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Deutsche Telekom: Vodafone klagt an

Michael Herrmann

Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone klagt gegen die Deutsche Telekom. "Die Deutsche Telekom behindert den Wettbewerb im Festnetz", moniert Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen in einem Interview mit dem Handelsblatt. Doch woher rührt die ganze Aufregung und was bedeutet das für die Aktie des Bonner Unternehmens?

Die Wut des Managers richtet sich gegen die Regelung und Umsetzung der sogennanten Bitstrom-Zugänge, einem Vorleistungsprodukt, durch das die alternative Telefongesellschaften Anbieter auf das Netz der Telekom zugreifen dürfen, wo sie selbst kein eigenes Netz haben. Da die Telekom als ehemaliger Monopolist über das mit Abstand größte Telefonleitungsnetz verfügt, sind die Wettbewerber in vielen Gebieten auf die Leitungen des Branchenprimus angewiesen.

Um für einen funktionierenden Wettbewerb auf dem ehemaligen Monopolmarkt zu sorgen, hatten die Regulierungsbehörden den ehemaligen Staatskonzern im Jahr 2008 dazu gezwungen, seinen Konkurrenten die Nutzung der Leitungen gegen Gebühr zu erlauben. Aktuell müssen diese hierfür 18,32 Euro pro Kunde und Monat an die Deutsche Telekom zahlen.

Vodafone bemängelt Umsetzung

Auch Vodafone ist laut Aussage des Deutschland-Chefs in etwa einem Drittel des Bundesgebietes auf die Netze und Technik der Telekom angewiesen. Joussen kritisiert dabei im Gespräch mit dem Handelsblatt, dass der ehemalige Monopolist rund ein Drittel der Vodafone-Kunden, denen man einen DSL-Anschluss auf Basis der Telekom-Leitungen verkauft hat, nie bedient habe. Vodafone habe daher wegen des entgangenen Umsatzes Klage bei verschiedenen Gerichten eingereicht. Zur Höhe seiner Forderungen wollte sich Joussen allerdings nicht äußern.

Branchenverband klagt ebenfalls

Auch der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), in dem die Konkurrenten der Telekom organisiert sind, kritisierte die Telekom. Laut VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner beschweren sich zahlreiche Verbandsmitglieder über große Qualitätsprobleme im System der Telekom. Diese räumt die Probleme ein und macht dafür ein neues IT-System verantwortlich, weshalb es besonders zum Jahreswechsel Verzögerungen gegeben habe. Inzwischen laufe das System aber stabil. Auch die Bundesnetzagentur bestätigt ein Missbrauchsverfahren gegen die Deutsche Telekom und fordert vom Konzern technische Verbesserungen ein.

Zwölf Euro bleiben weiter im Visier

Die vom VATM und von Vodafone-Deutschland-Chef erhobenen Vorwürfe sorgen zwar aktuell für Aufmerksamkeit, die Konkurrentenklagen gegen die Deutsche Telekom wegen Bitstrom-Zugänge sind allerdings ein alter Hut. Sie dürften daher kaum Auswirkungen auf den Kurs der T-Aktie haben. Das Risiko und die Folgen solcher Anklagen sind überschaubar. DER AKTIONÄR bleibt daher bei seiner bisherigen Einschätzung und hält das Überspringen der Widerstände im Bereich von 10,60 und 11,90 Euro weiter für ein durchaus wahrscheinliches Szenario, weshalb investierte Anleger dabeibleiben sollten.

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