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Demag Cranes-Vorstand: "Wir haben die Effizienz deutlich erhöht"

Markus Bußler

Als Spätzykliker traf die Krise den Kranenbauer Demag Cranes mit Verzögerung. Doch Mitte vergangenen Jahres brachen auch bei den Düsseldorfern die Geschäfte ein. Die Kunden stellten Investitionen zurück. Während die Wirtschaft allmählich wieder an Fahrt gewinnt, spürt Demag Cranes nach eigenen Angaben nur eine Stabilisierung des Geschäfts.

DER AKTIONÄR sprach mit Finanzvorstand Rainer Beaujean über die Aussichten des mittlerweile praktisch schuldenfreien MDAX-Konzerns. Dabei äußerte sich Beaujean auch zu den Wachstumsplänen in den Emerging Markets und zu einer weiteren Konsolidierung der Branche.

Herr Beaujean, lassen Sie uns kurz auf das Jahr 2009 zurück blicken. War 2009 das schwierigste Jahr in der Geschichte von Demag Cranes?

Rainer Beaujean: Es ist immer schwer zu sagen, ob ein Jahr wirklich das schwierigste Jahr war. 2009 war mit Sicherheit ein stark von der Wirtschafts- und Finanzkrise geprägtes Jahr, aber ich glaube, 2010 wird nicht sehr viel leichter werden. Auch das laufende Geschäftsjahr bleibt eine Herausforderung.

Sie rechnen für das Geschäftsjahr mit einem erneuten Umsatzrückgang. Das bedeutet, Sie sehen noch keine Besserung, auch nicht in der zweiten Jahreshälfte?

Wir haben bewusst mehrmals von so genannten Stabilisierungstendenzen gesprochen, die wir aktuell im Markt sehen. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass wir schon von einer Bodensatzbildung sprechen können. Für uns bleibt abzuwarten, wie nachhaltig sich diese Entwicklungen in der Zukunft darstellen werden.

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Dennoch stellen Sie wieder eine Dividende in Aussicht. Das scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein.  

Das sehe ich nicht so. Wir haben bereits bei der Vorlage der Bilanz im vergangenen Dezember betont, dass wir generell in Abhängigkeit vom operativen Unternehmenserfolg künftig wieder attraktive Dividenden ausschütten wollen. Schließlich sollen auch die Aktionäre am Unternehmenserfolg teilhaben. Auf der Hauptversammlung sind wir für die Entscheidung, für das Geschäftsjahr 2008/09 keine Dividende zu zahlen, gelobt worden. Nach IFRS haben wir ein Ergebnis von einer Million Euro, nach HGB beträgt das Ergebnis Minus 14 Millionen Euro. Eine Dividendenzahlung vor diesem Hintergrund hätte bedeutet, dass wir an die Substanz gehen. Das wäre nicht im langfristigen Interesse unserer Aktionäre. Unsere Zielsetzung als Unternehmen ist es, Dividenden zu zahlen - aber eben dann, wenn es der Unternehmenserfolg zulässt.

Der Umsatz soll dieses Jahr noch sinken. Gilt das auch für den Auftragseingang?

Es gilt die gleiche Aussage, die ich vorhin schon getroffen hatte. Man kann mit Sicherheit von Stabilisierungstendenzen sprechen, aber für eine generelle Entwarnung ist es noch zu früh. Es gibt bessere und schlechtere Monate. Für uns ist es ganz wesentlich, wie sich das erste Finanzhalbjahr entwickelt. Die Budgets unserer meisten Kunden werden bis zum 31. Dezember eines Jahres erarbeitet. Die Investitionspolitik die hierin festgelegt wird, ist entscheidend.  Dann wird man sehen, ob es wirklich Besserungstendenzen gibt. Wir sind ein Spätzykliker und daher profitieren wir erst mit einem Nachlauf von sechs bis zwölf Monate von einem möglichen Aufschwung.  

