Exklusiv: In wenigen Stunden startet die Übernahme-Schlacht um Artnet
Am Mittwoch findet in Berlin eine der spannendsten Hauptversammlungen des Jahres statt. Gelingt die Machtübernahme der Internetfirma oder können die Gründeraktionäre den Angriff abwehren?
Spannung pur. Am morgigen Mittwoch prallen in Berlin ab 11 Uhr zwei Aktionärsgruppen aufeinander. Auf der Hauptversammlung der Artnet AG wird entschieden, ob sich die neuen Aktionäre gegen das bisherige Management durchsetzen können. Redline und Weng Fine Arts hatten Anfang August über zehn Prozent der Aktien eingesammelt. Besonders Weng-Gründer Rüdiger Weng dürfte den Artnet-Vorstand mit kritischen Fragen attackieren.
DER AKTIONÄR geht davon aus, dass der neue Vorstand Jacob Pabst gegenüber Weng wohl unter anderem zur Höhe der Vorstandsbezüge Stellung nehmen muss. Ein weiterer strittiger Punkt: Der Umzug der US-Tochter in das relativ teuere Woolworth Building. Die neuen Aktionäre sehen keinen Sinn darin, dass ein Internetunternehmen ohne Publikumsverkehr in Manhattan und dort im Woolworth Building Büros unterhält.
Pabst wird sicherlich kontern und ebenfalls kein Blatt vor den Mund nehmen. Dem AKTIONÄR sagte er im Hinblick auf den milliardenschweren Redline-Eigner Vladimir Evtushenkov: "Auch im Sinne unserer Aktionäre lehnen wir eine Übernahme durch russische Oligarchen oder Finanzinvestoren ab."
Wer gewinnt die Mehrheit?
Als Sieger wird diese Partei hervorgehen, welche zur Hauptversammlung am 8. August mehr als 50 Prozent des Aktienkapitals hält bzw. hinter sich versammeln kann. Denn erreicht das bisherige Management diese Schwelle, soll beschlossen werden, dass die Abberufung von Aufsichtsräten nur noch mit einer Mehrheit von über 75 Prozent erreicht werden kann. Gelingt dieser Coup, hätte Gründer Hans Neuendorf mit seinem Aktienpaket von 26 Prozent die Macht, neue Investoren auszubremsen.
Redline und Weng wollen genau dies verhindern und hoffen auf Unterstützung: "Die Verwaltung will sich auf Kosten aller anderen Aktionäre überproportionalen Einfluss sichern".
Doch Pabst bleibt zuversichtlich: „Wir haben eine Reihe von langjährigen Partnern, die größere Aktienpakete halten. Diese Firmen stehen hinter dem eingeschlagenen Kurs von Artnet.

Alles ist möglich
Redline hat bereits angekündigt, ein Übernahmeangebot vorzulegen, was weiteres Kurspotenzial eröffnet. Ist Neuendorf mit der "75-Prozent-Sperre" erfolgreich, dürfte das Interesse des kunsterfahrenen Russen jedoch schnell erkalten und zunächst die Fantasie aus der Aktie weichen.
Kleinaktionäre freuen sich, dass - egal wie das Ringen endet - die Artnet-Aktie und das -Management belebende Impulse erfahren haben. Kurzfristig dürfte die Kursentwicklung volatil bleiben, langfristig dürfte die in Kunstkreisen weltweit bekannte Artnet jedoch auf jeden Fall noch viel Freude machen.
Der Autor dieses Artikels, Florian Söllner, hat dem DAF ein Interview zum Thema Artnet gegeben.
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