Michael Schröder
Die Übernahmewelle rollt. Unternehmen und Investoren sitzen auf Rekordbeständen an Bargeld. Die Zahl der Gerüchte nimmt zu. DER AKTIONÄR erklärt, wo sich eine Spekulation lohnen könnte?
Es ist noch gar nicht so lange her: Ende Januar legte der US-Chemieriese Dupont ein Angebot für den dänischen Hersteller von Lebensmittel-Zusatzstoffen Danisco vor - und will eine Prämie von rund 25 Prozent zahlen. Angesichts historisch niedriger Bewertungen und hoher Cash-Positionen der Unternehmen erwarten Branchenkenner im laufenden Jahr eine massive Übernahmewelle. Jedes sechste Unternehmen in Europa mit mehr als 500 Millionen Euro Umsatz plant laut einer Analyse der Boston Consulting Group (BCG) eine Übernahme. Rund 900 Milliarden Euro Cash könnten Europas Konzerne für Übernahmen einsetzen. Hinzu kommt eine Reihe von liquiden Finanzinvestoren, die derzeit intensiv Ausschau nach geeigneten Übernahmezielen halten.
Aktivitäten nehmen zu
Auch bei zwei Aktien die zuletzt als Tipp des Tages vorgestellt wurden, verdichten sich die Übernahmegerüchte. Die YOC-Aktie hat bereits kräftig reagiert und konsolidiert derzeit den jüngsten Kurssprung. Der Colexon-Energy-Kurs ist dagegen noch nicht richtig in Fahrt gekommen. Wie schnell es gehen kann, konnte man Ende November bei der AKTIONÄR-Altempfehlung Teleplan sehen. Der Finanzinvestor Gilde Equity legte ein deutlich über dem Kurs liegendes Übernahmeangebot auf den Tisch. Die Aktie des IT-Servicedienstleisters schoss quasi aus dem Stand um über 25 Prozent in die Höhe.
Zwei DAX-Konzerne im Visier
Im DAX gilt die Munich Re schon lange als Übernahmekandidat. Berkshire Hathaway, das Investmentvehikel von Warren Buffett, hält bereits zehn Prozent an dem Rückversicherer. Der Konzern bietet das, was Buffett so sehr schätzt: ein gewinnträchtiges Geschäftsmodell, eine starke Marktstellung, eine solide Bilanz und eine günstige Bewertung (2011er-KGV von 9). Branchenkenner sind sich sicher: Der legendäre US-Investor will noch mehr Aktien. Berkshire verfügt über ausreichend Cash. Die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme ist dennoch eher gering.
Anders bei Beiersdorf: Immer wieder kochen Gerüchte hoch, dass sich der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) den Nivea-Hersteller einverleiben will. Nicht selten wurden dabei Preise oberhalb der 50-Euro-Marke genannt. Zuletzt hieß es, dass die Familie Herz ihre über den Investor Maxingvest gehaltene 50-prozentige Beteiligung verkaufen könnte, um damit die Übernahme des Kaffeegeschäfts des US-Konkurrenten Sara Lee zu finanzieren und dieses mit Tchibo zu fusionieren. "Ein Zusammenschluss von Beiersdorf und P&G brächte allen beteiligten Parteien Vorteile", so ein Branchenkenner.

Im MDAX stimmt die Chemie
Beim MDAX-Konzern Wacker Chemie hat die Gründerfamilie das letzte Wort. Dem Vernehmen nach soll die Wacker-Familie, die rund 55 Prozent der Anteile hält, grundsätzlich bereit sein, sich von ihren Stücken zu trennen - entscheidend dürfte hier einmal mehr der Preis sein. Angeblich ist die Familie bereit, ihren Anteil für 165 Euro pro Aktie abzugeben. Zuletzt wurde dem belgischen Chemiekonzern Solvay ein Interesse nachgesagt. Scheitern könnte der Verkauf aber an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Dabei wäre die Verhandlungsposition der Familie aber gut. Denn nach dem soliden Jahr 2010 erwarten Analysten für 2011 eine spürbare Verbesserung von Umsatz, Ergebnis und Dividende. Die notwendigen liquiden Mittel haben die Belgier durch den Verkauf ihres Pharmageschäfts für 6,6 Milliarden Euro an den US-Pharmakonzern Abbott Laboratories in der Firmenkasse. Zuletzt wurde Solvay daher auch mit dem ebenfalls im MDAX notierten Duft- und Geschmacksstoff-Spezialisten Symrise in Verbindung gebracht. Trotz erster Dementis scheint das letzte Wort in beiden Fällen noch nicht gesprochen.

High-Tech im Fokus
Neben der Chemiebranche ist auch der Markt für Infrastrukturlösungen für Telekommunikationsunternehmen in Bewegung. Netzwerkspezialist ADVA Optical will aktiv an der Branchenkonsolidierung teilnehmen, gilt aber auch selbst als potenzieller Übernahmekandidat. Vorstand Brian Protiva dürfte ein attraktives Angebot sicher nicht ausschlagen. Zuletzt wurde US-Wettbewerber Juniper Netwerks als möglicher Käufer genannt. Ein Preis von neun Euro je Aktie wäre sicher attraktiv.
Der letzte Versuch von Siemens, sich die Dienste des kleinen Software-Entwicklers IBS zu sichern, liegt zwar schon etwas länger zurück. Der DAX-Konzern scheiterte im Juni 2007 mit seinem Angebot zu 5,00 Euro. Allerdings scheint es nur eine Frage der Zeit, wann der DAX-Riese erneut "anfragt". Denn so müsste Siemens die benötigten Software-Funktionalitäten nicht selber entwickeln. Beim zweiten Anlauf dürfte das Angebot etwas höher ausfallen, doch das sollte dem Milliarden-Konzern nicht schwer fallen.
Depotbeimischung mit Pfiff
Übernahmekandidaten bereichern das Depot. Allein die Gerüchte dürften die vorgestellten Aktien immer wieder beflügeln. Kommt das Übernahmeangebot, winkt meist eine satte Prämie. Wer als Anleger auf ein ganzes Paket an Übernahmekandidaten setzen will, kann dies zum Beispiel auch mit dem M&A-Zertifikat (WKN SG6 3FU) von der Société Générale.
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