Christoph Albers
Die Luftfahrtmesse im britischen Farnborough hat für die EADS-Tochter Airbus sowie den US-Wettbewerber Boeing vielversprechend begonnen. Beide Kontrahenten erhielten bereits Aufträge in Milliardenhöhe. Aufgrund der geplanten Etat-Kürzungen in Europa will sich EADS jedoch international stärker ausrichten. Auch Boeing kündigte an, sein Auslandsgeschäft zu forcieren.
Die Flugshow gilt als Stimmungsindikator für die zuletzt stark angeschlagene Branche. Bereits zum Auftakt am Montag konnten Airbus und Boeing die ersten Großaufträge vermelden. Die Leasingsparte des US-Konzerns General Electric, Gecas, bestellte bei Airbus 60 Maschinen des Typs A320 im Gesamtwert von rund fünf Milliarden Dollar. Die Air Lease Corp kaufte 51 Flugzeuge der gleichen Bauart und der russische Flugkonzern Aeroflot forderte elf Maschinen des Typs A330-300 an. Boeing präsentierte mit der Bestellung der Dubaier Fluggessellschaft Emirates von 30 Maschinen des Tpys 777-300 einen Auftrag in Höhe von neun Milliarden Dollar. Zudem kaufte Gecas 40 Flugzeuge der Baureihe 737-800. Boeing-Vizepräsident Jim Abaugh rechnet in den nächsten Tagen auf beiden Seiten mit weiteren Bestellungen.
Unsicherheit bleibt
Aus Sicht der Experten belegen die Bestellungen die anhaltend zögerliche Erholung der Branche, welche hauptsächlich durch die Nachfrage aus Schwellenländern und von Billigfliegern angekurbelt wird. Die Airlines waren vergangenes Jahr durch einbrechende Passagierszahlen und Frachtraten stark belastet worden. Aktuelle Daten des Flugverkehrs lassen wieder eine Besserung erkennen. Analyst Richard Aboulafia von der Teal Group verweist jedoch auf die bestehende Unsicherheit und den Zweifel über die Stärke der Erholung.
Ausbau des internationalen Geschäfts
In Europa wird der Rotstift bei etlichen Militärprojekten angesetzt. Allein in Deutschland sollen rund neun Milliarden Euro eingespart werden. EADS-Rüstungsexperte Stefan Zoller nennt deshalb Indien, den Mittleren Osten und Brasilien als zukunftsträchtige Märkte mit wachsendem Militär- und Sicherheitsgeschäft. Indien steigert seinen Militäretat um ein Drittel. In Brasilien wird er um ein Viertel erhöht. In den USA sollen die Militärausgaben auf dem diesjährigen Niveau eingefroren werden. Auch Boeing will sein Geschäft international stärker ausweiten und beispielsweise mit älteren Modellen als billiger Lieferant für den europäischen Markt agieren. Teure Neuentwicklungen sollen dadurch eingespart werden.

Nächste Unterstützung angepeilt
Die EADS-Notierung befindet sich aus charttechnischer Sicht in einem kurzfristigen Abwärtstrend. Die nächste wichtige Unterstützung liegt bei 15,85 Euro. Bereits investierte Leser sollten diese Marke genau im Auge behalten, da bei Unterschreiten dieser Linie weitere Kursverluste drohen. Ein Sprung über den alten Widerstand knapp unterhalb von 17 Euro würde ein neues Kaufsignal generieren.