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Heliocentris-Vorstand: "100 Millionen Euro Umsatz in Reichweite"

Thomas Bergmann

Die Heliocentris Energy Solutions AG könnte kurz vor dem Marktdurchbruch stehen. DER AKTIONÄR sprach mit Finanzvorstand Dr. András Gosztonyi über die Zukunftserwartungen und die bevorstehende Kapitalerhöhung.

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Der Berliner Hersteller von Energieeffizienz- und autonomen Stromversorgungslösungen ist sehr gut in das neue Jahr gestartet. Per Ende des ersten Quartals lag der Umsatz zusammen mit dem Auftragsbestand bei 4,5 Millionen Euro und damit bereits deutlich über dem kompletten Vorjahresumsatz. Zudem könnte im Industriegeschäft der Durchbruch gelingen. Der Finanzvorstand der Heliocentris Energy Solutions AG (WKN A1M MHE), Dr. András Gosztonyi, stand dem AKTIONÄR Rede und Antwort.

DER AKTIONÄR:Dr. Gosztonyi, waren Sie mit dem Geschäftsjahr 2011 zufrieden?

Dr. András Gosztonyi: Das Jahr 2011 war wesentlich geprägt von der Übernahme, Restrukturierung und Integration der P21 sowie unserem industriellen Markteintritt. Es war auf der einen Seite ein sehr herausforderndes Jahr, in dem wir wesentliche Ressourcen von unserem Laborgeschäft abziehen mussten, um die Übernahme und die damit verbundenen gewaltigen Chancen realisieren zu können. Dies hat nach Jahren stetigem Umsatzwachstums erstmals zu einem Umsatzrückgang geführt, was sehr schmerzhaft war. Auf der anderen Seite haben wir mit der Akquisition und den damit verbundenen kommerziellen Lösungen für die Telekommunikationsindustrie unseren industriellen Markteintritt vollzogen. Dass sich diese Mühen gelohnt haben, sieht man an dem kumulierten Umsatz und Auftragsbestand. Ende des zweiten Quartals wird diese Zahl noch mal deutlich höher liegen.

Woran liegt es, dass Sie im Industriebereich jetzt nahezu vor dem großen Durchbruch stehen?

In den letzten Jahren haben wir sehr viele Demonstrationsprojekte mit namhaften Kunden vollzogen und dabei sehr viel Know-how im Bereich Hybridisierung von unterschiedlichen Technologien und dem alles verbindenden Energiemanagement aufbauen können. Mit der Übernahme von P21 haben wir nun zwei sehr attraktive und heute marktfähige Lösungen in unser Angebot aufnehmen können sowie einen recht guten Zugang zum globalen Mobilfunkmarkt gewonnen. Die Synergien mit unserem Know-how und Team haben die Lösungen von P21 noch marktfähiger gemacht und damit uns den Eintritt in die Skalierung ermöglicht.

Was sind die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr?

Wir möchten den Umsatz von 2011 mindestens verdreifachen und damit die 10-Millionen-Euro-Grenze überschreiten. Allerdings werden dieses Jahr noch einen deutlichen Verlust schreiben.

Reicht Ihnen für diesen Businessplan die aktuelle Kapitalausstattung aus?

Nein, wir sind auf weiteres Kapital angewiesen, um dieses für dieses starke Wachstum finanzieren zu können. Entsprechend sind wir sehr dankbar, in den letzten Jahren eine sehr stabile und starke Gesellschafterbasis aufgebaut zu haben. Dazu zählen unter anderem NTEC, der Technologiearm der Kuwait Investment Authority, oder Conduit Ventures, ein Fonds von Shell, Mitsubishi, Solvay und anderen Weltkonzernen.

Sie wollen das Grundkapital erhöhen?

Ja, wir haben vor wenigen Tagen eine Kapitalerhöhung um 873.819 Aktien im Verhältnis 25:4 bekannt gegeben. Die Bezugsfrist geht vom 25. Mai bis zum 11. Juni, der Bezugspreis der neuen Aktien wird im Wege eines Bookbuilding-Verfahrens festgelegt. Wir wollen aber neben weiterem Eigenkapital zunehmend auch andere Finanzierungsinstrumente insbesondere für den Aufbau des Working Capitals nutzen.

