Markus Horntrich
Umsatz hui, Ergebnis pfui - so lassen sich die Halbjahreszahlen von Datagroup zusammenfassen. Das Ergebnis wurde durch Sonderfaktoren belastet. DER AKTIONÄR hat bei Vorstandschef Max H. H. Schaber nachgefragt, wie der Ergebnisrückgang zum Vorjahreszeitraum einzuordnen ist.
Mit einem Umsatzsprung von 50 Prozent und einer weiteren Steigerung des Umsatzes im Servicebereich um acht Prozent unterstreicht DATAGROUP den Wachstumskurs. Auf Grund einiger Sondereffekte ist allerdings der Gewinn je Aktie von 28 Cent im Vorjahreszeitraum auf 22 Cent zurückgegangen. DER AKTIONÄR hat bei Vorstandschef Max H.‑H. Schaber nachgefragt, worauf dies zurückzuführen ist.
DER AKTIONÄR: Herr Schaber, Gratulation zum 50-prozentigen Umsatzsprung, der Ihre Guidance von mindestens 100 Millionen Euro untermauert. Worauf ist das starke Wachstum zurückzuführen?
Max H.‑H. Schaber: Wir haben im Dienstleistungsbereich mit einem organischen Wachstum von acht Prozent eine über dem Markt liegende Steigerung erzielt. Überproportional wächst DATAGROUP zudem nach wie vor durch unsere aktive Akquisitionsstrategie. Hier konnten wir im ersten Halbjahr Umsatzanteile aus der Übernahme der DATAGROUP Köln sowie den beiden neuen Mitgliedern der DATAGROUP, ptecs und BGS, verbuchen.
Sie haben angegeben, dass der so genannte Altkonzern, also die Gruppe vor Übernahme der ptecs GmbH und der BGS AG, im Servicebereich um acht Prozent gewachsen ist. Können Sie auch Wachstumszahlen nennen, wie bei diesen beiden neuen Gesellschaften der Servicebereich gewachsen ist und ob dieser auch den durchschnittlichen Satz von 60 Prozent erreicht?
Beide Gesellschaften machen fast ausschließlich Dienstleistungen. Bei der BGS beträgt dieser Anteil über 90 Prozent, bei ptecs mehr als 60 Prozent.
Warum haben Sie bereits jetzt Umstrukturierungskosten in Höhe von circa 200.000 Euro verbuchen müssen?
Ich glaube, wir sind es unseren Aktionären schuldig, sofort zu reagieren, wenn wir Überkapazitäten, wie zum Beispiel bei angemieteten Flächen oder Optimierungsbedarf beim Personal entdecken. Je schneller wir reagieren und je schneller Kosten reduziert werden können, umso besser ist das für die zukünftige Ertragskraft der Gruppe.
Welche Belastungen hatten Sie auf Grund des Bilanzrecht-Modernisierungsgesetzes?
Der Betrag beläuft sich auf etwa 100.000 Euro und resultiert daraus, dass wir die Erträge aus dem Verkauf eigener Aktien nicht mehr ertragserhöhend buchen können. Dies ist also ein externer, gesetzgeberischer Effekt, auf den wir keinen Einfluss haben.
Was hat es mit den vorgezogenen Marketingaufwendungen im ersten Halbjahr auf sich?
Durch die sukzessiven Umfirmierungen unserer Tochtergesellschaften in DATAGROUP können wir nun deutschlandweit unter demselben Markennamen am Markt agieren. Um DATAGROUP systematisch bei Entscheidern in Deutschland bekannt zu machen, haben wir 2011 eine Dachmarkenkampagne gestartet und dafür benötigte Marketingaufwendungen von etwa 100.000 Euro ins erste Halbjahr vorgezogen.
Wie sicher sind Sie mit Ihrer EBITDA-Prognose von mehr als acht Millionen Euro vor dem Hintergrund der geplanten Umstellung auf IFRS?
Unsere Aktionäre wissen, dass wir derzeit noch nach HGB bilanzieren. Für die Aufnahme in den Prime Standard, die wir im kommenden Jahr anstreben, ist es notwendig, dass wir die Bilanzierung auf IFRS umstellen. Hier spielt die so genannte Purchase Price Allocation eine bedeutende Rolle. Diese Effekte heute schon abzusehen, ist äußerst schwierig. Wir haben jedoch unsere Wirtschaftsprüfer gebeten, uns so schnell wie möglich mit entsprechenden Informationen zu versorgen, damit wir in der Lage sind, auch auf Basis IFRS verläßliche Prognosen abzugeben.
Können Sie Ihren Anlegern zusichern, dass durch die Umstellung der Bilanzierungsmethoden negative Überraschungen ausbleiben werden?
Als wir im September 2006 an die Börse gegangen sind, hatten wir ein Umsatzvolumen von 27,5 Millionen Euro. Seither sind wir um fast 300 Prozent gewachsen. Durch die Umstellung der Bilanzierung ändert sich ja die tatsächliche Ertrags- und Vermögenslage nicht, nur die Darstellung erfolgt in einer anderen Form. Insofern sollten sich Anleger davon nicht irritieren lassen. Wichtig ist jedoch für jeden DATAGROUP-Aktionär zu wissen, dass wir unserer Strategie, den Service-Anteil konsequent weiter auszubauen, treu bleiben werden, um damit die Ertragslage weiterhin nachhaltig zu verfestigen. Auch mit dem Thema Cloud Computing verfügen wir über eine wachstumsstarke Ertragskomponente.
Gibt es weitere Überraschungsmomente, die DATAGROUP im Köcher hat?
Wir glauben, dass die Halbjahreszahlen ein guter Beweis dafür ist, dass wir unter den IT-Häusern in Deutschland eine bedeutende Stellung eingenommen haben. Beim Börsengang lagen wir noch auf Platz 30 des Branchenrankings, heute sind wir unter den ersten 15. Insofern sind wir ganz zufrieden mit unserer Entwicklung.
Planen Sie weitere Akquisitionen?
Ein wesentlicher Teil unserer Wachstumsstrategie ist das anorganische Wachstum. Im Fokus stehen dabei Zielunternehmen, die hochwertige IT-Dienstleistungen und -lösungen anbieten. So können wir uns vorstellen, schon in den nächsten Monaten weiteren Zuwachs im Bereich „Solutions" zu verzeichnen.
Herr Schaber, vielen Dank für das Gespräch.
