Hermès: Die Kunst des Verführens
Man sagt den Franzosen vieles nach - besonders gute Verführer sollen sie sein. Dass sich vor allem Frauen dem französischen Charme nur schwer entziehen können, beweisen die Zahlen des Pariser Luxusgüterkonzerns Hermès. Lohnt sich der Einstieg?
In Frankreich produziert man guten Käse und noch besseren Wein. Die Regionen der Champagne sind weltberühmt für ihren teuren Perlwein. Auch modisch gesehen hat man westlich des Rheins einiges zu bieten. Taschen und Schuhe aus Krokoleder, in stundenlanger Kleinarbeit gefertigte Assessoires und handbedruckte Seidentücher - Hermès ist nur eines von mehreren erfolgreichen französischen Luxusgüterunternehmen. Zuletzt glänzte der Modekonzern mit sehr guten Zahlen für das erste Halbjahr. Eine Erhöhung der Prognose gab es gratis dazu. Der Aktienkurs des Unternehmens scheint vom Logo des geflügelten griechischen Götterboten inspiriert worden zu sein, aktuell notiert dieser nämlich auf einem Rekordhoch. Kommt jetzt der Absturz?

„Beeindruckende Resultate"
Die Umsätze verbesserten sich in den Monaten Januar bis Juli insgesamt um 21 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Besonders erfreulich sind die Zuwächse im asiatischen Raum (ohne Japan) und in Nordamerika mit einer Steigerung von 30,2 beziehungsweise 33,9 Prozent. Auch in Europa konnte das Unternehmen um rund 20 Prozent zulegen. Die Geschäftsleitung rechnet aufgrund der aktuell unsicheren wirtschaftlichen Lage konservativ mit einem Gesamtsjahreszuwachs von zwölf bis 14 Prozent. Cheuvreux-Analyst Pierre Lamelin schreibt in einer Studie, dass er diese Prognosen für zu niedrig halte, der Konzern wachse in fast allen Regionen stark. Auch die Analysten der Deutschen Bank bescheinigen dem französischen Unternehmen „beeindruckende Resultate". Dennoch empfehlen 80 Prozent der Experten zum Verkauf, kein einziger rät derzeit zu einem Investment in Hermès. Trotz überzeugender Zahlen ist der Titel des Luxuskonzerns mit einem 2011er KGV von 40 im Vergleich zur Wachstumsrate aktuell sehr hoch bewertet. Qualität hat eben seinen Preis. Anleger sollten vor einem erneuten Einstieg eine Konsolidierung des überhitzten Kurses abwarten und bis dahin ihr Geld in die Produkte von Hermès investieren - die Wahrscheinlichkeit eines Wertverfalls ist bei einer Birkin Bag nämlich weitaus geringer.
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