Felsenheimer: "Die Risikoaufschläge an den Märkten steigen schon wieder spürbar"
Italien hat gewählt und steht vor schwieirgen Entscheidungen. Der Deutsche Aktien Index quitiert den Ausgang der Parlamentswahlen mit einem satten Verlust. Wie wird es an den Märkten weiter gehen?
Nach den Parlamentswahlen in Italien geht der DAX in die Knie. DER AKTIONÄR sprach mit dem Experten Jochen Felsenheimer von XAIA INVESTMENT über die weitere Entwicklung.
DER AKTIONÄR: Herr Felsenheimer, wie beurteilen Sie nach der Wahl die Situation in Italien?
JOCHEN FELSENHEIMER: Unabhängig von der Frage ob es zu Neuwahlen kommt, hat das Wahlergebnis gezeigt, dass das politische Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone nach wie vor sehr hoch ist. Das Problem wird sein, dass die Europa-Kritiker in den nächsten Jahren sicher nicht weniger werden, da die Reformbemühungen innerhalb der Eurozone, die ja als Auslöser der Europamüdigkeit vieler Bürger gelten, noch viele Jahre in Anspruch nehmen werden.
Wie wird es nun weitergehen und wie lange könnte der Stillstand andauern - mit welchen Konsequenzen für Europa?
Die Risikoaufschläge an den Märkten steigen schon wieder spürbar, also wird die Refinanzierung gerade der Peripherieländer teurer. In einem Umfeld sich verschlechternder makroökonomischer Daten führt das zu einem anhaltenden Druck auf die Staatshaushalte und erschwert das Ziel der Schuldenreduktion. Dieses Phänomen wird leider nicht nur temporärer Natur sein, sondern es wird uns aller Voraussicht nach die nächsten Jahre begleiten. Die Kosten eines Verbleibs in der Währungsunion aus Sicht einiger Länder können in so einem Umfeld weiter ansteigen, womit das Risiko zu nimmt, dass ein Land (oder mehrere) die Eurozone verlassen.
Worauf müssen sich die Anleger vor diesem Hintergrund in den nächsten Tagen oder Wochen einstellen?
Der Anfang des Jahres war geradezu euphorisch, vor allem an den Kreditmärkten. Und auf den ersten Titelblättern wurden schon wieder neue Dax-Hochs prognostiziert. Das erinnert doch sehr an die Situation in 2006/2007. Angesichts der Vielzahl möglicher Krisenauslöser innerhalb Europas (Italien, Spanien, Zypern - um nur einige zu nennen) muss man auf einen weiteren Anstieg der Volatilität gefasst sein. Hier stellt sich ja schon ein gewisser Gewöhnungseffekt ein.
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