Florian Söllner
Die weltgrößte Solarmesse ist zu Ende gegangen. Die Sonnenbranche präsentierte sich erneut quicklebendig. Die Solaraktien reagierten darauf mit hohen Kursgewinnen.
Den ersten Wortfetzen, den DER AKTIONÄR beim Betreten der Insolar aufschnappte war "Gehaltserhöhung". Auf der am Freitag zu Ende gegangenen Münchner Messe wurde schnell klar, dass es der Branche aufgrund des Booms des deutschen Absatzmarktes derzeit sehr gut geht. 1.880 Aussteller belegten mit 134.000 Quadratmetern in diesem Jahr 29 Prozent mehr Ausstellungsfläche als 2009. Auch die Auftragsbücher werden immer voller. Wechselrichter-Hersteller wie SMA Solar (siehe auch Ziel 135 Euro) sind seit Wochen ausverkauft. Und auch erste kristalline Modulhersteller gaben in Hintergrundgesprächen an, dass die Nachfrage wieder das Angebot übersteigt.
Unterstatement
Bemerkenswert große Messestände leisteten sich die zuletzt defizitär arbeitenden deutschen Solarherstellern Conergy und Solon. Unübersehbar stark vertreten waren weiterhin die chinesischen Hersteller Yingli, Suntech oder Trina Solar, die dem Vernehmen nach weiterhin Marktanteile gewinnen. Understatement übte hingegen erneut die größte Solarfirma der Welt: der Dünnschicht-Hersteller First Solar vertraut nicht auf einen großen Stand, sondern auf die technologische Ausnahmestellung seiner Produkte. Und das zu Recht: Aufgrund des aktuell noch andauernden Booms von Freiflächenanlagen sind Dünnschicht-Module derzeit sehr gefragt. Auf Nachfrage bestätigten Projektierer, dass gerade First-Solar-Module derzeit kostbare Mangelware sind.
Die große Frage ist jedoch: Wie geht es 2011 nach dem sehr starken Jahr 2010 und den schmerzhaften Einschnitten bei der Einspeisevergütung im größten Solarland Deutschland weiter? Während das Branchenmagazin Photon davon ausgeht, dass der Rückgang eher moderat ausfällt, da auch im nächsten Jahr noch profitable Solaranlagen möglich seien, zeigten sich einige Solarfirmen weniger optimistisch. Commerzbank-Analyst Robert Schramm rechnet mit einem Einbruch von bis zu 50 Prozent. Klar ist: Nur Firmen, die ihre Kosten deutlich senken können, werden auch 2011 gut verdienen können.
Rückenwind für Q-Cells
Gerade deutsche Player erhalten derzeit Rückenwind durch Währungseffekte. Der schwache Euro macht chinesische Produkte teuerer und Exporte für Solarworld und Q-Cells einfacher. Auch da Q-Cells besonders von der Übergangsregelung für Freiflächen profitieren dürfte, hat die DZ Bank die Aktie nun von "verkaufen" auf "kaufen" gestuft. Q-Cells habe gute Chancen, Aufträge auf Konversionsflächen (ehemalige militärische Anlagen) zu erhalten. Auch der Messeauftritt überzeugte, im Zuge dessen der ehemals pure Solarzellenhersteller seine Produkterweiterung um Module präsentierte. Noch ist der Abwärtstrend der Aktie jedoch intakt.
Asbeck zuversichtlich
Auch bei Solarworld dürfte der weitere Geschäftsverlauf nicht enttäuschen. Im Gespräch mit dem AKTIONÄR ließ Firmenchef Frank Asbeck durchblicken, dass er auch im zweiten Halbjahr 2010 mit einem guten Geschäft rechnet. Er glaubt jedoch, dass der deutsche Markt von 6 GW im Jahr 2010 auf rund 5 GW im nächsten Jahr zurückgehen könnte, was weitere Kostendisziplin erfordert.
DER AKTIONÄR wird an diese Stelle in den nächsten Tagen weitere Details und Messe-Hintergrundgespräche veröffentlichen.