Infineon: Seien Sie ruhig ein bisschen gierig!
Warren Buffett ist einer der reichsten Menschen auf diesem Planeten. Das Erfolgsrezept des legendären Investors: Gierig sein, wenn alle andere der Mut verlässt. Beim deutschen Chipriesen Infineon könnte die Strategie aufgehen.
Der DAX hat seit Jahresbeginn mehr als 22 Prozent im Wert zugelegt, auch dank tatkräftiger Unterstützung von Adidas, Bayer und Fresenius, deren Aktien auf Allzeithoch notieren. Ganz anders Infineon. Die Aktie von Deutschlands größtem Chip-Konzern leidet seit Monaten unter einem schlechten Branchenumfeld. Seit Januar hat der Titel 14 Prozent eingebüßt.
Keine Aktie für Buffett - aber vielleicht für alle anderen
Zugegeben, der Ausspruch ("Sei gierig, wenn alle anderen ängstlich sind") von Warren Buffett im Zusammenhang mit Infineon klemmt. Das "Orakel von Omaha", wie der US-Investor auch genannt wird, legt bei seinen Investments Wert auf die Substanz eines Unternehmens sowie die Verständlichkeit des Geschäftsmodells. Als Technologiekonzern kommt Infineon damit schon per se für Buffett nicht in Frage.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass alle anderen Investoren ebenfalls die Finger von dem Papier lassen sollten. Ganz im Gegenteil. Beim DAX-Konzern regiert nach der Umsatz- und Gewinnwarnung im September die Angst und das macht die Aktie vor allem für Anleger mit einem konträren Investmentansatz interessant.
Vorhandenes Wachstumspotenzial
Die positiven Nachrichten sind bei Infineon aber nicht völlig abhanden gekommen. Wie IMS Research gemeldet hat, ist der Chiphersteller bei Leistungshalbleitern mit einem Marktanteil von 11,9 Prozent weltweiter Marktführer. Leistungshalbleiter sind für das Steuern und Schalten hoher elektrischer Ströme ausgelegt, finden Verwendung unter anderem bei Windkraftanlagen und gelten deshalb als Wachstumsmarkt.
Für einen anderen Wachstumsmarkt, die LED-Beleuchtung in Autos, hat der Konzern zudem eine Reihe neuer Produkte vorgestellt. Die Chips ermöglichen es den Fahrzeugherstellern, den Innenraum in praktisch jeder gewünschten Farbe auszuleuchten.
Die Bullen gehen somit nicht völlig ohne Munition ins Rennen.
Was die Infineon-Aktie momentan auch interessant macht, ist die Charttechnik. Der Kurs hat seit der Warnung 16 Prozent verloren, im Bereich um fünf Euro aber Halt gefunden. Auf diesem Niveau befindet sich eine horizontale Unterstützungslinie, deren Ursprung im August 2011 liegt und die sich bislang als belastbar erwiesen hat.
Gute Chance bei überschaubarem Risiko
Natürlich ist ein Break nach unten mit entsprechend weiteren Kursverlusten nicht ausgeschlossen. Mit einem Stopp bei 4,75 Euro oder 4,10 Euro versehen - je nach Risikoneigung - bietet sich Anlegern dennoch ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis.
Hält die Unterstützung, könnte die Aktie kurzfristig zumindest wieder Kurs auf die 6-Euro-Marke nehmen. Zeigen sich zudem Anzeichen für eine globale Erholung, läge das nächste Kursziel eher bei acht Euro.
Analysten, die sich in den letzten Tagen und Wochen zu Infineon geäußert haben, billigen dem DAX-Titel Kurse von 5,90 Euro (Warburg Research) bis 7,00 Euro (Barclays, Goldman Sachs) zu.

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