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E.on und RWE: Deutsche lehnen längere Laufzeiten ab - oder doch nicht?

Michael Herrmann

Gute oder schlechte Nachrichten für E.on und RWE? Die Atomdebatte geht in die entscheidende Phase und die Opposition hofft auf den Widerstand der Bevölkerung gegen längere Laufzeiten. Eine Umfrage bestätigt diese Hoffnung - aber nur auf den ersten Blick.

DER AKTIONÄR hat bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass die Aktien der beiden größten deutschen Energieversorger E.on und RWE derzeit vor allem unter dem Einfluss der Debatte über die geplante Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke stehen. Scheinbarer Gegenwind bläst den Stromkonzernen heute durch eine aktuelle Meinungsumfrage des Instituts Infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend ins Gesicht. Doch die Zahlen sind atomfreundlicher als sie auf den ersten Blick scheinen.

Grundsätzliche Ablehnung

Die Mehrheit der Deutschen lehnt laut der Umfrage eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten um die derzeit im Raum stehenden zehn bis 15 Jahre ab. 59 Prozent sind demnach grundsätzlich gegen eine Verlängerung um diesen Zeitraum, der jüngst von Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Spiel gebracht wurde. Nur 37 Prozent fänden es hingegen richtig, wenn die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke um 10 bis 15 Jahre verlängert würden.

Großes Aber im Detail

Auf den ersten Blick scheint die Umfrage die Hoffnung der Opposition auf einen breiten und lautstarken Widerstand aus der Bevölkerung zu erfüllen. 73 Prozent der Deutschen wären zum Beispiel mit einer Verlängerung der Laufzeit einverstanden, "wenn ein wesentlicher Teil der zusätzlichen Gewinne der Stromkonzerne für den Ausbau erneuerbarer Energien eingesetzt wird". Nur 25 Prozent wären auch in diesem Fall nicht damit einverstanden. 59 Prozent wären mit einer Verlängerung der Laufzeit einverstanden, "wenn es dadurch mehr Arbeitsplätze in Deutschland geben würde". 39 Prozent würden eine Laufzeitverlängerung auch in diesem Fall ablehnen. Ähnliche Werte ergeben sich beim Preisargument. 57 Prozent wären mit einer Verlängerung der Laufzeit zustimmen, "wenn dadurch die Strompreise sinken", während 42 Prozent damit nicht einverstanden wären.

Einschätzung bleibt positiv

Die Hoffnungen der Opposition auf einen breiten Widerstand in der deutschen Bevölkerung erfüllen sich folglich nur auf den ersten Blick. Gelingt es der Bundesregierung im Gegenzug zur Laufzeitenverlängerung eine Förderung des Ausbaus der erneuerbaren Energien festzulegen, dürfte sich der Widerstand in der Bevölkerung in Grenzen halten. Eine Verlängerung der Laufzeiten um mindestens zehn Jahre wird damit immer wahrscheinlicher. DER AKTIONÄR bleibt daher weiterhin bei seinen positiven Einschätzungen für die Aktien von RWE und vor allem E.on.

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