Michael Herrmann
Neues von den deutschen Energieversorgern und der Debatte um die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußert sich zum umstrittenen Gutachten und bekennt sich offen zu einer angestrebten Verlängerung der Laufzeiten. E.on und RWE zählen daraufhin heute zu den größten Gewinnern im DAX.
Wie DER AKTIONÄR bereits im Vorfeld berichtetete wurde am vergangenen Freitag das heftig kritisierte Gutachten, auf dessen Basis die Regierung die Laufzeiten verlängern will, offiziell übergeben. Auch wenn es der Öffentlichkeit (noch) nicht zugänglich ist, gerieten bereits mehrere Details nach außen. So soll es zwischen zwölf und 20 Jahren längere Laufzeiten empfehlen. In Bezug auf die Auswirkungen auf Beschäftigung, Klima und Strompreis lässt sich die Studie aber scheinbar sehr unterschiedlich interpretieren, weshalb der politische Spielraum recht groß bleiben wird.
Merkel bekennt sich zu längeren Laufzeiten
Eine entscheidende Rolle für die Neuregelung wird daher die Grundhaltung der Koalition spielen, die der Atomenergie gegenüber weitgehend freundlich gesinnt ist. Viele Minister begrüßen eine längere Laufzeit der Atommeiler. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich am vergangenen Wochenende zu dem Gutachten und zur Frage der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Im ARD-Sommerinterview sagte sie, dass sie, nachdem ihr das neue Gutachten nun vorläge, zu dem Schluss komme, dass "Kernenergie über das Jahr 2010 hinaus wünschenswert" sei und zehn bis 15 Jahre längere Laufzeiten "fachlich vernünftig" wären.
Opposition empört
Die Opposition reagierte empört über die Aussagen der Kanzlerin und kündigte harten Widerstand gegen die Pläne an. Auch das Gutachten legen Oppositionspolitiker atomkritischer aus. Letztendlich dürften sie aufgrund der schwarz-gelben Mehrheit im Bundestag aber machtlos sein, da die Bundesregierung das Verfahren über ein zustimmungsfreies Gesetz, sprich ohne notwendige Zustimmung des Bundesrats, ablaufen lassen will. Die Opposition hält dies zwar für verfassungswidrig, sollte aber Bedenken, dass der Ausstieg aus der Kernenergie ebenfalls ohne Zustimmung des Bundesrats beschlossen wurde. Auch für den "Ausstieg vom Ausstieg" wird daher sicherlich eine juristisch tragfähige Lösung gefunden werden.

Weiterhin günstige Einstiegsgelegenheit
DER AKTIONÄR hatte bereits darauf hingewiesen, dass sich die deutschen Energieversorger bei Verhandlungen mit der Politik erfahrungsgemäß sehr gut durchsetzen. Die aktuellen Aussagen der Bundesregierung und speziell der Bundeskanzlerin deuten einmal mehr darauf hin, dass ihnen dies auch dieses Mal gelingt und die Kosten gering gehalten werden. Da in den aktuellen Kursen dagegen vermutlich bereits die schlimmstmöglichen Risiken eingepreist sind, haben die Aktien von E.on und RWE weiter Luft nach oben. DER AKTIONÄR hält nach den positiven Äußerungen seitens der Bundesregierung an seinen positiven Einschätzungen für E.on und RWE fest. Für Anleger die ein Investment in die Betreiber von Atomkraftwerken nicht scheuen, stellen die aktuellen Kurse weiter eine günstige Einstiegsgelegenheit dar.