr Dr. Olemotz, im vierten Quartal 2009 ist der Auftragseingang bei Bechtle stark gestiegen. Könnte sich dieser positive Trend fortsetzen?
DR. THOMAS OLEMOTZ: Die Geschäfte liefen im vierten Quartal 2009 in der Tat sehr gut. Wesentlich besser sogar als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, der auch schon durch eine gute Auftragslage geprägt war. Unabhängig davon ist das vierte Quartal saisonal bei Bechtle stets das umsatz- und ergebnisstärkste. Das erste Quartal ist hingegen traditionell eher schwach. Dennoch bin ich mit der Entwicklung des Ordereingangs seit Jahresbeginn zufrieden und sehe gute Chancen für eine deutliche Nachfragebelebung im zweiten Halbjahr 2010 vorausgesetzt die Wirtschaftserholung setzt sich fort.
Wie schätzen sie die Wachstumsaussichten der Systemhaus-Sparte und des E-Commerce-Bereichs von Bechtle ein?
Im Bereich E-Commerce, wo wir ein reines Handelsgeschäft betreiben, profitieren wir stärker von der Konjunkturerholung als in der Systemhaus-Sparte. Daher dürfte das E-Commere-Segment mittelfristig wieder dynamischer wachsen. Ich schätze aber auch die Wachstumsaussichten unseres Systemhaus-Bereichs positiv ein. Die letztgenannte Sparte war übrigens der stabilisierende Faktor bei Bechtle während der Wirtschaftskrise und ist zudem unter Renditeaspekten sehr wichtig, da wir hier in erster Linie margenstarke IT-Dienstleistungen anbieten.
2009 verringerte sich die Vorsteuergewinn-Marge von 4,3 auf 3,2 Prozent. Erwarten Sie in diesem Jahr eine Verbesserung der Rendite?
Im zurückliegenden Jahr mussten wir zwar insgesamt einen Margenrückgang im Vergleich zu 2008 hinnehmen, konnten aber die EBT-Marge von Quartal zu Quartal verbessern. Im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2009 lag sie bereits bei 4,5 Prozent. Daher streben wir für 2010 wieder eine höhere Marge an.
Zu den Kunden von Bechtle zählen vor allem mittelständische Unternehmen. Wie beurteilen Sie deren Investitionsbereitschaft?
Das hängt entscheidend von der Branche ab. Mittelständler, die in den Bereichen Anlagen- und Maschinenbau sowie im Automobilsektor aktiv sind, dürften sich noch einige Zeit mit größeren Ausgaben für die Anschaffung neuer IT-Infrastruktur zurückhalten. Dagegen könnten Branchen wie beispielsweise der Einzelhandel oder die Nahrungsmittelindustrie, die überraschend gut durch die Krise gekommen sind, künftig wieder verstärkt investieren. Unabhängig davon ist es wichtig, dass es bei Bechtle aufgrund einer breiten Diversifizierung des Kundenstamms keine ausgeprägte Abhängigkeit von der Entwicklung einer einzelnen Branche gibt.
Welche Rolle spielen bei Bechtle öffentliche Auftraggeber wie zum Beispiel Behörden und Bildungseinrichtungen?
Diese Kunden sind für uns sehr wichtig, da sie unabhängig von der Konjunkturflaute stark investierten. Deshalb kletterte unser mit öffentlichen Auftraggebern erwirtschaftete Umsatz im vergangenen Jahr um über 30 Prozent. 2010 erwarten wir hier ein weiteres Wachstum.
Bechtle könnte dank eines Cash-Bestands von 125 Millionen Euro Zukäufe problemlos schultern. Gibt es derzeit entsprechende Pläne?
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind Übernahmen nicht konkret geplant, aber wir schauen uns fortlaufend nach Firmen um, die zu Bechtle passen würden. Auch in Zukunft werden Akquisitionen ein wichtiger Bestanteil unserer Wachstumsstrategie bleiben.
In welchen Regionen will Bechtle expandieren?
Im IT-Systemhaus-Bereich werden wir in den nächsten zwei bis drei Jahren unsere Marktstellung in Österreich ausbauen. Dort sind wir derzeit nur in Wien mit zwei Standorten vertreten. Zudem werden wir bereits im ersten Halbjahr 2010 mit unserem E-Commerce-Geschäft den polnischen Markt erschließen. Gegen Ende des Jahres könnte noch ein neuer Standort in einem weiteren osteuropäischen Land hinzukommen.
Im Rahmen einer Umfrage der IT-Fachzeitschrift Channelpartner nannten 46,5 Prozent der befragten Systemhäuser Bechtle als stärksten Konkurrenten. Was ist der Hauptgrund für die hohe Wettbewerbsstärke von Bechtle?
Der wichtigste Grund hierfür ist unser konkurrenzloses Netz an Systemhäusern. In Deutschland ist es so, dass nahezu alle Wettbewerber im Rahmen der Ausschreibung von IT-Projekten stets mit einem Bechtle-Systemhaus vor Ort um die Erteilung der Aufträge kämpfen.
Im Jahr 2020 will Bechtle mit 10.000 Mitarbeitern einen Umsatz von fünf Milliarden Euro erwirtschaften. Welche Maßnahmen sollen zur Erreichung dieses Ziels beitragen?
Wir werden vor allem durch Neugründungen die Internationalisierung unserer E-Commerce-Sparte vorantreiben. Parallel dazu werden wir im Systemhausbereich unser Dienstleistungsspektrum erweitern. Dabei wird der Fokus vor allem auf den Themen Netzwerke, Rechenzentren, IT-Security und IT-Virtualisierung sowie Green IT liegen. Neben organischem Wachstum setzen wir dabei auch auf Akquisitionen. Durch die konsequente Umsetzung dieser Maßnahmen wird Bechtle in Zukunft nachhaltig und profitabel wachsen.