Martin Weiß
Der Streit zwischen Drillisch und der Deutschen Telekom erreicht die nächste Eskalationsstufe. Die Maintaler werfen dem Vorstand des Ex-Monopolisten Marktmanipulation vor und haben Strafanzeige gestellt. Die Drillisch-Aktie gewinnt deutlich an Fahrt.
Am 7. November hatte die Deutsche Telekom ihre Zusammenarbeit mit Drillisch und dessen Tochterunternehmen Simply fristlos gekündigt und zudem Strafanzeige wegen des Verdachts des Provisionsbetrugs gestellt. Daraufhin war die Aktie des im TecDAX gelisteten Unternehmens um zeitweise mehr als 60 Prozent im Wert eingebrochen. Jetzt holt der "David" zum Gegenschlag aus.
Verdacht der Marktmanipulation
In der Pflichtmitteilung von Drillisch heißt es: "Aufgrund des von Herrn Dr. Balz am 7.11.2011 gegen Verantwortliche der Drillisch AG verbreiteten Betrugsvorwurfs und des damit einhergehenden Kurseinbruchs der Aktie der Drillisch AG besteht nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Hanau der Anfangsverdacht eines Verstoßes gegen das Verbot der Marktmanipulation (§ 20a WpHG), begangen durch Herrn Dr. Balz und sonstige Verantwortliche der Deutsche Telekom AG."
Balz ist bei der Telekom Vorstand für Datenschutz, Recht und Compliance.
Bei dem Streit zwischen den ehemaligen Vertragspartnern geht es darum, wofür die Drillisch-Tochter Simply Provisionen erhalten hat. Der Discounter hat nach Ansicht der Telekom mehrere Zehntausend Mobilfunkanschlüsse aktiviert, ohne, dass tatsächliche Kundenverhältnisse zugrunde lagen. Drillisch hält dagegen, dass man sich vollumfänglich an die getroffenen Vereinbarungen gehalten habe.
Aktienkurs zieht an
An der Börse steigt der Kurs der Drillisch-Aktie am Montag um 3,8 Prozent auf 6,06 Euro. Im Anschluss an den Betrugsvorwurf Anfang November war der Titel binnen kürzester Zeit von 8,40 Euro auf 3,25 Euro abgestürzt, hatte sich dann aber zügig auf rund sechs Euro wieder erholt.

Solide Quartalszahlen und die Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms hatten den Kurs zuletzt stabilisiert.
Langwierige Geschichte
Der Konflikt zwischen Drillisch und der Telekom wird wohl endgültig vor Gericht entschieden. Anleger sollten nicht die Luft anhalten - die Sache könnte länger dauern. Wer nach dem Absturz nicht aus der Position geflogen ist, sollte die Aktie halten. Für spekulativ orientierte Investoren bietet sich ein Einstieg ab 6,32 Euro an.