Deutsche Bank: Sag zum Abschied ...
Heute fällt der Vorhang für Josef Ackermann. Nach zehn Jahren endet die Amtszeit des Schweizers als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Doch Ackermanns Abschied ist nicht harmonisch: Kritiker rechnen mit dem 66-Jährigen gnadenlos ab. Auch viele Aktionäre dürften unzufrieden sein.
"Ackermann hat in seiner Amtszeit viel geackert, aber er hat das erklärte Ziel, ein intaktes Haus zu hinterlassen, verfehlt", sagt Barbara Happe von der Initiative "Andere Banken braucht das Land". Das Bündnis von Nichtregierungsorganisationen wirft der Deutschen Bank unter anderem Geschäfte mit der Rüstungsindustrie und Agrarspekulationen vor. "Rüstung, Kohle, Atom, Agrarspekulationen - letztlich ging es immer um Profitmaximierung", lautet Happes Fazit.
Die berühmte Geste
Ackermann hat wie kaum einer in der europäischen Finanzbranche polarisiert. 2004 streckte er im Gerichtssaal des Mannesmann-Prozesses grinsend zwei Finger zum Siegeszeichen empor - und gab damit dem Feindbild des gierigen Bankers ein Gesicht. Als er im Frühjahr 2005 einerseits ein neues Rekordergebnis der Deutschen Bank prognostizierte und andererseits den Abbau von über 6.000 Arbeitsplätzen ankündigte, wurde er heftig kritisiert - sogar von Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Was bleibt von Ackermann?
Ackermann hinterlässt seinen Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen einige Baustellen. Ackermann hat damit begonnen, das Privatkundengeschäft zu stärken und die Deutsche Bank damit unabhängiger vom volatilen Investmentbanking zu machen. Zudem ist der Kirch-Prozess noch offen. Die Erben des einstigen Medien-Moguls fordern knapp 800 Millionen Euro von der Deutschen Bank, die sich weigert zu zahlen.
Im Hinblick auf den Aktienkurs fällt Ackermanns Bilanz schlecht aus. Bei seinem Amtsantritt notierte das Papier noch bei 69 Euro. Heute kostet eine Deutsche-Bank-Aktie 28,83 Euro. Die Finanzkrise hat dem Titel schwer zugesetzt. Anderen Bankaktien - wie zum Beispiel die Commerzbank - erging es aber noch viel schlechter. Bei der Aktie der deutschen Nummer 2 steht ein Verlust von knapp 90 Prozent zu Buche.
Mit Investment warten
Um 10 Uhr beginnt die Hauptversammlung der Deutschen Bank. Es ist der letzte Auftritt von Josef Ackermann. Ab Morgen beginnt die Ära der Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Ackermanns Nachfolger werden es in Zeiten hochnervöser Finanzmärkte nicht leicht haben - so viel steht fest. Für Anleger gilt: Zwar ist die Deutsche-Bank-Aktie mit einem 2012er-KGV von 6 sehr günstig bewertet. Allerdings sollten konservative Börsianer mit einem Kauf warten, bis sich die Situation an den Märkten nachhaltig beruhigt hat. Sobald dies passiert - ausgelöst etwa durch ein für die Euro-Zone positives Wahlergebnis am 17. Juni in Griechenland -, sind schnell höhere Kurse bei Finanztiteln drin.
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