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DATAGROUP: Dienstleistungsanteil weiter ausgebaut

Markus Horntrich

Die DATAGROUP-Gruppe wird das zum 30. September zu Ende gehende Geschäftsjahr mit einem neuen Umsatzrekord abschließen. Im Interview mit dem AKTIONÄR erläutert Firmenchef Max Schaber, inwieweit er mit dem abgelaufenen Jahr zufrieden ist und wie die Aussichten für das bald anlaufende Jahr sind.

DATAGROUP befindet sich im Endspurt des Geschäftsjahres 2010/2011 und veröffentlichte diese Woche einen Ausblick auf die Finanzkennzahlen. Der Umsatz wird voraussichtlich mehr als 107 Millionen Euro betragen und damit einen neuen Firmenrekord erreichen. Ebenso das EBITDA, das DATAGROUP auf mindestens sieben Millionen Euro taxiert. Allerdings würde der IT-Dienstleister damit sein selbstgestecktes EBITDA-Ziel von mindestens acht Millionen Euro für dieses Geschäftsjahr nicht erreichen.
Im Interview mit dem AKTIONÄR erläutert Unternehmensgründer Max H.H. Schaber gefragt, ob er mit den Zahlen für das demnächst endende Geschäftsjahr 2010/11 zufrieden ist und was die beiden neuen Tochtergesellschaften DATAGROUP Consulting GmbH und DATAGROUP IT Solutions GmbH der DATAGROUP AG bringen.

DER AKTIONÄR: Herr Schaber, Sie werden höchstwahrscheinlich wieder ein sehr gutes Geschäftsjahr abschließen können. Was ist die Ursache dafür, dass Sie trotz eines hohen Dienstleistungsanteils von rund 60 Prozent Ihre EBITDA-Prognose nicht ganz erreichen?

Max H.-H. Schaber: Das in drei Wochen zu Ende gehende Geschäftsjahr hat eindrucksvoll bestätigt, dass DATAGROUP auf einem nachhaltigen Wachstumskurs ist. Umsatz, Dienstleistungsanteil und Ergebniskennzahlen haben wir über die letzten Jahre kontinuierlich ausgebaut. Die Messlatte, die wir selbst anlegen, ist hoch. So auch bei unserem ursprünglichen EBITDA-Ziel. Nun haben uns zwei Dinge einen Strich durch die Rechnung gemacht: Das Bundesministerium der Verteidigung hat bereits bewilligte IT-Projekte aufgrund des Ministerwechsels gestoppt. Dies führt bei unserer neuen Tochterfirma BGS AG zu einer EBITDA-Reduzierung in Höhe von rund 700.000 Euro. Hinzu kommen die bereits im Zuge der Halbjahresergebnisse gemeldeten höheren Restrukturierungsaufwendungen bei einer anderen Akquisition in Höhe von 300.000 Euro. In Summe führt das dazu, dass wir die ursprüngliche EBITDA-Prognose mit größer acht Millionen Euro wohl nicht ganz erreichen werden.

Werden Sie denn diesen Umsatz im Bundesministerium der Verteidigung im kommenden Geschäftsjahr nachholen können oder gehen Sie davon aus, dass er verloren ist?

Nach unseren Erkenntnissen wurden die IT-Projekte nur vorübergehend gestoppt und könnten daher zu einem späteren Zeitpunkt seitens des Ministeriums wieder in Angriff genommen werden.

Höhere Restrukturierungsaufwendungen als geplant sind ein Risiko für Firmen, die wie Sie Unternehmen kaufen. Wie begegnen Sie dem?

Wir haben seit Börsengang im Jahr 2006 insgesamt elf Firmen beziehungsweise Firmenteile gekauft. Davon waren acht Turnaround-Fälle. Dank unseres standardisierten und reproduzierbaren Übernahmeprozesses sind diese Unternehmen durchschnittlich nach zwölf Monaten profitabel. Dennoch gibt es natürlich keine Garantie, dass man nicht nach dem Kauf mit unbekannten Problemen konfrontiert wird, die höhere Restrukturierungsaufwendungen nach sich ziehen als ursprünglich geplant. Mit solchen kurzfristigen Belastungen können wir aber gut leben, da wir nach erfolgreicher Sanierung signifikante Wertsteigerungen erzielen können.

