Florian Söllner
DER AKTIONÄR hat Solarworld-Chef Frank Asbeck getroffen. Er äußert sich zum Solarmarkt, der Förderkürzung und der aggressiv auftretenden Konkurrenz aus China. Insbesondere für das zweite Quartal zeigt er sich sehr zuversichtlich.
Die Fußball-WM begeistert Menschen auf der ganzen Welt - falls sie ans Stromnetz angeschlossen sind. Dies ist gerade in der dritten Welt keine Selbstverständlichkeit, weswegen Solarworld Sun-TV-Stationen für Afrika gespendet und auch auf diesem Kontinent für Aufmerksamkeit gesorgt hat. In Deutschland ist Solarworld dank Werbung mit Lukas Podolski ohnehin längst ein Begriff. Das positive Image der Marke stellt sich immer mehr als großer Wettbewerbsvorteil heraus. DER AKTIONÄR hat Frank Asbeck getroffen und zur Konkurrenzsituation befragt:
DER AKTIONÄR: Herr Asbeck, sind Sie zufrieden mit dem Geschäftsverlauf?
Frank Asbeck: Ja. Wir lasten unsere Kapazitäten derzeit zu nahezu 100 Prozent aus. Unser zweites Quartal dürfte eindeutig besser ausfallen als das erste Quartal. Zudem gehe ich davon aus, dass sich die Geschäfte von Solarworld trotz der EEG-Novelle im zweiten Halbjahr genauso gut entwickeln wie im ersten Halbjahr.
Stichwort Förderkürzung. Was kommt damit auf die Branche zu?
Ich gehe davon aus, dass die 16-prozentige Absenkung der Einspeisevergütung kommt. Angesichts dieser Änderung dürfte der deutsche Absatz von geschätzten 6 GW im Jahr 2010 auf 5 GW im Jahr 2011 zurückgehen.
Weltweit gesehen bleibt Solar ein Wachstumsmarkt. Doch der Konkurrenzdruck nimmt zu. Wie kommt Solarworld damit zurecht?
Solarworld hat weiterhin die besten Chancen, sich im Wettbewerb zu behaupten. Wir haben die Kosten absolut im Griff und die beste Technologie. Das erreichen wir auch dadurch, dass wir einige Maschinen - wie etwa Siliziumöfen - selbst entwickeln.
Dennoch kann Solarworld mit Billigmodulen preislich nicht mithalten...
Dafür können chinesische Niedriglohn-Firmen nur einstöckige Fabrikgebäude bauen, da die Mitarbeiter sonst auf die Dächer steigen und springen...
Im Ernst: Die Kostendifferenz wird überschätzt. Es gibt bei den jeweiligen Klassenbesten nur einen wesentlichen Faktor, der sich unterscheidet und das sind die Lohnkosten. Bei China-Playern liegen diese bei rund vier Prozent und bei Solarworld bei unter zehn Prozent der Gesamtkosten. Zieht man von dieser Differenz noch zwei Prozent Transportkosten ab, liegt der tatsächliche Unterschied nur bei rund vier Prozent. Da es Solarworld zudem gelingt, einen Premiumpreis zu erzielen, bleibe ich sehr zuversichtlich.
Vielen Dank für das Gespräch.

Analysten positiv
Auch weil der befürchtete Einbruch des deutschen Absatzmarktes ausgeblieben ist, haben Analysten jetzt reihenweise die Gewinnschätzungen und Ratings für Solarworld wieder angehoben. So sieht Société Générale das Kursziel nun bei 12,60 Euro nach zuvor 10,00 Euro. Die Deutsche Bank hat selbiges von 9,50 Euro auf 12,50 Euro und das Rating von "Halten" auf "Kaufen" erhöht. BNP Paribas sieht für Solarworld sogar einen fairen Kurs von 15 Euro und HSBC erhöhte diesen von 10,00 Euro auf 12,50 Euro.
Am 11. August gibt der Solarmodulhersteller seine Halbjahreszahlen bekannt. Auch aufgrund der Aussagen von Firmenchef Frank Asbeck geht DER AKTIONÄR von einem starken Ergebnis und positiven Impulsen für die Aktie aus. Da der Abwärtstrend der Aktie intakt ist, sollte jedoch der Stoppkurs bei 7,90 Euro beachtet werden.
Dieser Artikel ist in der Print-Ausgabe 27/2010 erschienen.