Leon Müller
Indien macht Schlagzeilen. Im Land am Fuße des Himalaya befindet sich derzeit alles im Fluss - ganz im Sinne der Anlegergemeinde, die sich über steigende Kurse freut. Mit den richtigen Titeln können Anleger auch in Zukunft von der Hausse profitieren. DER AKTIONÄR nennt die aussichtsreichsten Kandidaten.
Fiat und die indische Tata-Gruppe erwägen, gemeinsam die Luxus-Sportwagen Ferrari und Maserati in Indien zu verkaufen. Boeing rechnet damit, in den kommenden 20 Jahren etwa 1.000 Passagierflugzeuge für bis zu 100 Milliarden Dollar an Indien zu verkaufen. Und der weltgrößte Erfrischungsgetränkehersteller Coca-Cola hat seinen Gewinn dank guter Geschäfte in Schwellenländern - allen voran in Indien - zuletzt überraschend stark ausgebaut. Das alles sind Meldungen, die in der vergangenen Woche über die Nachrichtenticker liefen.
Der Leitindex des Landes, Sensex, notiert seit Jahresbeginn knapp 60 Prozent im Plus. Allein seit Mitte Mai, als DER AKTIONÄR zuletzt auf die enormen Gewinnchancen indischer Aktien hingewiesen hatte, stieg das Börsenbarometer um mehr als ein Viertel. Impulsgeber war - wie so oft an Schwellenländerbörsen - ein politisches Großereignis. 713,8 Millionen Inder waren aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Als Gewinner aus der Wahl ging die United Progressive Alliance (UPA) hervor, was von Marktteilnehmern positiv aufgefasst wurde.
Handelsstopp nach Verkündung
Als das Wahlergebnis verkündet wurde, liefen die Leitungen an der Börse heiß, die elektronischen Systeme setzten den Handel aus - der Sensex war binnen 40 Sekunden um 17 Prozent in die Höhe geschossen. Seitdem setzt sich die Hausse fort, der Index steht mittlerweile besser da als vor dem Ausbruch der globalen Wirtschaftskrise. Folglich sind auch westliche Anleger gut beraten, in Indien zu investieren.
Wachstumsmarkt IT-Services
Zu den dynamischsten Wachstumsmärkten auf dem indischen Subkontinent zählt der IT-Service-Sektor. Die globale Wirtschaftskrise spielt den Unternehmen in die Hand. Durch die Auslagerung von Geschäftsprozessen nach Indien versuchen westliche Konzerne, das Kostenniveau zu drücken. Zu den dominierenden Spielern gehört Infosys Technologies - die Aktie liegt seit Empfehlung in Ausgabe 52/08-01/09 gut 70 Prozent im Plus. Aktuell ist Infosys im Gespräch, die Business-Process-Outsourcing- und Knowledge-Process-Outsourcing-Sparten der Schweizer UBS zu erwerben. Trotz der positiven Aussichten: Nach Erreichen des AKTIONÄR-Kursziels ist die Aktie derzeit nur eine Halteposition.
Ein Neuinvestment wert hingegen ist das Papier von Wettbewerber Wipro. Die Aktie weist einen Bewertungsabschlag von 25 Prozent gegenüber dem Wettbewerber aus, obwohl Wipro wie Infosys mit seinen Zahlen zum zurückliegenden Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen hat. Der Gewinn lag rund zehn Prozent über den Erwartungen und rund 13 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Konzern fährt ein hartes Sparprogramm, will auf der anderen Seite aber weiter expandieren. Unter anderem soll die Präsenz in Brasilien sowie im Mittleren Osten gestärkt werden.
Infrastruktur: Hoher Nachholbedarf
Indien hat im Bereich Infrastruktur enormen Nachholbedarf, unternimmt aber inzwischen große Anstrengungen. Ein Profiteur dieser Entwicklung ist Reliance Infrastructure. Zwar erwirtschaftet das Unternehmen einen Großteil seiner Umsätze mit der Erzeugung von Energie, ist aber gleichzeitig auch der größte private Baukonzern des Landes. So baut Reliance Infrastructure derzeit ein Metro-System in Delhi sowie in Mumbai. Daneben ist der Konzern am Bau zahlreicher Fernstraßen beteiligt. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass Reliance Infrastructure nun auch in den Zement-Sektor einsteigt, was selbst Analysten verblüfft hat und zeitnah zu einer Anpassung der Schätzungen nach oben führen dürfte. Derzeit ist die Aktie mit einem 18er-KGV für das kommende Geschäftsjahr bewertet, was zwar nicht billig, für indische Verhältnisse, wo die Gewinnvielfachen im Schnitt höher sind, aber immer noch moderat ist.
Autos für Indien, Autos für die Welt
Mit dem Billigauto Nano hat Tata Motors zuletzt Weltbekanntheit erlangt, aber auch durch den Kauf des britischen Traditionshersteller Land Rover und Jaguar. Jetzt will der Konzern mit Fiat kooperieren, den Indern die Sportwagen Ferrari und Maserati anbieten. Im Gegenzug soll Fiat Tata dabei helfen, den Nano in Lateinamerika zu vertreiben, wo Fiat stark engagiert ist.
Gezielt oder breit gestreut
Indien bietet trotz des Kursanstiegs seit Jahresbeginn hohes Potenzial. Anleger greifen zu einem der drei vorgestellten Unternehmen. Infosys-Aktionäre lassen die Gewinne laufen und ziehen den Stoppkurs nach. Alternativ bietet sich ein Investment in den MSCI India Index über den Lyxor ETF MSCI India (WKN LYX 0BA) an, der im Gleichschritt mit dem Sensex läuft, in den aber keine direkten Investments möglich sind.