Impreglon-Chef im Interview: "Wir halten an unserem Ziel fest"
Der Oberflächentechnikspezialist hat im zweiten Quartal die Erwartungen nicht erfüllen können. Die sich eintrübende Konjunktur und einmalige Kosten belasteten die Ergebnisse. Konzernchef Henning J. Claassen bleibt dennoch bei seinen Prognosen.
Der Spezialist für Oberflächenbeschichtung aus Lüneburg hat im zweiten Quartal nicht an das starke erste anknüpfen können. Die konjunkturelle Abkühlung hinterließ ihre Spuren: Statt einer erwarteten Umsatzsteigerung von 20 Prozent stand am Ende "nur" ein Plus von zwölf Prozent auf 41,0 Millionen Euro zu Buche. Das operative Ergebnis reduzierte sich aufgrund von Investitionen für neue Großprojekte um 17 Prozent auf 3,6 Millionen Euro.
Chef Claassen im Interview
DER AKTIONÄR sprach mit CEO Henning J. Claassen über die aktuelle Auslastung, die Perspektiven in den kommenden Quartalen und die positiven Seiten der Konjunkturschwäche.
DER AKTIONÄR: Herr Claassen, die weltweite Konjunkturschwäche hat sich im zweiten Quartal auch in den Impreglon-Geschäftszahlen bemerkbar gemacht. Wie bewerten Sie das Abschneiden im ersten Halbjahr?
Henning J. Claassen: Wir sind gut ins Jahr 2012 gestartet, das belegen auch die Zahlen des ersten Quartals. Allerdings hat sich gegen Ende des zweiten Quartals die schwächere Weltkonjunktur auch bei uns in geringeren Umsätzen und entsprechenden Ergebnisbelastungen niedergeschlagen. Unter der Voraussetzung, dass die Konjunktur hält, hatten wir uns für das zweite Quartal mehr vorgenommen. Statt der erreichten Umsatzsteigerung von zwölf Prozent im ersten Halbjahr wären ohne konjunkturelle Abschwächung 20 Prozent möglich gewesen.
Wie hat sich dies in Ihren Ertragszahlen niedergeschlagen?
Für die schwächeren Ertragszahlen sind in erster Linie die folgenden drei Faktoren verantwortlich: Die konjunkturelle Abschwächung hat sich in einem geringeren Umsatzvolumen sowie in einem langsameren Anlauf unserer neuen Großprojekte niedergeschlagen. Hinzu kam, dass die Abschreibungen und Anlaufkosten für vier Ende 2011 fertiggestellte Werksneubauten und die drei Großprojekte voll in den Kosten durchschlugen. Insbesondere der verzögerte Anlauf und das konjunkturbedingt geringere Produktionsvolumen der drei Großprojekte mit einem Gesamtinvestment von über zehn Millionen Euro haben das EBIT-Ergebnis belastet.
Spüren Sie die Flaute weltweit oder ist es aktuell eher ein regionales Problem?
Einmal abgesehen von den Nachbarländern Deutschlands, die doch unter einer starken Konjunkturabschwächung leiden, sind wir mit dem bisherigen Geschäftsverlauf im Rest der Welt ganz zufrieden. Positiv ist, dass sich die obigen Faktoren im Wesentlichen in drei Werken mit einem EBIT-Minus von 1,2 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr ausgewirkt haben, während die übrigen Werke gleichbleibende beziehungsweise verbesserte Erträge aufzeigen konnten.
Welche Erwartungen haben Sie für die Folgequartale? Befürchten Sie eine länger andauernde Durststrecke?
Für das laufende dritte Quartal erwarten wir konjunktur- und saisonbedingt noch keine Besserung. Allerdings bin ich zuversichtlich, dass uns die neuen Projekte ab dem vierten Quartal und insbesondere im kommenden Jahr steigende Umsätze und signifikante zusätzliche Ergebnisbeiträge bescheren werden. Anders als beim Einbruch im Jahr 2009 schwächen sich die Auftragseingänge zurzeit nicht weiter ab, so dass wir unsere Budgetziele lediglich um zwei Quartale verschieben.
Sie haben in den vergangenen Jahren kräftig in den Ausbau der Produktionskapazitäten investiert. Wie hoch ist aktuell die Auslastung Ihrer Werke?
Die Auslastung unserer Werke liegt aktuell bei knapp 70 Prozent. Auf Grund der bereits getätigten Investitionen sind 2012 und 2013 auch bei günstigerem Konjunkturverlauf keine neuen größeren Investitionen zu erwarten. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und können in den Folgejahren die Früchte unserer Arbeit ernten.
Hat die aktuelle Phase im Hinblick auf mögliche Akquisitionen nicht auch positive Seiten?
Insbesondere in Zeiten schwächerer Konjunkturdaten erhalten wir vermehrt Verkaufsangebote aus der Oberflächentechnik. Erfreulich ist dabei, dass die Kaufpreise in der Regel um einiges niedriger ausfallen als in der Hochkonjunktur.
Demnach werden Sie Ihren Wachstumskurs konsequent fortsetzen?
Nach der Mehrheitsbeteiligung an Aixite Surface Technology in China und dem gerade erfolgten Erwerb des Oberflächenveredlers Finished Products in Australien streben wir im laufenden Jahr noch ein bis zwei weitere Akquisitionen an. Ungeachtet der aktuellen Konjunkturschwäche halten wir dabei an unserem Umsatzziel von 150 Millionen Euro für das Jahr 2015 fest.
Herr Claassen, vielen Dank für das Interview.
Die Entwicklung bei Impreglon kommt nicht überraschend. Der Chart hat es bereits angedeutet. Wer investiert ist, sollte aber dabeibleiben. Impreglon ist wesentlich besser aufgestellt als 2009, die Zahlen sollten ab dem vierten Quartal wieder deutlich nach oben gehen. Neueinsteiger könnten im Bereich von acht Euro noch einmal zum Zuge kommen.
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