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Deutsche Post: Gelber Riese zum kleinen Preis

Thorsten Küfner

Bei der Deutschen Post boomt vor allem dank der Tochter DHL das Geschäft. Dennoch ist die Aktie des Logistikriesen im Branchenvergleich äußerst günstig bewertet. Clevere Anleger nutzen dies zum Einstieg – noch vor der Hauptversammlung am 9. Mai.

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Es war ein wahrer Paukenschlag in der als langweilig verschrieenen Logistikbranche: United Parcel Service (UPS) übernimmt den niederländischen Konkurrenten TNT Express. Der US-Konzern ist bereit, stattliche 5,2 Milliarden Euro auf den Tisch zu legen - für ein Unternehmen, das im laufenden Jahr gerade einmal 170 Millionen Euro verdienen wird. Doch UPS ist die Expansion in Europa zu wichtig, um sich von einem derart hohen Preis abschrecken zu lassen. Schließlich boomt die Branche. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Zum einen wächst das Handelsvolumen in aufstrebenden Schwellen- und Entwicklungsländern. Zum anderen profitieren die Expressdienstleister vom wachsenden Internethandel. Diese Entwicklung lässt die Gewinne von Branchengrößen wie UPS in die Höhe schnellen und füllt die Kriegskasse der angriffslustigen Amerikaner.

„Lieber Rasierklingen schlucken"

Bei der Deutschen Post ist man trotz der Expansion des US-Konkurrenten entspannt. Die Tochter DHL sieht auch durch die jüngsten Umwälzungen in der Branche keinen Handlungsbedarf. DHL-Chef Ken Allen erklärte kürzlich im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Ich würde lieber augenblicklich Rasierklingen schlucken, als jetzt irgendwelche größeren Wettbewerber zu übernehmen. Wir wachsen lieber organisch in einer sehr kontrollierten Art und Weise." Ein Grund für die Gelassenheit der Bonner ist die Tatsache, dass man in der Logistikbranche keinen Preiskampf befürchtet - im Gegenteil. Allen betonte im Hinblick auf die TNT-Übernahme: „Es wäre nicht der erste Markt, in dem die Preise steigen, nachdem sich die Zahl der Anbieter verringert hat."

Mehr als 40 Euro wert?

Trotz der florierenden Geschäfte und der guten Aussichten für die kommenden Jahre  hinkt die Aktie der Deutschen Post im Bewertungsvergleich der Konkurrenz aus dem Ausland noch weit hinterher. Dies wurde jüngst durch die TNT-Übernahme deutlich. UPS bot den TNT-Anteilseignern 9,50 Euro je Aktie. Damit wird das Unternehmen zum knapp 30-Fachen des für das laufende Jahr erwarteten Nettogewinns bewertet. Würde man dies zum Maßstab für eine faire Bewertung eines aufstrebenden Logistikkonzerns nehmen, müsste die Aktie der Deutschen Post mehr als 40 Euro kosten. Allerdings besteht natürlich kein Zweifel daran, dass TNT derzeit deutlich überbewertet ist.

Ein wahres Schnäppchen

Doch auch im Vergleich mit anderen großen internationalen Konkurrenten, deren Börsenwerte nicht durch eine Übernahme beeinflusst sind, zeigt sich, dass die Post-Aktie noch über beträchtliches Nachholpotenzial verfügt (siehe Seite 24). Bei nahezu allen relevanten Bewertungskennziffern haben die Deutschen die Nase vorn. Besonders markant: Der US-Konkurrent UPS wird mit dem 10-Fachen des Buchwertes bewertet, bei der Post beläuft sich das KBV lediglich auf 1,4.

Auch den Vergleich mit Kuehne & Nagel muss der „Gelbe Riese" nicht scheuen. Zwar handelt es sich beim Schweizer Konzern um ein seit Jahren beständiges Vorzeige-Unternehmen. Mit einem KGV 23 und einem KBV von 5,2 sind die Anteile allerdings erheblich teurer als die DAX-Titel. Zumal die Wachstumsraten der Schweizer denen des Bonner Konkurrenten zuletzt hinterherhinkten.

Gemessen an KGV, KBV und KUV ist der Bewertungsaufschlag zum US-Wettbewerber Fedex zwar nicht mehr ganz so deutlich, dafür punktet die Deutsche Post mit ihrer stattlichen Dividendenrendite von mehr als fünf Prozent, während es bei Fedex nur magere 0,6 Prozent gibt.

Der Peer-Group-Vergleich macht also deutlich: Anleger, die am stetig wachsenden Internethandel und dem steigenden Welthandel profitieren wollen, sollten sich daher bei der Deutschen Post positionieren, der mit Abstand günstigsten Aktie unter den Branchengrößen.

 

KGV

2012e

KUV

2012e

KBV

2011

Div.-Rendite

2011

Deutsche Post 11 0,3 1,4 5,1%
Fedex 14 0,7 1,7 0,6%
Kuehne & Nagel 23 0,8 5,2 3,3%
TNT Express 30 0,7 1,8 1,3%
UPS 16 1,4 9,9 2,8%

_

Stand: 20.04.2012

Zeit zum Einstieg!

Die Aktie der Deutschen Post ist immer noch sehr günstig bewertet und bleibt aufgrund der guten Perspektiven ein klarer Kauf. Angesichts der Dividendenzahlung von 0,70 Euro je Aktie sollte sich ein Einstieg besonders vor der Hauptversammlung am 9. Mai lohnen. Mutige Anleger können auch auf das Zertifikat von BNP Paribas mit der WKN BP1 MM1 setzen und die Performance des DAX-Titels hebeln.

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