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Deutsche Forfait: "Wir haben auf die Marktveränderungen reagiert"

Michael Schröder

Der Kursrutsch von mehr als zwölf Prozent an einem Tag ist des einen Freud, des anderen Leid. Während die so genannten Bottom-Fisher glücklich sind, dass sie Mitte Oktober die Aktie des Deutschen Exportfinanzierers DF Deutsche Forfait recht günstig kaufen konnten, wurden die Papiere des Kölner Unternehmens bei anderen Anlegern durch das Stopp-Los-Limit aus dem Depot herausgedrückt.

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DER AKTIONÄR sprach mit DF-Vorstand Jochen Franke, ob es Probleme mit dem Forfaitierungsgeschäft gibt, die einen so großen Einfluss auf den Kurs haben und wie die aktuelle Geschäftsentwicklung beurteilt.

DER AKTIONÄR: Herr Franke, ist der Kursrutsch Mitte Oktober durch operative Probleme begründet oder läuft Ihr Geschäft rund?

Jochen Franke: Wir sind mit dem Geschäftsverlauf zufrieden. Es gibt keine Gründe aus dem Geschäft heraus für den Kurseinbruch. Der Kurseinbruch ist nach meiner Beobachtung die Folge einer großen Verkaufsorder, bei der eine große Anzahl von Aktien in wenigen Minuten verkauft wurde. Auf der anderen Seite waren auch sehr schnell Käufer bereit, diese Aktien günstig zu erwerben. Die Käufer haben diese Chance genutzt. Dies belegt das Vertrauen in unsere Aktie.

Also haben Ihre designated Sponsoren geschlafen, als 36.000 Aktien in kurzer Zeit verkauft worden sind?

Ich glaube nicht. Viele Unternehmen von der Größe der DF bekommen Probleme mit dem Aktienkurs, wenn plötzlich größere Verkaufsorders in den Markt gegeben werden. Dies können die Sponsoren nur bedingt auffangen. Unsere Aufgabe ist es durch gute Ergebnisse eine so hohe Nachfrage zu schaffen, so dass einzelne Verkaufsorders nicht zu einem längeren Kurseinbruch führen. Dies ist uns gelungen. Der Kurs liegt wieder auf dem vorherigen Niveau.

In Kürze werden Sie die Zahlen zum Q3 2012 veröffentlichen. Wie liegt die DF im Vergleich zu den ersten drei Quartalen des Vorjahres, in denen Sie immerhin einen Gewinn von 1,8 Millionen Euro erzielt haben?

Wie gesagt, wir sind mit dem Geschäftsverlauf zufrieden, aber konkrete Zahlen zum dritten Quartal kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen. Wir haben aber bereits zum Halbjahr einen Gewinn von 1,5 Millionen Euro erzielt und ich wäre enttäuscht, wenn wir zum Ende des dritten Quartals nicht klar über dem Vorjahr liegen würden. Für das Gesamtjahr ist der Maßstab an dem wir uns messen lassen, das operative Ergebnis des Vorjahres von 2,3 Millionen Euro. Ich bin sehr optimistisch, dass wir auch wieder eine attraktive Dividende ausschütten können.

Können die Aktionäre demnach im nächsten Jahr wieder mit einer Ausschüttungsquote von 50 Prozent rechnen?

Wir haben uns seinerzeit bewusst für die Ausschüttungsquote von 50 Prozent entschieden, da sie sowohl die Wachstumsstrategie des Unternehmens als auch den Renditeanspruch der Aktionäre berücksichtigt. Ich sehe keinen Grund an dieser Politik etwas zu ändern.

 Macht Ihnen das Iran Embargo zu schaffen?

Die DF Deutsche Forfait AG konzentriert sich bei der Exportfinanzierung mit dem Iran bereits seit Monaten auf Food und Pharmazie, die von der weiteren Verschärfung der Sanktionen nicht unmittelbar betroffen sind.

Haben Sie noch mit anderen Problemzonen in dieser Welt zu kämpfen oder wie muss man den Grundtenor Ihres Geschäftes im Moment beurteilen?

Aufgrund unserer Ausrichtung auf Schwellen- und Entwicklungsländer haben wir regelmäßig mit sogenannten Problemzonen zu tun. Dies gehört für uns zum täglichen Geschäft, da wir ohne ein gewisses Risikobewusstsein auf Seiten der Exporteure keine attraktive Marge erzielen könnten. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung und unseres bewährten internationalen Netzwerkes können wir diese Risiken jedoch sehr gut und erfolgreich abwickeln.

Sind Sie auch Gewinner der immer noch anhaltenden Finanzkrise?

Dies kann man so pauschal nicht sagen. Wir profitieren auf der einen Seite von der Marktbereinigung im Zuge der Finanzmarktkrise und der generell gestiegenen Nachfrage nach Finanzierung und Risikotransfer. Auf der anderen Seite sind uns auch langjährige erfolgreiche Kundenbeziehungen verlorengegangen, die aus dem Markt ausgeschieden sind. Darüber hinaus ist die Platzierung der Forderungen schwieriger als vor der Finanzmarktkrise. Wir haben auf die Marktveränderungen reagiert und unter anderem schon 2010 ein eigenes Team innerhalb der DF etabliert, dass sich ausschließlich um die Betreuung unseres für die Platzierung wichtigen Netzwerkes aus Banken und Investoren kümmert.                                                                                                                                                                                                                                                                                                             Was wollen Sie unternehmen, um den Markt vom Kurspotential der DF-Aktie zu überzeugen?

Wir müssen den Kapitalmarkt davon überzeugen, dass die DF sich den sich laufend veränderten Marktbedingungen immer wieder erfolgreich anpasst und operativ gute Ergebnisse erzielt. Eine wichtige Nachricht dabei ist, dass wir zurzeit an geeigneten Produkten arbeiten, um uns neue Abnehmer Gruppen für den Verkauf unserer Forderungen zu erschließen. Dies wird uns unabhängiger von der Nachfrage der Banken als unseren klassischen Abnehmern machen. Aufgrund Ihrer attraktiven Verzinsung sind Außenhandelsforderungen zunehmend für Family Offices oder andere Kapitalsammelstellen interessant, die nach alternativen Anlageformen zu den vermeintlich sicheren, aber sehr gering verzinsten Staatsanleihen suchen. Da diese Abnehmer in der Regel nicht über das Know-how zur Prüfung und Abwicklung von Außenhandelsforderungen verfügen, müssen wir Ihnen ein Produkt bieten, das sie von diesen Anforderungen befreit. Hier sind wir auf einem guten Weg und ich bin zuversichtlich, dass wir bald Erfolge kommunizieren können.

Vielen Dank für das Gespräch.

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