Florian Söllner
Der weltweit größte Solarkonzern First Solar strauchelt. Erneut schockt der Dünnschicht-Hersteller mit einer Gewinnwarnung. Das erste charttechnische Ziel des AKTIONÄR ist erreicht – der Put liegt 240 Prozent vorne.
"First Solar hat große, große, große Probleme", so Solaranalyst Gordon Johnson unlängst gegenüber dem AKTIONÄR. Er hatte nicht übertrieben. Für jedes "groß" hat First Solar in diesem Jahr eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Die 3. schockte am heutigen Mittwoch die Märkte. Selbst die im Oktober auf 6,50 bis 7,50 Dollar gesenkte EPS-Prognose für das Gesamtjahr ist schon wieder Makulatur. Nun werden nur noch 5,75 bis 6,00 Dollar in Aussicht gestellt. Besonders drastisch ist der Blick auf nächstes Jahr. Dann sollen nur noch 3,75 bis 4,25 Dollar je Aktie verdient werden. Das Gros der sogenannten Experten wurde damit komplett auf dem falschen Fuß erwischt: Der Bloomberg-Konsensus für 2012 liegt noch bei 7,70 Dollar.
Die Gewinnwarnungen sind keine Überraschung. Schliesslich reiht sich für die US-Amerikaner im wichtigen deutschen Absatzmarkt eine Niederlage an die nächste. Der AKTIONÄR hatte bereits im Oktober geschrieben: "Dem Vernehmen nach hat First Solar dieses Jahr mit Reklamationen zu kämpfen, was das Vertrauen einiger finanzierender Banken erschüttert hat." Solarexperte Wolfgang Hummel bestätigte: "Dieses Jahr hatten sich bei großen Solarparks in Deutschland (Ausnahme Alt-Daber in Brandenburg) immer Siliziummodule von Suntech, Trina Solar und Canadian Solar sowie Yingli gegenüber First Solar durchgesetzt."

Gap erreicht
Das charttechnische Ziel - ein Gap im Bereich von 33 Dollar (24 Euro) - wurde nunmehr erreicht. Der vom AKTIONÄR in diesem Aktienreport empfohlene Put hat mittlerweile über 240 Prozent zugelegt. Teilgewinnmitnahmen bieten sich nun an. Der Rest der Position kann gehalten werden, bis die Aktie endlich einen Boden findet. Davon ist derzeit nichts zu sehen. Es dürfte vielmehr eine lange und harte Phase für die First-Solar-Aktie werden.
Analysten, die bereits in den letzten Monaten zu naiv und optimistisch prognostiziert hatten, werden jetzt schrittweise ihre EPS-Schätzungen und Kursziele revidieren. Auch operativ bleibt es anspruchsvoll: Die Citigroup fürchtet, dass der Margendruck in der Branche 2012 sogar noch größer wird. Immerhin: Der Firma hilft eine solide Bilanz - eine Pleite droht (noch) nicht.
Der Autor dieses Artikels hatte sich vor wenigen Wochen hier in einem Interview mit DAF zu First Solar geäussert.