HeidelDruck: 300 Prozent oder Penny-Stock?
Die Aktie des seit 1850 bestehenden Traditionsunternehmens Heidelberger Druckmaschinen (HeidelDruck) hat im Juni erstmals die Schwelle von einem Euro unterschritten und so einen neuen Tiefpunkt in der Unternehmensgeschichte erreicht. Der Konzern kämpft in einer schwachen Druckbranche um den Turnaround.
Der Weltmarktführer in der Druckmaschinenbranche hat mächtig an Ruhm und Reputation verloren. Seit 2009 hat das Heidelberger Unternehmen jährlich einen Verlust ausweisen müssen. Doch nicht nur der Ruhm, sondern auch der Wert es Unternehmens ist auf ein Minimum geschmolzen. Wer im Juli 2007, also vor fünf Jahren, Anteile gekauft hat, hat heute mehr als 97 Prozent seines Kapitals verloren.
Neue Aufträge
Doch der Konzern macht Hoffnung. Dank der alle vier bis fünf Jahre stattfindenden Drupa, der wichtigsten Messe in der Druckbranche, will das Unternehmen bereits in der ersten Hälfte des neuen Geschäftsjahres einen satten Auftragseingang vermelden. Jüngst konnten sogar größere Aufträge aus Frankreich, Großbritannien und Italien vermeldet werden, die den Absturz der Aktie auf Penny-Stock-Niveau per Schlusskurs verhindern konnten.
Das sagen die Analysten
Die jüngsten Analysteneinschätzungen könnten verschiedener nicht sein. So riet die DZ Bank zuletzt zum Verkauf der Aktie mit einem Kursziel von einem Euro. Das Bankhaus Lampe schätzt die Situation ähnlich negativ ein: HeidelDruck sei eine Halteposition mit Kursziel 1,20 Euro. Positiver gestimmt ist Sven Krupp, Analyst von AC Research. Aus seiner Sicht ist die HeidelDruck-Aktie „fundamental sehr günstig bewertet". Er glaubt an die Turnaround-Story, sofern sich die Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte erholt. Denn es sei davon auszugehen, dass mit dem Zugewinn weiterer Marktanteile eine Rückkehr in die Gewinnzone möglich sei. Die Analysten von Kepler Capital Markets raten ebenfalls zum Kauf der Aktie und geben ein Kursziel von drei Euro aus. Das entspräche einem Turnaround-Potenzial von fast 300 Prozent.

Aktie am Boden - Wie lange noch?
Charttechnisch lässt sich nach den massiven Abverkäufen seit Juni ein schwach ausgeprägter Boden bei einem Euro erkennen. Sollte es für das Papier weiter in Richtung Norden gehen, wartet ein massiver Widerstand bei der Marke von 1,20 Euro. Hier verläuft zum einen der seit Juli 2011 verschärfte Abwärtstrend und zum anderen ein horizontaler Widerstand, der in den vergangenen zwölf Monaten häufig als Haltelinie diente. Es ist durchaus möglich, dass die Aktie noch einmal die 1-Euro-Marke testen wird. Sollte sich der Boden bewähren, wäre es für risikofreudige Anleger eine willkommene Möglichkeit, auf zehn bis zwanzig Prozent Kurspotenzial zu wetten. Langfristig orientierte Anleger sollten zunächst die folgenden Quartalszahlen abwarten, um zu sehen, ob sich tatsächlich ein Turnaround anbahnt oder HeidelDruck endgültig zum Penny-Stock verkommt.
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