Markus Horntrich
Mit der Vorlage der vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2009/10 konnte der schwäbische IT-Dienstleister Datagroup die Analystenprognosen beim Gewinn deutlich schlagen. Über die weiteren Aussichten konnte sich DER AKTIONÄR mit Vorstandschef Hans-Hermann Schaber unterhalten.
Mit rund 80,5 Millionen Euro Umsatz (Vorjahr: 73,5 Millionen Euro) setzte der Stuttgarter IT Dienstleister Datagroup seinen strammen Wachstumskurs im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 (zum 30.9.) fort. Sehr erfreulich ist, dass der Jahresüberschuss mit circa 3,9 Millionen Euro die Erwartungen der Analysten übertroffen hat und das das Ergebnis je Aktie mit 68 Cent deutlich über den Analystenerwartungen von 63 Cent lag. DER AKTIONÄR hat mit Unternehmensgründer und CEO Hans-Hermann Schaber über das abgelaufene Geschäftsjahr und die Perspektiven für 2010/2011 gesprochen.
DER AKTIONÄR: Herr Schaber, das EBITDA lag nach vorläufigen Zahlen bei 6,35 Millionen Euro und betrug damit bei acht Prozent vom Umsatz. Auch bei dieser Kennziffer haben Sie die Analystenerwartungen übertroffen. Wie ist dies zu erklären?
Hans-Hermann Schaber: Wir haben eine qualitativ sehr gute Zusammensetzung des Umsatzes erreicht. Erstmals betrug der Dienstleistungsanteil circa 52 Prozent. Dieser Anteilwiederkehrender Umsätze war noch nie so hoch wie im vergangenen Geschäftsjahr. Auch bei den Cloud Services konnten wir eine gute Marge erzielen.
Wie sind Sie mit der Integration von den beiden arxes Gesellschaften zufrieden?
Die Akquisition von arxes hat, ebenso wie schon bei der HDT, unsere Erwartungen mehr als erfüllt. Alle Consultans bei arxes sind voll ausgelastet und arxes hat auch wie versprochen bereits im ersten Quartal der Zugehörigkeit mit einem positiven Ergebnis zum Konzernüberschuss beigetragen.
In welcher Höhe?
Gehen Sie einmal davon aus, dass die Ankündigung von knapp 300.000 Euro EBIT übertroffen werden konnte.
Wie ist das neue Geschäftsjahr 2010/2011 angelaufen?
Wir erwarten, dass wir die Dienstleistungsquote am Gesamtumsatz weiter steigern können, da die arxes Gesellschaften in diesem Jahr zum ersten Mal ganzjährig hinzugerechnet werden können. Dies dürfte einen positiven Impact auf die Steigerung des EBITDA's haben.
Warburg Research traut Ihnen für das laufende Jahr einen Umsatzsprung auf 94 Millionen Euro (80,5 Millionen Euro) zu. Können Sie die Erwartungen der Analysten erfüllen?
Wir werden am 17. Dezember 2010 die endgültigen Zahlen im Aufsichtsrat besprechen und auch erste Perspektiven für das laufende Jahr diskutieren. Nach unserer Planung wollen wir Mitte Januar 2011 mit einer Guidance für das laufende Jahr an die Öffentlichkeit treten. Bitte geben Sie uns daher noch einige Wochen Zeit, bis wir mit einer neuen Prognose an den Markt kommen.
Sie haben für das Geschäftsjahr 2008/2009 erstmals 15 Cent Dividende bezahlt. Möchten Sie die Aktionäre an dem guten Geschäftserfolg des vergangenen Jahres teilhaben lassen?
DATAGROUP ist nicht nur für ihre Transparenz, sondern auch Aktionärsfreundlichkeit bekannt. Wie gesagt, findet das entscheidende Treffen in circa 2 Wochen statt und dann werden wir über die Ausschüttungshöhe entscheiden. Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass wir auf die Ausschüttung des Jahres 2008/2009 noch einige Cent drauflegen werden.
Apropos Rechnungen und Jahresabschluss, die Bilanz für das Geschäftsjahr 2009/2010 ist ja noch nach HGB aufgestellt. Wann werden Sie zum IFRS Rechnungslegungsstandard wechseln, damit Sie mit der Branche voll vergleichbar sind?
Unsere Planung ist es, bereits im laufenden Jahr eine Bilanz nach IFRS vorzulegen, da diese ja auch benötigt wird, wenn wir in den Prime Standard wechseln wollen. Insofern kommen wir dem Wunsch unserer Aktionäre und der Analysten nach, dass wir unsere Transparenz erhöhen.
In einem Ihrer letzten Interviews hatten Sie bekanntgegeben, dass Sie drei weitere Akquisitionen in der Prüfung haben. Ist hier schon etwas spruchreif?
Wie Sie sehen, haben wir die Akquisition von arxes sehr gut verdaut und können uns nach weiteren Targets umschauen: Wir befinden uns derzeit mit zwei Unternehmen unterschiedlicher Größe in aussichtsreichen Gesprächen. Beide Firmen haben eine überdurchschnittliche Ertragsstärke. Unsere Planungen sehen vor, dass wir zumindest einen Ball im laufenden Geschäftsjahr ins Tor bringen werden.
Seit dem Kurssprung Anfang Oktober verharrt die Aktie eher in einem Seitwärtstrend. Glauben Sie denn, dass eine Dividendenerhöhung den Kurs beflügeln könnte?
Das könnte ich mir durchaus vorstellen. Aber Sie wissen genau, die Kurse werden vom Markt gemacht. Wichtig wird insbesondere die Veröffentlichung der Guidance sein, die wir Anfang des neuen Jahres veröffentlichen wollen.
Herr Schaber, besten Dank für das Interview.

Noch Potenzial
Die guten Zahlen und die weiterhin guten Aussichten rechtfertigen höhere Kurse. Mit einem KGV von 7 ist DATAGROUP noch günstig bewertet. Kurse von 6,00 Euro sind mittelfristig realistisch. Spekulativ kaufenswert.