Alarmstufe Rot an Europas Börsen: Ganz gleich ob DAX, FTSE oder CAC40, die wichtigsten europäischen Indizes haben zuletzt deutliche Verluste hinnehmen müssen. Ganz zu schweigen von der Entwicklung an den Börsen in Griechenland und Spanien. Die Angst der Anleger vor einer Pleitewelle ist groß. Sind die Verluste der letzten Tage Vorbote eines Crashs?
Börsianer fürchten den Kollaps eines EU-Mitgliedsstaates, die Notierungen haben sie auf Talfahrt geschickt. Der DAX hat ausgehend vom Hoch vor wenigen Tagen über sechs Prozent abgegeben, ist am Mittwoch unter die psychologisch wichtige Marke von 6.000 Punkten gefallen. Doch er strauchelt nicht allein. Auch MDAX und TecDAX haben wichtige Marken gerissen, scheinen nur noch eine Richtung zu kennen. Ein Blick ins europäische Ausland zeigt: Andere hat es noch schlimmer erwischt. Der englische FTSE-100-Index notiert inzwischen 8,5 Prozent unter seinem Jahreshoch, der österreichische ATX gar 11,6 Prozent. Sind das die Vorboten eines neuen Abwärtstrends, wechselt der Markt womöglich in den Crash-Modus?
Europäische Börsianer fürchten Pleitewelle
Gerüchte zählen in diesen Tagen viel. Als am Dienstag zunächst hinter vorgehaltener Hand spekuliert wurde, Spanien stehe vor dem Bankrott, reagierten die Marktteilnehmer verschnupft. 280 Milliarden Euro soll das Land zur Refinanzierung benötigen, hieß es zu diesem Zeitpunkt. Der spanische IBEX-35-Index gab daraufhin deutlich nach. Bis heute hat sich die Lage nicht entspannt, ihn trennen knapp 17 Prozent von seinem Zwischenhoch Mitte April. Beteuerungen von Ministerpräsident José Rodriguez Zapatero konnten den Fall nicht bremsen. Die Gerüchte seien "lächerlich und verantwortungslos". Außerdem würden sie den Interessen Spaniens schaden. Doch Spanien ist längst nicht das einzige Sorgenkind der EU. Neben Griechenland ist es nur einer der fünf sogenannten PIIGS-Staaten, zu denen auch Portugal, Italien sowie Irland gehören.
Verschärfung der Weltwirtschaftskrise droht
Experten warnen nun zunehmend vor einer drastischen Verschärfung der andauernden Wirtschaftskrise. Im Interview mit dem Handelsblatt äußerte Franck Biancheri, wissenschaftlicher Direktor des Think Tanks LEAP/E2020: "Die Probleme Griechenlands sind ein Indiz für eine bevorstehende Verschärfung der umfassenden weltweiten Krise: Die wird eintreten, wenn die amerikanische und britische Scheinwirtschaften, die sich auf eine gigantische Verschuldung der privaten und öffentlichen Haushalte gründen, sich nicht weiter verschulden können. Der Grund: Ab 2011 müssen wegen der sich weltweit verknappenden Geldmittel ungeheure Summen an Krediten neu finanziert werden. Der exponentielle Finanzierungsbedarf in Großbritannien und den USA wird beide Länder sehr bald vor existenzielle Probleme stellen."
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