Bleiben Sie bei einer früher von Ihnen geäußerten Aussage, dass Sie innerhalb der nächsten vier Jahre das Potenzial für ein Umsatzvolumen von mehr als 100 Millionen Euro sehen?

Wir sind mit etwa drei Millionen Basisstationen in einem quantitativ sehr großen Markt aktiv. Davon sind etwa 20 Prozent entweder ohne Anbindung an ein Stromnetz oder nur an ein sehr schwaches Netz angekoppelt. Zudem wächst der Markt jährlich um etwa 400.000 Anlagen. Die sogenannten netzfernen Anlagen laufen überwiegend auf Dieselgeneratoren. Hier bietet unsere Lösung eine Betriebskostenersparnis von bis zu 70 Prozent und ist damit für diesen Markt sehr attraktiv. Da eine durchschnittliche Anlage etwa 20.000 Euro kostet, braucht man 5.000 Anlagen im Jahr, um auf ein Umsatzvolumen von 100 Millionen Euro zu kommen. Diese Zahl ist im Verhältnis zur Marktgröße nicht exorbitant, zumal wir ein diversifizierteres Angebot neben der reinen Generatoroptimierung im Portfolio haben. Entsprechend kann ich bestätigen, dass wir das Potenzial sehen, dafür müssen wir aber selbstverständlich noch sehr viel tun. Um diese Herausforderung stemmen zu können, haben wir zum ersten September mit Herrn Abul-Ella einen neuen Vorstandsvorsitzenden gewinnen können. Seine industrielle Management-Erfahrung bei Siemens, Infineon und AMD sind von unschätzbarem Wert für das Wachstum, das wir planen.

Welche Rolle spielt die Technologie der Acta, an der Sie sich im ersten Quartal beteiligt haben?

Wir wollen nicht bei der Optimierung von Dieselgeneratoren stehenbleiben. Wir verfolgen eine Strategie, mit der wir über Energieeffizienzlösungen heute zu Nullemissionslösungen morgen kommen. Wichtige Bestandteile einer Nullemissionslösung stellen Brennstoffzellen und Elektrolyseure zur lokalen Herstellung von Wasserstoff als Alternative zu Diesel dar. Während die Kosten von Brennstoffzellen sich in den letzten Jahren deutlich der Kommerzialisierungsfähigkeit genähert haben, stellen heute die hohen Kosten von Elektrolyseuren eine der wesentlichen Hürden für die Markteinführung dar. Hier kommt Acta ins Spiel, die eine edelmetallfreie Technologie entwickelt hat, wodurch die Kosten von Elektrolyseuren dramatisch gesenkt werden können. Die Exklusivität für unsere stationären Märkte im Nahen Osten, Afrika und Deutschland, die wir uns Anfang des Jahres sichern konnten, wird eine wichtige strategische Weiche für die zeitnahe Markteinführung unserer Nullemissionslösungen sein.

Glauben Sie, dass die von Ihnen verkaufte Technologie so einzigartig ist, dass Sie dieses Umsatzziel bequem erreichen können?

Wir rollen heute kommerziell attraktive Lösungen aus, denen unsere Kunden eine führende Qualität und Leistungsstärke bescheinigen. Das bietet bereits ein sehr umfangreiches Wachstumspotential. Darüber hinaus arbeiten wir intensiv an neuen wie auch an Erweiterungen der bestehenden Lösungen. Hier kommt die Flexibilität und Offenheit unseres Energiemanagers als zentrale Steuerungs- und Intelligenzeinheit zum Tragen, an die wir Erweiterungen aber auch neue Produkte relativ leicht anschließen können. Für Ende 2012 erwarten wir, dass wir etwa 1.000 Manager im Feld haben werden. Nächstes Jahr deutlich mehr. Das bietet eine zunehmend große und stetig wachsende Basis, an die wir Neuheiten verkaufen und so schnell skalieren können.

Herr Dr. Gosztonyi, besten Dank für das Interview.

Langfristig interessant

Die Heliocentris-Aktie hat sich in den letzten Wochen sehr gut entwickelt. Im Hinblick auf die anstehende Kapitalerhöhung könnte es daher zu Gewinnmitnahmen kommen. Langfristig ist die Heliocentris-Story sehr spannend, doch sollte man vor einem Einstieg einen Rücksetzer abwarten.

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