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E.on: Im Kreuzfeuer der Analysten

Michael Herrmann

Die Reaktionen zum Atombeschluss der Bundesregierung könnten unterschiedlicher kaum ausfallen. Auch die Aktie des größten deutschen Energieversorgers E.on reagierte zwiespältig. Großen Kursgewinnen am Montag folgten gestern bereits leichte Verluste. Analysten sehen in ihren aktuellen Einschätzungen sehr unterschiedliches Potenzial.

Während sich E.on-Chef Johannes Teyssen über die hohen Kosten der Laufzeitverlängerung beschwert, empfinden Opposition und Umweltschützer den Beschluss der Bundesregierung als Sieg der Atomlobby über die Politik. Für E.on-Anleger stellt sich aber vor allem die Frage, was der Beschluss für die Aktie des Energieversorgers bedeutet. DER AKTIONÄR hatte hierzu bereits gestern seine Einschätzung abgegeben. Doch auch mehrere Analysten haben sich bereits mit den Folgen des Regierungsbeschlusses für die Aktie von E.on beschäftigt. DER AKTIONÄR stellt die aktualisierten Einschätzungen vor.

Societe Generale

Nichts geändert hat sich bei den Analysten der Societe Generale. Sie stufen die Aktien von E.on weiterhin als "Buy" ein und belassen das Kursziel bei 28 Euro, da die Laufzeitverlängerungen noch nicht im aktuellen Kurs enthalten seien, so ihr Analyst John Honore. Bevorstehende Events, wie der Investorentag Ende September, könnten zudem für weitere positive Nachrichten sorgen.

Deutsche Bank

Alexander Karnick, Analyst der Deutschen Bank, hat die Einstufung für E.on ebenfalls auf "Buy" mit einem Kursziel von 28 Euro belassen. Für Karnick ist die nun vorgesehene Lösung, die Brennelementesteuer nach sechs Jahren durch eine Abgabe für Erneuerbare Energien zu ersetzen attraktiv, weil dadurch eine doppelte Besteuerung vermieden werde.

Independent Research

Sven Diermeier vom Analysehaus Independent Research bleibt dagegen skeptischer und hat die Einstufung für E.on auf "Halten" mit einem Kursziel von 24 Euro belassen. Trotz der beschlossenen Brennelementesteuer sowie weiterer Abgaben sei die Einigung zwar äußerst positiv zu werten, da sie Zusatzgewinne in Milliardenhöhe verspreche. Allerdings bleibe die Unsicherheit bestehen, ob die Neuregelung ohne Zustimmung des Bundesrats verfassungskonform ist. Als weiteren Belastungsfaktor könnten sich laut Diermeier zudem die im Spätherbst erwarteten Untersuchungsergebnisse des Bundeskartellamts zum deutschen Stromerzeugungssektor erweisen.

Goldman Sachs

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat das Kursziel für E.on nach der Verständigung der Regierungskoalition auf längere Restlaufzeiten für Atomkraftwerke von 32 auf 31 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Neutral" belassen. Die geplante Verlängerung um durchschnittlich zwölf Jahre liege unter den einkalkulierten 18 Jahren und die Kapitalaufwendungen seien trotz einer geringeren Steuerbelastung höher als erwartet, schrieb Analystin Deborah Wilkens. Die Bewertung der Kernkraftwerke habe sie entsprechend leicht gesenkt. Mit einer Dividendenkürzung rechne sie nicht.

Einschätzungen nur wenig verändert

Die Einschätzungen der Analysten fallen sehr unterschiedlich aus. Wirklich überraschend ist dies allerdings nicht, da dies bereits im Vorfeld des Regierungsbeschlusses der Fall war. Veränderungen bezüglich Einstufung und Kursziel gab es kaum. Lediglich die Investmentbank Goldman Sachs senkt das Kursziel leicht. Trotz der Einstufung als "Neutral" zählt ihre Analystin Deborah Wilkens mit einem Kursziel von 31 Euro aber weiterhin zu den optimistischeren Analysten. Auch DER AKTIONÄR hält daher an seiner Einschätzung fest. Das Kursziel beträgt weiterhin 30 Euro. Ein Stoppkurs bei 19,50 Euro sichert ab.

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