Markus Horntrich
Das Jahr ist nur wenige Tage alt, schon treten beim Motorenbauer Deutz Finanzierungsprobleme zu Tage. Das Unternehmen erwägt einen Antrag auf eine Staatsbürgschaft.
Für den Motorenentwickler Deutz bergen strengere Abgasvorschriften neue Absatzchancen für neue Motorengenerationen. Allerdings erfordert deren Entwicklung einen beträchtlichen Forschungs- und Entwicklungsaufwand, um dessen Finanzierung der Motorenbauer bangen muss. Allein in den ersten neun Monaten 2009 hat Deutz 73,8 Millionen Euro für F&E ausgegeben , fast17 Prozent mehr als 2008.
Staat soll bürgen
Das Unternehmen erwägt daher nach Informationen der FTD, eine staatliche Kreditbürgschaft zu beantragen, um die Entwicklung der neuen Motorengeneration sicherzustellen. Dabei gehe es um einen Betrag von unter 100 Millionen Euro. Gleichzeitig hat sich durch die schlechten Geschäftszahlen in den ersten Monaten eine zweite Front aufgetan. Nachdem Deutz per Ende September bei 633,9 Millionen Euro Umsatz einen Konzernverlust von 87,7 Millionen Euro verbuchten musste, ist davon auszugehen, dass Covenants mit 15 US-Kreditgebern, die 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt haben, verletzt wurden. Je nach Schwere des Verstoßes sind höhere Zinsen zu bezahlen oder im Extremfall sogar die Fälligstellung des Kredits zu befürchten. Dass es zum Extremfall kommt ist jedoch nicht zu erwarten. Aus diesem Grund bemüht sich Deutz-Finanzchefin Margarete Haase um eine Staatsbürgschaft, um das Finanzproblem möglichst schnell zu lösen. Das Unternehmen hofft, dies bis Ende Januar lösen zu können. Gleichzeitig ist Deutz bestrebt, mit dem Restrukturierungsprogramm "Move" das Ergebnis um 130 Millionen Euro zu verbessern. Ziel ist es, auch bei einem dauerhaft niedrigeren Absatzniveau profitabel zu operieren.
Nicht akut
Die Finanzprobleme bei Deutz sind keinesfalls akut, immerhin verfügte der Konzern per 30. September noch über Liquidität von 180 Millionen Euro. Allerdings ist diese im Vergleich zum Vorjahr (247 Millionen Euro) deutlich geschrumpft. Die vorsorglichen Mühen um eine frühzeitige und vor allem günstigere Alternative sind also eher positiv zu sehen.

Die Aktienkursentwicklung spiegelt die Unsicherheiten bezüglich der weiteren Geschäftsentwicklung und der finanziellen Lage wider. Geht man davon aus, dass sich das konjunkturelle Umfeld weiter verbessert, hat der Wert beträchtliches Aufholpotenzial, eine Lösung der Finanzfragen vorausgesetzt. Charttechnisch betrachtet ist die Aktie bei Kursen über 3,70 Euro nach oben frei. Das Kursziel im Falle eines Ausbruchs liegt bei 4,50 Euro. Auf Ausbruch warten!