Norbert Sesselmann
Die Anzahl der Unternehmen, die noch im ersten Halbjahr ihr Debüt an der Deutschen Börse feiern wollen, hat sich auf drei erhöht. Neben dem Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) und der Chemikalienhändler Brenntag plant nun auch das Hamburger Modeunternehmen Tom Tailor den Börsengang noch vor Ostern. Seit dem IPO der Hamburger Hafengesellschaft HHLA im Jahre 2007 hat sich kein Unternehmen in dieser Größenordnung an den heimischen Aktienmarkt getraut.
Tom Tailor erwartet aus einer Kapitalerhöhung Einnahmen von rund 140 Millionen Euro. Den Emissionserlös will das Mode- und Lifestyle-Unternehmen vor allem zur Fortführung der Retail- Expansion in den europäischen Kernmärkte Deutschland, Österreich, Schweiz, Benelux Staaten und Frankreich nutzen. Gleichzeitig soll durch die Rückführung von Finanzverbindlichkeiten die Kapitalstruktur und die finanzielle Flexibilität erhöht werden. Zudem sollen Erlöse aus der Platzierung bestehender Aktien erzielt werden.
Tom Tailor - IPO schon lange geplant
Mit der Übernahme durch die Private Equity-Gesellschaft Alpha wurde 2005 aus der Tom Tailor AG die Tom Tailor GmbH. Inzwischen firmieren die Hamburger unter Tom Tailor Holding AG. An der Börse waren sie allerdings noch nie. Die Pläne dafür stehen schon seit mehreren Jahren, wurden jedoch zwischenzeitlich immer wieder auf Eis gelegt. Organisieren sollen den Börsengang die Investmentbank JPMorgan und die Commerzbank. Tom Tailor gehört heut vor allem Finanzinvestoren. Die Mehrheit von 57 Prozent der Anteile wird von Fonds gehalten und 38 Prozent gehören der Beteiligungsgesellschaft Morgan Finance SA. Bei Vorstandschef Dieter Holzer liegen fünf Prozent. Mit dem geplanten IPO ist Tom Tailor ein Kandidat für den SDAX.
Rekordjahr 2009
Trotz Wirtschaftskrise wächst Tom Tailor und absolvierte 2009 mit einem Umsatzplus von 5,9 Prozent auf 300,2 Millionen Euro das erfolgreichste Jahr in seiner Firmengeschichte. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibung kletterte um 71 Prozent auf 37,8 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 730 Mitarbeiter. Hamburg ist der Sitz der Zentrale mit 300 Beschäftigten. Von der Elbe aus werden jährlich zwölf Kollektionen für jeweils fünf Modelinien entwickelt, wodurch jeden Monat ein neues Angebot in den Läden erscheint. Diese Schnelligkeit sieht das Unternehmen als einen Kern für seinen Erfolg. Mit einem hohen Anspruch an die eigene Marke sei es gelungen, für anspruchsvolle Kunden mit höheren Einkommen und preisbewusste Kunden gleichermaßen attraktiv zu sein, so der Vorstand.
Börsengang: Kabel Deutschland
Neben Tom Tailor stehen mit dem Chemikalienhändler Brenntag und Kabel Deutschland bereits zwei weitere große Unternehmen in den Startlöchern. Die beiden Börsenaspiranten hoffen mit Emissionserlösen von rund einer Milliarde Euro auf eine Mitgliedschaft im MDAX. Die letzte Emission dieser Größenordnung war die Hamburger Hafengesellschaft HHLA im Jahre 2007 mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro. Bei Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland laufen mittlerweile die Vorbereitungen auf Hochtouren. Der Finanzinvestor Providence, der mit 88 Prozent größter Eigentümer der Gesellschaft ist, plant einen Minderheitsanteil zu platzieren, eine Kapitalerhöhung sei nicht geplant. Den Börsengang begleiten sollen Deutsche Bank, Morgan Stanley, JP Morgan und UBS. Versuche KDG an einen strategischen Investor zu verkaufen, scheiterten an dem zu niedrigen Kaufangebot von 5,2 Milliarden Euro. Mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro ist Kabel Deutschland größter Kabelnetzbetreiber
Börsengang Brenntag
Das Mühlheimer Unternehmen Brenntag plant ebenfalls im ersten Halbjahr sein Börsendebüt. Neben der Emission neuer Aktien ist auch eine Platzierung von Altaktien geplant. Aus der Kapitalerhöhung rechnet das Unternehmen mit einem Erlös von 500 Millionen Euro. DER AKTIONÄR hat bereits am Montag über diesen Börsengang berichtet.
Es tut sich wieder was am deutschen IPO-Markt. DER AKTONÄR wird weiter berichten, sobald finanzielle Details und Termine bekannt gegeben werden.