Klöckner & Co verkommt zum Übernahmekandidaten
Für die Anleger des Stahlhändlers Klöckner & Co ist es wie in einem Alptraum. Seit der im Mai 2011 beschlossenen Kapitalerhöhung ist der Börsenwert des Unternehmens um rund 70 Prozent zusammengeschrumpft. Der einst von den Analysten mit Kurszielen von 30 Euro gefeierte Stahl-Riese verkommt zum Übernahmekandidaten.
Es ist gerade mal ein Jahr her, da war Klöckner von den Analysten eines der meist gefeierten Unternehmen in Deutschland. Im März 2011, bei Kursen um die 20-Euro-Marke, sahen die Experten große Kursziele von 30 Euro. Zwischen März und Juli 2011 gab es laut Bloomberg 24 Ratings, davon empfahlen 23 die Aktie zum Kauf. JP Morgan schätzte das Potenzial auf 29 Euro. Goldman Sachs berief das Papier gar auf die Conviction-Buy-List. BNP gab ein Kursziel von 33 Euro aus.
BNP: Aktie halten
Vor einigen Tagen hat BNP erneut ein Rating abgegeben und die Aktie auf Halten gestuft - Kursziel 10 Euro. Dass dieses Kursziel einem Potenzial von 25 Prozent entspricht ist dabei besonders ernüchternd. Der Stahlhändler schafft es aktuell nicht einmal schwarze Zahlen zu schreiben. Zu schwer lastet die Krise auf dem so konjunkturabhängigen Unternehmen. Die Stahlpreise sind ebenfalls im Keller. Da diese Marktinformationen aber keine Neuigkeit darstellen, sollten diese Faktoren eigentlich bereits im Kurs eingepreist sein. Doch der Ausblick macht wenig Hoffnung.
Geschätztes 2012er KGV von 62,91
Die Klöckner-Aktie erscheint mit einem Kurs-Buch-Wert von 0,41 sehr attraktiv. Doch das geschätzte 2012er KGV liegt aufgrund der enttäuschenden Konzernergebnisse laut Analysten mittlerweile bei 62,91. Normalerweise pendeln sich die Kurs-Gewinn-Verhältnisse nach so herben Abverkäufen im einstelligen Bereich ein. Das Unternehmen hat durch die Kapitalerhöhung einen Cashbestand von knapp einer Milliarde Euro, der für neue Übernahmen eingeplant war. Das ist mehr als das gesamte Unternehmen an der Börse wert ist - gelagertes Stahl und Gebäude noch nicht mit einbezogen. Der Vorstandsvorsitzende und Finanzchef in Personalunion, Gisbert Rühl, muss sich neben der Doppelbelastung eventuell demnächst zusätzlich mit Übernahmeversuchen aus Übersee beschäftigen, denn das Unternehmen wird mit jedem Prozent Verlust an der Börse attraktiver für die Konkurrenz. Möglich, dass das Unternehmen, das in der Vergangenheit anorganisch gewachsen ist, bald selbst geschluckt wird.

Abverkäufe bis 4,80 Euro möglich
Der AKTIONÄR rät zur Vorsicht. Neben der fundamentalen Situation sieht es auch charttechnisch mittelfristig weiter düster aus. Der Kurs schafft es nicht sich über der einstigen Unterstützung von 8,20 Euro zu etablieren. Von dieser Stelle aus begannen die jüngsten Abverkäufe in Richtung 7,00 Euro. Auch der aktuelle Stopp des rapiden Abwärtstrends muss nicht zwangsläufig ein Boden sein sondern kann lediglich eine technische Reaktion darstellen. Sofern sich das Papier nicht über 8,20 Euro stabilisieren kann, sind weitere Kursverluste bis zu neuen Tiefstständen im Bereich um 4,80 Euro bis 6,00 Euro nicht auszuschließen.
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