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Douglas und Buch.de: Ein Zwerg, zwei Riesen, viele Chancen

Leon Müller

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Zwischen den Familien Kreke und Müller kündigt sich ein Duell an. Es geht um die Macht bei der Douglas Holding. Unbemerkt davon bahnt sich im Hintergrund eine Übernahme an.

Lange Zeit war alles ruhig. Plötzlich, im November vergangenen Jahres, durchbrach ein Mann im hohen Alter, kaum wahrnehmbarer Präsenz in den Medien, obendrein mit einem Allerweltsnamen gesegnet, diese Stille. Der Mann ist 77 Jahre jung, Workaholic, Drogeriekönig und heißt Erwin Franz Müller. Er gilt als einer der großen deutschen Unternehmer der Nachkriegszeit, hat es als einer von wenigen zum Umsatz-Milliardär gebracht. Selten sorgte er für Lärm. Dafür jetzt umso mehr. Augenscheinlich nach dem Motto  "mir nichts, dir nichts" kaufte er sich beim Handelskonzern Douglas Holding ein, erwarb rund drei Prozent der Aktien und sorgte damit für eine handfeste Überraschung, allen voran für die Douglas-Großaktionärs-Familie Kreke. Sie hält 12,16 Prozent der Aktien.

Zu diesem Zeitpunkt äußerte sich Douglas-Chef Dr. Henning Kreke* in einem Interview wie folgt: "Die Familien Kreke/Eklöh sowie die Oetker-Gruppe sind seit über 40 Jahren mehrheitlich an der Douglas-Gruppe beteiligt und beabsichtigen, ihre Aktien auch weiterhin langfristig zu halten und das Unternehmen nachhaltig weiterzuentwickeln. Insofern steht ganz bestimmt keine Übernahme an." Auch an der Geschäftspolitik von Douglas werde sich nichts ändern. "Die Beteiligung von Müller hat keinen Einfluss auf unser operatives Geschäft. Wir sehen keinen Bedarf, uns umzuorientieren", so Kreke weiter. Jetzt wird er es womöglich müssen, denn Müller lässt nicht locker.

Müller strebt zweistelligen Anteil an

Vor wenigen Tagen hat er seinen Anteil auf 5,2 Prozent erhöht. Von Sättigungsgefühl jedoch keine Spur: Noch in diesem Jahr wolle er Anteilseigner im zweistelligen Bereich werden, erklärte er gegenüber dem Magazin Focus. Das darf als Kampfansage verstanden werden. Die Aufstockung könnte schneller über die Bühne gehen als viele erwarten oder befürchten. So gibt Equinet-Analyst Ingbert Faust zu bedenken: "Es kursiert die Spekulation, dass Erwin Müller bereits Zugriff auf weitere sieben Prozent haben könnte, die derzeit bei der Schweizer Bank Sarasin liegen."

Synergien in Einkauf und Logistik

Hinsichtlich möglicher Synergien zeigen sich Analysten im Gegensatz zu Erwin Müller weniger optimistisch. Sie zweifeln, ob die von Müller ins Feld geführten Einspareffekte in Logistik und Einkauf gehoben werden könnten. An der Börse spielt das derzeit eine nur untergeordnete Rolle. Müller hat mit seinen Aktionen vor allem eines erreicht: Douglas steht im Fokus.

Nebenschauplatz Buch.de

Am Rande der Müller-Kreke-Fehde ist ein anderer Bereich der Douglas Holding zum Nebenschauplatz geworden. Dabei steckt auch in dieser Konstellation durchaus Zunder. Was Müller für Douglas ist, ist Douglas nämlich für Buch.de. Nachdem der Handelskonzern nahezu alle von Bertelsmann gehaltenen Aktien übernommen hat, beträgt der Anteil nun 60,22 Prozent. Buch.de-Chef Albert Hirsch, der zuvor bei Douglas Karriere gemacht hat, fühlt sich wohl mit dem neuen Mehrheitseigner. Im Interview mit dem aktionär sagte er zum Jahreswechsel: "Douglas ist und war von der ersten Stunde an ein treuer Großaktionär, der absolute Top-Fachleute in seinen Reihen weiß. Die Holding verfügt zudem über ein tolles Fachhandelskonzept."

Bereits zu diesem Zeitpunkt stellte sich die Frage nach einer Komplettübernahme durch Douglas. In der Zwischenzeit ist die Wahrscheinlichkeit einer solchen gestiegen. Die Firma wird das Geschäftsjahr auf den 30. September umstellen - ganz im Sinne von Douglas, das ebenfalls zu diesem Stichtag bilanziert. Zudem dürfte Buch.de das Zahlenwerk der Holding schmücken, wie schon bei der Vorlage der Ergebnisse zum ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2009/10 zu erkennen war. Der Online-Buchhändler konnte einen um 30 Prozent höheren Umsatz ausweisen als im Vorjahreszeitraum.

Douglas in Bewegung - Buch.de vor Übernahme

In die Douglas-Aktie dürfte dank der Aktivitäten Müllers Bewegung kommen. Mit einem 2011er-KGV von 15 eignet sich die Aktie auch für konservative Anleger. Buch.de dürfte mittelfristig vollständig von Douglas übernommen werden. Ohne Aufschlag dürfte dieser Deal aber nicht gelingen.


*Der Vorstandsvorsitzende der Douglas Holding AG heißt Dr. Henning Kreke und nicht Erwin Kreke wie in Ausgabe 25/10 von DER AKTIONÄR auf Seite 22 fälschlicherweise geschrieben. 

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