Simon Bardt
Sexism and the City, könnte der Untertitel zu diesem Beststeller auch lauten. Suzana S. arbeitete fünf Jahre als Investmentbankerin in dem europäischen Börsenzentrum: Der Londoner City. Sie war Insiderin in der von Männern dominierten Welt aus Gier, Arroganz und Verschwendung. Sie ist ausgestiegen und hat ihre Erfahrungen in einem Buch verarbeitet.
Was für eine Geschichte kommt am Ende heraus, wenn man als Zutaten eine hübsche Blondine, jede Menge Geld, dicke Autos und smarte Typen in teuren Anzügen nimmt? In vielen Fällen vermutlich ein romantischer Hollywood-Streifen mit Stars wie Hugh Grant oder Julia Roberts. Oder aber eine wahre Geschichte. Die nicht in Hollywood spielt, sondern in London, der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs und der Finanzmetropole Europas. Deren Hauptrolle kein Hollywood-Star spielt, sondern eine junge Frau mit dem Traum von der Karriere als Investmentbankerin. Bei der am Ende nicht geheiratet wird, sondern in der die Hauptdarstellerin einen Schlussstrich zieht und neu anfängt.
Die Geschichte von Suzana S. beginnt in den USA. Nach ihrem Studium begibt sich die junge Amerikanerin auf der Suche nach der Herausforderung und dem schnellen Geld nach London, um in der "City" als Investmentbankerin und Traderin zu arbeiten. Sie bekommt eine erste Stelle, weitere folgen. Sie arbeitet sich in der Hierarchie der funkelnden Bürotürme nach oben. Dabei ist sie als Frau die absolute Ausnahmeerscheinung unter all den ehrgeizigen, machtbewussten und rücksichtslosen "Cityboys", den legendären Investmentbankern der Londoner Square Mile. Sie wird Teil des von Männern dominierten Systems, wird anerkannt und mit einbezogen.

Ob Geschäftsmeeting, Arbeitsalltag oder Feierabend im Stripklub: Wenn Suzana S. über die Geschehnisse in der Männerwelt des Investmentbankings schreibt, dann redet eine Insiderin. Sie erlebt unmittelbar, wie ihre Kollegen Unsummen verdienen und sie für schnelle Autos, teure Frauen und jede Menge Unfug verpulvern. Sie wird Teil des Systems, während es zusammenbricht und der Welt die größte Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte beschert.
Mittlerweile hat Suzana S. die Welt des Investmentbankings hinter sich gelassen. Ihren ganz persönlichen Rückblick gibt sie in ihrem Buch "Die City. Das Girl. Die Geschichte". Es ist ein einzigartiger Blick aus der Perspektive einer Frau. Ein Blick hinter die Kulissen, der vielen Lesern die Augen für die Mechanismen der Geldindustrie öffnen wird. Und dennoch auch ein sehr unterhaltsamer Blick. Hier schreibt eine junge, erfolgreiche Frau, keine verbitterte Aussteigerin. Denn obwohl Suzana S. dem Leben der "Cityboys" mittlerweile den Rücken gekehrt hat und obwohl sie selbst die Nachteile und Diskriminierungen beschreibt, denen Frauen in der Szene ausgesetzt sind, ist ihr Fazit ganz eindeutig: "Ich bereue nichts!"
In Großbritannien ist "Citygirl" bereits ein Bestseller. Jetzt ist auch die deutsche Version erschienen. Alle weiteren Informationen und eine Leseprobe finden Sie hier.