Florian Söllner
Es gab sie doch: Die Jahresendrallye bei der Installation neuer Solaranlagen in Deutschland. Treiber waren neben der vorteilhaften Witterung die extrem niedrigen Preise für Solarmodule.
Neuer Rekord: In Deutschland wurden 2011 rund 250.000 Solaranlagen mit einer Kapazität von 7,5 Gigawatt installiert. Damit wurde selbst das Boomjahr 2010 (7,4 GW) getoppt. Bemerkenswert: Alleine im milden Dezember wurden rechtzeitig vor der Förderkürzung im Januar noch 3 GW ans Netz gebracht. Bereits 2012 wird Sonnenkraft daher mehr als vier Prozent des deutschen Stromes beisteuern.
Mit einer solchen Jahresendrallye hatten die wenigsten Experten gerechnet. Doch der positive Effekt für deutsche Solarmodulhersteller dürfte sich in Grenzen halten. Schliesslich ging die Steigerung der Zubaumenge mit einem Einbruch der dafür erzielten Preise um rund 40 Prozent einher - in Euro sieht die Bilanz 2011 daher düsterer aus. Zwar wurde zum Jahresende 2011 eine Stabilisierung der Modulpreise verzeichnet. Doch hohe Gewinnmargen dürften selbst im Dezember angesichts anhaltend hoher Lagerbestände nicht möglich gewesen sein.
Boom vorbei
Spätestens nach der Sylvesternacht kommt für Solarfirmen wieder Katerstimmung auf. So wurde die Einspeisevergütung ab 1. Januar 2012 um 15 Prozent gesenkt und wird zum 1.7.2012 voraussichtlich um weitere 15 Prozent fallen. Daher dürften im ersten Quartal 2012 die Modulpreise und damit die Margen weiter unter Druck kommen.
Auch weltweit wird dem Solarmarkt 2012 bestenfalls ein leichtes Wachstum zugetraut. Die Nachfrage für Photovoltaik-Produkte wird EnergyTrend zufolge bei etwa 19 Gigawatt stagnieren. Zwar macht der Absatz in China Hoffnung, doch in den USA steht das Auslaufen wichtiger Förderungen an. Auch in Deutschland droht weiteres Ungemach. Aufgrund des Rekordzubaus von 7,4 GW - anvisiert waren 3,5 GW - wird derzeit sogar eine zusätzliche Förder-Kappung diskutiert.

Weiter meiden!
Die Dezember-Bescherung beim Zubau dürfte die Lage bei Conergy und Q-Cells nicht wesentlich verbessern. Am ehesten ist es noch Solarworld zuzutrauen, aufgrund des starken Markennamens von der Jahresendrallye profiziert zu haben. Da jedoch der Konkurrenzdruck hoch bleibt, Solarworld offenbar starke Margenprobleme in den USA hat und die bisher lukrative Positionierung im Wafer-Bereich bröckelt, bleibt auch dieses Papier ein klarer Verkauf.