FC Bayern München gegen Borussia Dortmund: Fight der Millionen
Sportlich sind Bayern München und Dortmund auf Augenhöhe. Bilanziell sind die Dortmunder von den Münchnern und deren Festgeldkonto angeblich "Lichtjahre" entfernt. Stimmt das?
Für die einen sind es graue Zahlen auf weißem Papier, für die anderen das spannende Spiegelbild der im Saisonverlauf geschossenen Tore, vergebenen Elfmeter, neu entdeckten Fußballstars oder jubelnden Fans. Die Dortmund-Fans wissen seit der Beinahe-Pleite im Jahr 2005 nur zu gut: Am Ende des Tages ist es die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung, welche über das Wohl des Vereins entscheidet.
Hoeneß attackiert
Sportlich ist Borussia Dortmund auf nationaler Ebene durch den Gewinn von zwei Meistertiteln in Folge an den Bayern vorbeigezogen. Finanziell liegen die Münchner mit ihrem "Festgeldkonto" hingegen vorne. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke genießt die Underdog-Rolle und sprach zum Saisonende davon, dass Bayern dem BVB wirtschaftlich "Lichtjahre" voraus sei. Hoeneß konterte, Watzke solle hinsichlich der geringeren BVB-Kosten keine Märchen erzählen.
FCB vs. BVB: Das sind die Fakten
Dortmund hat finanziell aufgeholt. Die Bilanz ist stabil geworden, Umsätze und Gewinne nähern sich dem Niveau der Bayern an. Weit auseinander liegen hingegen noch die den Firmen beigemessenen Werte. Die Münchner sind nicht börsennotiert. Doch der Kauf von Anteilen seitens des Sponsors Audi in den Jahren 2010 und 2011 läßt Rückschlüsse auf den Marktwert des FC Bayern zu: Ist der Rekordmeister wirklich 6,6-mal wertvoller als der BVB?

Obwohl Bayern in der Spielzeit 2010/2011 nur 1,3 Millionen Euro Nettogewinn erwirtschaftete, liegt der Firmenwert bei rund einer Milliarde Euro (BVB: rd 150 Millionen Euro) Ein Grund für den Unterschied ist die Marke FCB. Ihr Wert wird auf 640 Millionen Euro geschätzt. Wertvoller ist nur Manchester United mit einem Markenwert von 690 Millionen Euro. Der BVB kommt nur auf 184 Millionen Euro.
Legendäres Festgeldkonto
Zuletzt war Bayerns legendäres Festgeldkonto mit 144 Millionen Euro (BVB: 2 Millionen Euro) weiterhin prall gefüllt. Doch bei Bayern stehen dem Cash durch den Stadionbau mittlerweile Verbindlichkeiten gegenüber, weswegen unter dem Strich auch hier Nettoschulden vorliegen. Die Personalkosten der Münchner betrugen zuletzt 156 Millionen jährlich, die des BVB mit 49 Millionen Euro weniger als ein Drittel. Letztlich agieren die Bayern finanziell aber defensiver als der BVB.
Doch dies rechtfertigt keinen Bewertungsabschlag in diesem Ausmaß: Das Bankhaus Lampe schätzt das laufende KGV der BVB-Aktie auf lediglich 4. Denn die Gewinne sprudeln. Trotz des Ausscheidens wurden 2011/2012 durch die Champions League wohl 27 Millionen Euro zusätzlich erlöst. Die Analysten gehen in ihren vorsichtigen Planungen nicht davon aus, dass der BVB diesen Erfolg linear fortführen kann. Das Kursziel liegt entsprechend nur bei 2,60 Euro. Doch Analyst Sebastian Hein stellte gegenüber dem AKTIONÄR klar: "Würde der Verein mehrere Jahre permanent in der Champions League vertreten sein, hätte die BVB- Aktie erhebliches Potenzial."

Bundesligastart
Sofern das Klopp-Team an die Erfolge der letzten Spielzeiten anknüpft, sollten risikobewusste Anleger die Steilvorlage nutzen.
Dieser Artikel ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 35/2012 erschienen und am 31. August aktualisiert. Das Kursziel für die BVB-Aktie beträgt 4,00 Euro, der Stoppkurs 1,70 Euro.
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