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DAX: Das große Zittern nach der Italien-Wahl

Martin Weiß

Ernüchterung nach der Wahl in Italien. Das Mitte-Links-Bündnis um Pier Luigi Bersani konnte zwar die Mehrheit im Abgeordnetenhaus holen. Im Senat, der jedem Gesetz zustimmen muss, ist Bersani aber auf Partner angewiesen. In Deutschland reagieren die Anleger entsetzt auf das drohende Patt, der DAX verliert deutlich.

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Damit können wichtige Entscheidung in der drittgrößten Eurozonen-Volkswirtschaft zum Beispiel vom Mitte-Rechts-Bündnis des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi blockiert werden. Erste Rufe nach Neuwahlen wurden laut. Die Reaktion an den Finanzmärkten folgte prompt. So zogen zum Beispiel die Renditen auf italienische Staatsanleihen an. Der Euro fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang Januar. 

DAX weitet Verluste aus

An der Börse reagierten die Anleger mit Entsetzen auf die vorläufigen Wahlergebnisse. Der deutsche Leitindex DAX notiert am Dienstag vor Beginn des Präsenzhandels bei 7.609 Zählern. In Erwartung eines eindeutigen Wahlausgangs war der DAX am Montag bis auf 7.862 Punkte in die Höhe geschnellt und damit in die Nähe des Jahreshochs.

Jetzt also die Ernüchterung.

Im Abgeordnetenhaus kam Bersanis Koalition auf 29,54 Prozent. Damit liegt er denkbar knapp vor Berlusconis Bündnis, das 29,18 Prozent erhielt. Das Mitte-Links-Bündnis bekommt als stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus die Mehrheit von 340 Sitzen. Berlusconis Lager stellt 124 Abgeordnete. Im Senat bekam Bersanis Zusammenschluss zwar die meisten Stimmen, aber nicht die Mehrheit der Sitze. Er erhielt nach Angaben des Innenministeriums 31,63 Prozent der Stimmen und 113 Sitze. Das Mitte-Rechts-Bündnis von Berlusconi kam auf 30,72 Prozent und 116 Sitze.

PD erklärt sich selbst zum Wahlsieger

Auf Platz drei im Senat liegt die überraschend starke Protestbewegung "Fünf Sterne" des Komikers Beppe Grillo mit 23,79 Prozent und 54 Sitzen. Abgeschlagen auf dem vierten Platz folgt der scheidende Regierungschef Mario Monti, der mit seinem Bündnis der Mitte 9,13 Prozent der Stimmen und 18 Sitze bekommen hat.

Im Abgeordnetenhaus wurde Grillos Bewegung mit 25,55 Prozent der Stimmen sogar stärkste Einzelpartei. Sie entsendet 108 Parlamentarier in diese Kammer. Montis Koalition kommt auf 10,56 Prozent und verfügt über 45 Mandate. Bereits am Montagabend erklärte Bersanis Demokratische Partei (PD) das von ihr geführte Bündnis zum Sieger der Parlamentswahlen.

EURO fällt deutlich unter 1,31 Dollar

Für die drittgrößte Volkswirtschaft in der Euro-Zone und die gesamte Währungsgemeinschaft ging es bei den vorgezogenen zweitägigen Parlamentswahlen um viel. Entscheidend ist, ob das hoch verschuldete und in einer tiefen Rezession steckende Land rasch eine stabile Regierung bekommt. Angesichts des unklaren Wahlausgangs reagierten die Märkte sofort und gaben Gewinne wieder ab.

Der Euro fiel innerhalb weniger Stunden um fast drei Cent. Zuletzt kostete die europäische Gemeinschaftswährung nur noch 1,3050 Dollar und damit so wenig wie zuletzt Anfang Januar. Anfang Februar hatte der Kurs noch bei etwas mehr als 1,36 Dollar gelegen.

Am Anleihemarkt zogen die Renditen auf italienische Anleihen an - damit stieg der Risikoaufschlag auf Papiere des Staates. Mit Spannung wird jetzt die Auktion von italienischen Geldmarktpapieren am Dienstag und zehnjährigen Anleihen am Mittwoch über mehrere Milliarden Euro erwartet.

(dpa-AFX)

Die Bildung einer Regierung ist in Italien ein äußerst schwerer Prozess. Seit dem 2. Weltkrieg gab es sage und schreibe über 60 verschiedene Regierungen. Bei der aktuellen Wahl hatten die Börsen in Europa auf Pier Luigi Bersani gesetzt. Also auf den Vertreter der Reformer. Der hat einen klaren Wahlsieg allerdings verpasst.

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