Michael Rößler
E.on und RWE stehen einmal mehr im Zusammenhang mit einer Verlängerung der Laufzeit für Atomkraftwerke im Blickpunkt. Alle 17 Meiler sollen erst einmal weiter laufen, die endgültige Laufzeit vom tatsächlichen Bedarf abhängen. Die beiden DAX-Aktien verlieren dennoch.
E.on und RWE können sich scheinbar berechtigte Hoffnung auf eine Verlängerung der Laufzeit ihrer Atommeiler machen. "Die Kernkraftwerke laufen nur so lange, bis der Ausbau der erneuerbaren Energien sie überflüssig macht", so Bundesumweltminister Norbert Röttgen im Interview mit der Financial Times Deutschland (FTD). Das hört sich zwar nach einer Einschränkung an, dennoch dürften am Ende des Tages längere Laufzeiten herauskommen, als ursprünglich festgelegt. "Wir brauchen nicht mehr Kernenergie, aber wir brauchen sie wahrscheinlich noch etwas länger als die willkürliche Festlegung durch Rot-Grün", so Rüttgen weiter. (zum FTD-Artikel)
Streit entfacht
Damit ist erneut politischer Streit über die weitere Laufzeit der deutschen Kernkraftwerke entfacht. Denn obwohl manche Kraftwerke bald abgeschaltet werden müssten - als erstes die Reaktoren Biblis A (RWE) und Neckarwestheim 1 (EnBw) - denkt die Regierung laut darüber nach, alle 17 deutschen Atommeiler vorerst weiterlaufen zu lassen. Konkrete Entscheidungen diesbezüglich sind jedoch noch nicht gefallen.

Anleger wollen Fakten
E.on und RWE befinden sich im Vormittagshandel am letzten Drittel der DAX-Liste wieder, beide Aktien notieren mehr als ein Prozent im Minus. Zu oft wurde jüngst über die Laufzeit diskutiert ohne dass dabei konkrete Ergebnisse präsentiert wurden. Anleger warten demnach ab, bis absolute Klarheit über die Laufzeit der Atomkraftwerke hierzulande besteht.

Basisinvestments
Zweifelsfrei wäre RWE der größte Nutznießer einer Verlängerung der Laufzeiten. Immerhin zählt der Versorger wegen seiner enormen Kapazität bei Kohlekraftwerken zu Europas größten Dreckschleudern. Doch auch bei E.on würde sich ein Szenario längerer Laufzeiten positiv auf den Gewinn niederschlagen. DER AKTIONÄR bleibt daher bei seiner bisherigen Einschätzung, RWE und E.on bleiben Basisinvestments, wenngleich RWE ein wenig mehr Schwung ins Depot bringen dürfte. Das erste Kursziel liegt bei 74 Euro. Bei E.on sind Kurse im Bereich von 34 Euro gerechtfertigt.