Portugal und Griechenland herabgestuft - Sorge um PIIGS
Leon Müller
Die Lage des hoch verschuldeten EU-Mitgliedsstaates Griechenland spitzt sich weiter zu. Am Dienstagabend stufte die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonität des Mittelmeer-Landes auf "BB+/B" herab - griechische Anleihen haben somit fortan Ramschstatus. Auch Portugal bekam eins auf den Deckel. Kommt jetzt der große PIIGS-Kollaps?
Gute Tage sehen anders aus. Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) am späten Nachmittag die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf "BB+/B" herabstufte, fielen die Notierungen in Frankfurt und anderen europäischen Handelsplätzen ins Bodenlose. Retten konnte da nur noch die Schlussglocke. Der DAX verlor während der letzten Handelsstunde weit über 100 Punkte, schloss letztlich mit einem Abschlag in Höhe von 2,73 Prozent bei 6.159,51 Zählern. Noch schlimmer hat es die europäische Währung erwischt. Der Euro notiert am Abend mit einem Minus von 1,16 Prozent bei 1,3236 zum Dollar - ein neues Jahrestief. Börsianer diskutieren nun, was als nächstes kommt - womöglich droht sogar eine regelrechte Pleitewelle. Bedroht vor allem die PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien). Schließlich ist Griechenland nicht das einzige Land, das nun eins auf den Deckel bekommen hat...
Griechenland nur noch Ramschstatus - Portugal abgestuft
Während S&P griechischen Anleihen den unrühmlichen Status von Ramsch verlieh, fiel das Urteil beim zweiten Staat der PIIGS-Gruppe weitaus milder aus. Die Ratingagentur hat die Kreditwürdigkeit Portugals auf "A-" gesenkt (zuvor "A+" und damit zwei Stufen höher). Die vermeintlich kleine Abstufung hat bislang bereits enorme Auswirkungen. So rentieren portugiesische Anleihen am Abend gleich 117 Basispunkte höher bei 5,36 Prozent - ein Riesensprung. Kreditderivate - sogenannte Credit Default Swaps (CDS) - schossen um 54 Basispunkte auf 365 nach oben. Das heißt im Klartext: Den Gläubiger kostet es aktuell 365.000 Euro im Jahr, möchte er Anleihen im Wert von 10 Millionen Euro versichern. Griechische Verhältnisse sehen da noch weitaus schlimmer aus. Entsprechende CDS sprangen auf den Rekordwert von 821 Basispunkten.
Sorge um PIIGS-Staaten - weitere Abstufungen drohen
Am Markt macht sich nun die Angst breit, auch andere Staaten der sogenannten PIIGS-Gruppe könnten straucheln. Zumal die Abwärtsspirale längst nicht gestoppt ist. S&P bewertet die Aussichten von Portugal und Griechenland "negativ", was so viel bedeutet, dass weitere Herabstufungen drohen. Gefahr besteht auch noch von einer weiteren Seite: Die Ratingagentur Moody's bewertet Griechenlands Bonität mit einem "A"-Rating. Folgt Moody's seinen Pendants, dürfte der Druck auf Griechenland, den Euro und die europäischen Börsen weiter steigen.
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