Analyst meint: "Deutsche-Bank-Aktie ist attraktiver als Commerzbank"
Nach den ordentlichen Zahlen für das dritte Quartal steht die Aktie der Deutschen Bank im Fokus von Anlegern und Analysten. Die große Frage: Wie viel Potenzial hat der Titel des deutschen Marktführers? DER AKTIONÄR sprach mit Philipp Häßler, Analyst bei Equinet.
Der Start der neuen Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen ist gelungen. Der deutsche Marktführer verdiente im dritten Quartal unterm Strich 747 Millionen Euro. Damit übertraf die Bank die Erwartungen von Analysten. Von der wieder besseren Stimmung an den Kapitalmärkten profitierte das Investmentbanking, dessen Vorsteuergewinn von 70 Millionen Euro vor einem Jahr auf 662 Millionen stieg. Nach den Zahlen setzte die Aktie der Deutschen Bank zur Rallye an.
"Deutsche Bank wird Marktanteil im Investmentbanking ausbauen"
DER AKTIONÄR: Herr Häßler, die Deutsche Bank hat mit ihren Zahlen für das dritte Quartal positiv überrascht. Trotzdem fällt der Ausblick verhalten aus. Teilen Sie die Skepsis der neuen Doppelspitze Jain/Fitschen?
PHILIPP HÄSSLER: Das Umfeld bleibt schwierig aufgrund der ungelösten Eurokrise. Das vierte Quartal sollte vor allem saisonal bedingt ein schwächeres Quartal werden. Insbesondere weitere Rückstellungen für Restrukturierung und Rechtsrisiken sollten das Ergebnis belasten.
Der Analyst Kian Abouhossein von JPMorgan kritisiert die schwache Kernkapitalausstattung der Deutschen Bank. Damit wachse der Rückstand auf die Konkurrenz, so dass ein Bewertungsabschlag für die Aktie angemessen sei. Wie sehen Sie das?
Die Deutsche Bank weist niedrigere Kapitalquoten als die Konkurrenz aus, hat allerdings meiner Meinung nach überzeugende Pläne präsentiert, wie sie ihre Kapitalquoten erhöhen will. Auf dem derzeitigen Bewertungsniveau ist die Aktie trotz der niedrigeren Kapitalquoten meines Erachtens attraktiv bewertet.
Welche Aktie bietet derzeit mehr Chancen: Deutsche Bank oder Commerzbank?
Die Deutsche Bank ist meiner Meinung nach momentan das attraktivere Investment aufgrund eines ausgewogeneren Chance/Risikoprofils.

Die UBS will ihr Investmentbanking wegen der höheren Kapitalanforderungen zurückfahren. Die Schweizer wollen 10.000 Stellen streichen. Ist das ein Segen für die Deutsche Bank?
Die Deutsche Bank sollte von der strategischen Neuausrichtung der UBS profitieren. Ich erwarte, dass die Deutsche Bank ihren Marktanteil im Investmentbanking ausbauen wird, weil auch andere Wettbewerber, die nicht über die ausreichende Größe verfügen, ihre Investmentbanking-Aktivitäten zurückfahren werden.
Vielen Dank für das Interview.
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