Sie haben das Restrukturierungsprogramm schon angesprochen. Sie wollten den Break-Even im Bereich Hafentechnologie und im Bereich Industriekrane senken. Ist Ihnen das gelungen?

Ja, wir konnten in beiden produzierenden Geschäftssegmenten, die Gewinnerreichungsschwellen deutlich senken. Darüber hinaus haben wir uns beispielsweise im Segment Industriekrane so aufgestellt, dass wir auch für den Fall eines veränderten Produktmix zugunsten von Absatzfeldern mit einer niedrigeren Ergebnismarge, gut leben können. Kurz: Wir haben die Effizienz deutlich erhöht.


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Sie hatten gesagt bei gleichbleibenden Preisen, spüren Sie einen Preisdruck durch die Krise?

Wir haben wie alle Marktteilnehmer in solchen Zeiten Preisdiskussionen mit unseren Kunden. Die Intensität ist je nach Region und Geschäftssegment unterschiedlich. Ein solches Phänomen ist für Krisenzeiten aber absolut normal.

Das klingt nach einer Branchenkonsolidierung.

Das Problem in unserer Branche ist, dass die Märkte extrem fragmentiert sind. Im Segment Industriekrane erreicht nach unserer Einschätzung kein Wettbewerber einen Weltmarktanteil von 20 Prozent. Dazu gibt es viele lokale und regionale Mitbewerber. Wir gehen davon aus, dass es zu einer weiteren Konsolidierung kommen wird. Aber dabei werden auch Unternehmen einfach vom Markt verschwinden. Für uns ist wichtig, dass wir in den Wachstumsmärkten weiter überproportional wachsen. Diese Strategie ist nicht ganz neu. Wir haben bereits vor geraumer Zeit als Ziel ausgegeben, den Umsatzanteil in den Emerging Markets von damals 25 auf 40 Prozent zu steigern. Entsprechend stellen wir uns immer stärker auf die Kundschaft in diesen Märkten ein, die teilweise ganz andere Anforderungen an unsere Produkte haben.

Wenn Sie von Wachstum in den Emerging Markets sprechen, meinen Sie organisches Wachstum oder denken Sie auch über Zukäufe nach? Immerhin ist Ihr Konzern quasi schuldenfrei.

Ja das ist richtig. Deswegen haben wir auch schon zum Dezember hin gesagt, dass wir bilanziell gut aufgestellt sind. Daraus könnte sich mit Sicherheit auch für uns die eine oder andere Chance ergeben und  wir könnten mögliche finanzielle Probleme von Wettbewerbern nutzen. Es ist durchaus möglich, dass wir etwas aktiver am Konsolidierungsprozess teilnehmen, als wir das in den vergangen Jahren gemacht haben.

Die andere Seite wird an der Börse immer wieder das Gerücht gespielt, Konecranes könnte Interesse an Demag Cranes haben.

Das kann ich nicht kommentieren. Allgemein werden wir von Analysten als attraktives Unternehmen gesehen. Aber das muss noch nicht automatisch heißen, dass wir ein Übernahmeziel sind. Generell beteiligen wir uns nicht an solchen Spekulationen.

Der Export zieht wieder an. Ihre Endkunden spüren das schon, damit müsste zumindest das Servicegeschäft wieder profitieren.

Auch wir haben das gelesen und auch schon vereinzelt gehört, aber wie gesagt: wir sind ein Spätzykliker. Einige Kunden haben auch in der Krisenzeit ihre Lager wieder aufgefüllt. Wenn ich von Stabilisierungstendenzen rede, dann bedeutet dies, dass der Service bei Mehrnutzung unserer Kunden sehr schnell reagieren kann. Wir müssen jetzt abwarten, ob und wie stark sich der Markt erholt und wie sich die Auslastung der Krane bei den Kunden entwickelt. Davon hängt insbesondere das lukrative Ersatzteilgeschäft ab.

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