Markus Bußler
Plant EADS wirklich den Ausstieg aus dem Bau des Militärtransporters A400M? Einem Bericht der Financial Times Deutschland zufolge ist Airbus-Chef Thomas Enders skeptisch, bis Ende Januar mit den Regierungen der sieben europäischen Bestellländer eine Einigung über die Zusatzzahlung von 5,3 Milliarden Euro zu erzielen.
Dem Medienbericht zufolge soll Enders bei einem Treffen mit Führungskräften des Konzerns gesagt haben, er glaube nicht mehr an eine erfolgreiche Programmfortführung. Daher gebe es jetzt erste Planungen für einen Programmabbruch.
Jede Menge Probleme
Der A400M bereitete in der Vergangenheit immer wieder Probleme - der Jungfernflug des Militärtransporters wurde verschoben. Erst Mitte Dezember hatte die Maschine erste Testflüge absolviert. Insgesamt liegt das Projekt aufgrund von Problemen mit der Steuerung der Motoren mehr als drei hinter dem Zeitplan, die ersten Flugzeuge sollten Ende 2012 ausgeliefert werden. Die Verzögerungen brachten auch höhere Kosten mit sich. Derzeit streiten Käuferstaaten und EADS darüber, wer für diese Mehrkosten aufkommen soll.
Gegenüber der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires sagte ein Airbus-Sprecher hingegen, man hoffe weiterhin, die Verhandlungen mit den Erstbestellernationen bis Ende Januar erfolgreich abschließen zu können. Das Militärtransporterprojekt A400M binde aber wichtige Engineeringkapazitäten. Diese Kapazitäten sehe der Vorstand besser bei den zivilen A350- und A380-Programmen eingesetzt als beim A400M mit derzeit auflaufenden Verlusten.
Bereits mehrere Male hat Thomas Enders mit einem Ausstieg aus dem Projekt gedroht. Aber auch ein solcher Ausstieg aus dem bislang verlustbringenden Geschäft dürfte nicht ganz einfach sein. Immerhin haben die Bestellnationen bereits Zahlungen geleistet. Bei einem Abbruch dürfte sich die Frage stellen, in welchem Umfang dieses Geld wieder zurückgewährt werden müsste.

EADS bleibt ein heißes Eisen: Auch im Bereich der zivilen Airbusprogramme gab es im vergangenen Jahr aufgrund der Finanzkrise zahlreiche Auftragsverschiebungen. Allerdings sollte die Talsohle erreicht sein. Die Airlines dürften im kommenden Jahr wieder vermehrt Maschinen bestellen. Dennoch: Aufgrund der unsicheren Lage beim Militärtransporter A400M ist EADS derzeit nur für risikobewusste Anleger interessant, die auf einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen spekulieren.