DATAGROUP will im kommenden Jahr in den Prime Standard wechseln und damit wird auch das Rechnungswesen auf IFRS Rechnungslegungsstandard umgestellt werden müssen. Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen?

Die Umstellung ist bereits in vollem Gange. Das Ende September 2011 zu Ende gehende Geschäftsjahr werden wir erstmals nach IFRS bilanzieren. IFRS ist zum einen Voraussetzung für den Prime Standard. Wir möchten aber darüber hinaus, dass die Wertpapieranalysten und Fondsmanager, die uns täglich beobachten, unsere Finanzberichte eins zu eins mit anderen Unternehmen vergleichen können. Im Zuge der Umstellung von HGB nach IFRS gibt es viele Fragen zu klären und Details zu besprechen. Auch aktuell noch. Aus diesem Grund  sind derzeit noch keine Prognosen zu weiteren Ergebniskennzahlen möglich. Erkennbar ist, dass sich auf der Steuerseite positive Effekte darstellen lassen könnten.

Können Sie uns dennoch schon einen Ausblick aufs neue Geschäftsjahr geben?

Wir blicken sehr zuversichtlich ins neue Geschäftsjahr. Vor allem im IT-Servicegeschäft haben wir jüngst einige mehrjährige Service Desk-Aufträge für uns entschieden. Hinzu kommt ein Großauftrag der Evangelischen Landeskirche in Württemberg für den Full Service von 2.100 IT-Arbeitsplätzen. Das beinhaltet die Lieferung und Installation von Notebooks, die Betreuung der IT-Arbeitsplätze, den Betrieb der notwendigen IT-Infrastruktur sowie die Nutzung von IT-Anwendungen in unserem Rechenzentrum. Der Auftrag kann durch zusätzliche Beauftragungen insgesamt bis zu 6.000 IT-Arbeitsplätze umfassen.

Die ganze Börsenlandschaft stöhnt unter der Befürchtung, dass es weltweit zu einer Rezession kommen wird. Sehen Sie bei Ihren Kunden Anzeichen dafür am Horizont?

Bislang sind keine nennenswerten  Auswirkungen in der Realwirtschaft zu spüren. Der Wirtschaft geht es nach wie vor gut. Das ist natürlich keine Garantie für Morgen. Ich habe daher großes Verständnis dafür, dass Unternehmen in solch volatilen Zeiten einmal mehr auf ihre Ausgaben und Kosten schauen. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, indem wir atmende Verträge anbieten. Zum Beispiel bei unserem Produkt DATAflat. Für nur 99 Euro pro Monat bekommen Unternehmen vollständige IT-Arbeitsplätze. Mit allem drum und dran. Sollte es den Firmen schlechter gehen und sollten sie weniger IT-Arbeitsplätze benötigen, geht unsere DATAflat flexibel mit.

Sie haben jüngst die Einbringung zweier neuer Gesellschaften bekannt gegeben. Was ist der Geschäftszweck der beiden Gesellschaften?

Die DATAGROUP Consulting GmbH realisiert seit mehr als zehn Jahren Informationsportale und Intranets, Kundenprojektportale und Lösungen im Bereich Dokumentenmanagement und Vorgangsbearbeitung wie z.B. das elektronische Petitionsverfahren. Die Landtage Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen bearbeiten mit diesem Fachverfahren der DATAGROUP Consulting GmbH alle Petitionen, mit denen sich die Bürger des jeweiligen Bundeslandes an den Landtag wenden.

