Florian Söllner
Q-Cells hat einen Weg gefunden zu überleben. Doch für die Rettung bezahlen vor allem die Altaktionäre. Der tatsächliche Wert pro Aktie weicht deutlich vom aktuellen Kurs ab. Zeit, schnell zu reagieren.
Glückwunsch, Q-Cells. Es gibt wieder eine Perspektive für die Mitarbeiter, dem Schuldendilemma zu entkommen. Die eigentlich todgeweihte Solarfirma könnte tatsächlich überleben. Doch der Preis dafür ist sehr hoch - und wird vor allem von den Aktionären bezahlt. Aufgrund der zu erwartenden extremen Verwässerung ist die Aktie selbst auf dem jetzigen Pennystock-Niveau noch viel zu teuer.
Schließlich sollen im Zuge der gestern bekannt gegebenen Restrukturierung Schulden gegen Aktien eingetauscht werden. In der Mitteilung heißt es: "Die Inhaber der 2012, 2014 und 2015 fälligen Wandelschuldverschreibungen werden gemeinsam mindestens 95 Prozent aller ausgegebenen Aktien der Q-Cells SE halten." Weitere Details dazu gibt es noch nicht. Doch grob überschlagen könnte die effektive Marktkapitalisierung damit von jetzt 80 Millionen Euro auf rund 1,6 Milliarden steigen. Das KUV läge damit deutlich über eins. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Solar-KUV beträgt derzeit 0,3.
Ziel 0,10 Euro?
Eine andere Rechnung kann über den Enterprise Value durchgeführt werden: Dieser Wert der Firma inklusive der Betrachtung des Fremdkapitals läge bei 357 Millionen Euro (80 Millionen Marktkapitalisierung + 577 Millionen Anleihen - 300 Millionen Euro Barmittel). Würden den Altaktionären davon fünf Prozent zugerechnet, läge der Anteil bei rund 18 Millionen Euro oder 0,10 Euro pro Aktie.
"Signifikante Nachteile"
Entsprechend skeptisch äußern sich die vom AKTIONÄR befragten Experten. "Die finanzielle Restrukturierung scheint unter Dach und Fach zu sein. Damit ist das Überleben von Q-Cells vorerst gesichert. Doch ich sehe eine große Verwässerung", so Karsten von Blumenthal von First Berlin. Alla Gorelova, CFA, von Steubing sieht sich in ihrer seit Monaten skeptischen Sicht für die Aktie bestätigt: "Es entstehen signifikante Nachteile für die Altaktionäre. Der faire Wert liegt deutlich unter dem aktuellen Kurs. Doch bei einer Pleite hätten die Anteilseigner alles verloren". (siehe auch DAF-Interview mit Alla Gorelova)
Stephan Wulf von Warburg Research warnt ebenfalls: "Nach dem Debt-to-Equity Swap läge die Marktkapitalisierung bei einem Kurs von 0,47 Euro bei 1,65 Milliarden Euro. Das ist - um es vorsichtig auszudrücken - eine sehr, sehr sportliche Bewertung. Zumal Q-Cells immer noch operative Probleme hat."
Noch ist die Rettung aber nicht komplett in trockenen Tüchern. Wolfgang Hummel vom Zentrum für Solarmarktforschung sagte dem AKTIONÄR: "Wir erwarten Widerstand und Klagen der Aktionäre, deren Anteile nahezu vollständig verwässert werden."

Q-Cells bleibt ein Verkauf
Wie stark die Verwässerung für die Aktionäre tatsächlich ausfallen würde, kann derzeit noch nicht detailliert festgestellt werden. Klar ist aber: Eine Rettung kann nur über einen immensen Machtverlust der Altaktionäre dargestellt werden. Im besten Fall funktioniert der Debt-to-Equity-Swap und die verwässerte Aktie nähert sich einem fairen Niveau, welches deutlich unter dem aktuellen Kurs liegen dürfte. Auch weil der kurzfristige Short-Squeeze am Donnerstag bereits wieder an Momentum verliert, rät DER AKTIONÄR weiterhin, die Q-Cells-Aktie strikt zu meiden.