Hans A. Bernecker: „Finanzaktien sind die großen Profiteure“
Hans A. Bernecker hat schon viele Krisen erlebt. Niemand hat eine derartige Börsenerfahrung wie der Herausgeber der Actien-Börse. Im Interview mit dem AKTIONÄR sieht der Altmeister der Börse gute Chancen für Finanzaktien wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank.
Bei Finanztitel wie Deutsche Bank oder Commerzbank sieht Hans A. Bernecker derzeit die besten Chancen. Auch zyklische werte werden in den nächsten Monaten profitieren.
DER AKTIONÄR: Herr Bernecker, nach den Worten Draghis sollen nun Taten folgen um die Euro-Zone och noch zu retten. Die Märkte reagierten drauf stark nach oben. Bleibt noch genug Zeit?
Hans A. Bernecker: Natürlich bleibt dafür noch Zeit. Die Entscheidung der EZB ist eine Notfalllösung oder besser gesagt eine Notwendigkeit. Sie widerspricht sämtlichen Theorien oder Erfahrungen die wir Deutschen mit unserer Politik gemacht haben. Aber wir stehen vor einer Situation, dass die Liquidität der Banken sicherzustellen ist. Dies geschieht nur dadurch, dass wir die EZB in die Lage versetzen Anleihe-Bestände aufzunehmen, die im Wesentlichen in den Bankbilanzen liegen. Wird dies absolviert, dann haben wir einen bereinigten Markt. Mehr aber noch nicht. Die Liquidität für die Märkte zu gewährleisten ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass wir aus der derzeitigen Klemme heraus kommen. Mit dieser Vorgehensweise kann ich gerade noch - aus praktischen Gründen nicht aus theoretischen Erwägungen - leben.
ie kann man den Volkswirtschaften wie Spanien oder Italien wieder auf die Beine helfen. Ein großes Problem dieser Länder ist ja unter anderem die sehr hohe Arbeitslosigkeit?
Das Problem ist kein Finanzproblem. In diesen Ländern ist die entscheidende Frage: Kann man aus politischen und sozialen Gründen den Arbeitsmarkt so liberalisieren, wie es für moderne Länder nötig ist, wie zum Beispiel in Deutschland - im Internationalen Vergleich fast vorbildlich. Dafür ist kein Euro nötig. Sondern lediglich eine Parlamentsentscheidung. Dann haben wir die Möglichkeit dass sich diese Arbeitslosigkeit rund halbieren lässt. Die Arbeitslosigkeit zum Beispiel in Spanien hat sich die Arbeitslosigkeiten in den letzten acht Jahren fast verdoppelt. Nur weil die Wirtschaft geboomt hat und dennoch allein durch die rigiden Maßnahmen im Arbeitsrecht kein und breit war und auch noch nicht konnte einen neuen Arbeiter einzustellen. Die Reparatur dieser Volkswirtschaften ist mit gesetzlichen Maßnahmen zu lösen, nicht mit Geld.
Die Reformerfolge der Krisenländer Portugal, Spanien oder Italien werden in der Öffentlichkeit wenig positiv hervor gehoben.
Absolut. Wir haben Gegenwärtig ein Stimmungsbild das den realen Fakten nicht entspricht.
Die Märkte haben wieder Hoffnung geschöpft und den Weg nach oben eingeschlagen.
Zunächst sind wir gut gestartet. Das bedarf auf jeden Fall einer Ruhepause. So wie sich die liquiditätsmäßigen Entspannungen darstellen und sich die Liquidität fängt haben wir nach wie vor eine gute Ausgangslage für steigende Kurse.
Ihre Favoriten - Bankwerte?
Ich erwarte keine Wunderdinge. Aber ich erwarte eine deutliche Entspannung der Lage. Alle Banken sind in der Lage ihre Schrottbestände bei der EZB abzuladen. Nichts ist wichtiger als eine handlungsfähige Bank oder ein Banksystem. Alle Banken Europas befinden sich in der gleichen Ausgangslage. Nun ist es schwierig, unter rund 15 Banken die Auswahl zu treffen, da die Potentiale im Wesentlichen gleich sind. Für deutsche Investoren sind die Deutsche Bank und die Commerzbank die naheliegende Alternative.
Herr Bernecker, vielen Dank für das Gespräch.
Leserkommentare
Die Kommentarfunktion wird moderiert. Die Moderation liegt alleine bei der Börsenmedien AG. Kritische Diskussionen sind erwünscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt.
Disqus ist ein Online-Dienst und wird von der Big Head Labs, Inc. aus San Francisco in den USA zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden sind in den Börsenmedien-Datenschutzbestimmungen zu finden.
Aktien-Reports
Weitere Artikel zum Thema
Heute Abend richten Börsianer ihren Blick nach Washington. Dann gibt die US-Notenbank Fed ihren Zinsentscheid bekannt. Die Experten von Merrill Lynch erwarten noch keine Straffung der US-amerikanischen Geldpolitik. Auch wenn die Fed ihre Wachstumsprognosen etwas senken dürfte, sehen die Merrill-Lynch-Strategen den DAX weiter auf Kurs....mehr |
Der deutsche Aktienmarkt startet mit kräftigen Gewinnen in die neue Handelswoche. Viele Anleger sehen derzeit eine günstige Einstiegschance. Doch ist die Korrektur schon beendet?...mehr |
Seit dem 1. Juli 1988 wird der Deutsche Aktien Index täglich berechnet. In wenigen Tagen jährt sich dieses Ereignis zum 25ten Mal. Ein Grund zum Feiern - und ein Anlass, vorauszuschauen. DER AKTIONÄR nennt die DAX-Favoriten für das zweite Halbjahr. Anleger erfahren, mit welchen Aktien sie den Index schlagen können. Außerdem schickt das Magazin zwei Redaktionsteams ins Duell: Bullen und Bären gehen der Frage nach, ob Gold ein lohnenswertes Investment ist oder nicht....mehr |
Eine wahre Achterbahnfahrt hat der DAX hinter sich. Zunächst rutschte er am Donnerstagmorgen kräftig ins Minus, um am Nachmittag den Großteil der Verluste wieder aufzuholen. Und auch für den Wochenschluss wird der deutsche Leitindex freundlich erwartet. ...mehr |
Die jüngste Korrektur am Aktienmarkt ist Wasser auf die Mühlen der Aktienskepsis der deutschen Privatanleger. Profis lassen sich davon nicht verunsichern. Sie sind weiter zuversichtlich und sehen noch immer zahlreiche Kaufchancen. DER AKTIONÄR zeigt, welche Aktien bei Investmentexperten besonders beliebt sind....mehr |