Die DATAGROUP IT Solutions GmbH entwickelt seit mehr als 20 Jahren maßgeschneiderte Software-Lösungen. Die auf die Bedürfnisse der Organisationen angepassten Datenbankanwendungen und Fachverfahren werden in enger Kooperation mit den Kunden entwickelt und ausgebaut. Eines der Kernprodukte ist das elektronische BAföG-Verfahren, das die Antragsbearbeitung und -verwaltung u.a. für das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) abdeckt. Bereits heute werden über 30% aller studentischen BAföG-Anträge in Deutschland mit dem Fachverfahren der DATAGROUP bearbeitet und verwaltet.

Beide Gesellschaften sind entstanden durch die Ausgliederung der operativen Bereiche der DATAGROUP GmbH: Der Bereich „Geschäftsprozessmanagement" wurde in die DATAGROUP Consulting GmbH ausgegliedert, die Bereiche „Projekte und Produkte für die öffentliche Verwaltung" und „Qualitätsmanagementsysteme" in die DATAGROUP IT Solutions GmbH.

Wie passen diese beiden Gesellschaften zu den anderen Tochterfirmen der DATAGROUP AG?

Beide Firmen haben in Kundenprojekten bereits Verbindungen zum IT-Services-Segment der DATAGROUP AG. So werden beispielsweise die IT-Arbeitsplätze der Abgeordneten des Landtages Hessen vom technischen Kundendienst betreut. In einer anderen Kundensituation wird im Rechenzentrum der DATAGROUP AG das BAföG-Fachverfahren für den Kunden betrieben. Diese Cross-Selling-Potentiale sollen zukünftig stark ausgebaut werden. Durch die Einbringung der beiden Gesellschaften sind nun die Leistungen und Produkte der DATAGROUP IT Solutions GmbH und der DATAGROUP Consulting sowie die IT-Dienstleistungen der bestehenden Tochtergesellschaften der DATAGROUP AG klar strukturiert unter einem gemeinsamen Dach.

Inwiefern bauen Sie damit die wiederkehrenden Erlöse in der DATAGROUP AG aus?

Die DATAGROUP Consulting GmbH und die DATAGROUP IT Solutions GmbH sind zwei hoch profitable Gesellschaften, die neben einer hohen zweistelligen EBITDA-Marge zahlreiche Mehrjahresverträge und langfristige Wartungserlöse mitbringen. Mit der Einbringung der beiden Firmen bauen wir das bestehende Segment „Solutions und Consulting" daher stark aus - und mit ihm die höherwertigen IT-Dienstleistungen. Mit gekauft haben wir im Übrigen den Gewinn der beiden Unternehmen aus dem Geschäftsjahr 2010/2011.

Da die Aktien erst nach der HV, die über das Geschäftsjahr 2010/11 beschließt, dividendenberechtigt werden, müsste es eigentlich Aktien mit einer zweiten Wertpapierkennnummer geben - oder werden sie nicht zum Börsenhandel zugelassen, bis die Dividende für das in zwei Wochen zu Ende gehende Geschäftsjahr bezahlt worden ist?

Die neuen Aktien, die im Zuge des Verkaufs entstanden sind, sind erst ab dem Geschäftsjahr 2011/2012 dividendenberechtigt. Sie werden vom Mehrheitsaktionär der DATAGROUP AG, der DATAGROUP GmbH, gehalten und sind nummeriert. Somit entfällt die Notwendigkeit einer zweiten Wertpapierkennnummer, da der Hauptaktionär nicht beabsichtigt, diese Aktien innerhalb der Mindesthaltedauer von sieben Jahren zu veräußern.

Können die Anleger davon ausgehen, dass die börsennotierte Datagroup AG aufgrund der hohen zweistelligen EBITDA-Margen der beiden neuen Gesellschaften im kommenden Jahr einen Ergebnissprung machen wird?

Traditionell geben wir eine Guidance für das laufende Geschäftsjahr zur Hauptversammlung des GJ 2010/11, also im Frühjahr 2012, ab. Es existiert jedoch ein Research-Bericht von Warburg Research, der dem interessierten Anleger eine Orientierung vermitteln kann.

Herr Schaber, vielen Dank für das Gespräch.

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