Carsten Englert
Ein Opferanwalt hat in den USA eine Klage gegen den Stuttgarter Autobauer eingereicht. Er wirft Daimler die Unterstützung eines Regimes vor, das Menschenrechte verletzt hat. Der Fall könnte weitreichende Konsequenzen für Daimler, aber auch alle anderen exportierenden Konzerne aus Europa haben.
Wie die Financial Times Deutschland heute berichtet, droht dem Automobilhersteller Daimler eine Klage in den USA. Ein US-Opferanwalt beschuldigt das Unternehmen, die Rassentrennung in Südafrika unterstützt zu haben. Konkret: Opferanwalt Michael Hausfeld wirft Daimler vor, dem Apartheidregime in Südafrika "aktive Hilfe" geleistet zu haben, indem die Stuttgarter der Regierung in Pretoria Fahrzeuge verkauft haben.
Laut einem Daimler-Sprecher wäre die Zulassung der Klage ein "Präzedenzfall mit erheblichen Folgen". Die Gefahr wäre groß, dass europäische Konzerne, die in politisch heikle Länder liefern, künftig stets mit juristischen Problemen in den USA rechnen müssen. Selbst wenn die USA in keiner Weise in den Fall involviert ist. Der Fall hat auch eine politische Dimension. Die Bundesregierung sieht den Fall als "inakzeptablen Eingriff in die deutsche staatliche Souveränität". Daimler und die anderen betroffenen Konzerne (Rheinmetall, General Motors, Ford und IBM) haben Berufung gegen die Klage eingereicht. Eine Entscheidung darüber wird zur Mitte des Jahres erwartet - pünktlich zur WM in Südafrika, was dem Kläger und dem Gericht die gewünschte Medienaufmerksamkeit bringen dürfte.
Auf die Bremse treten
Solange über die Zulässigkeit der Klage nicht abschließend entschieden ist, dürfte sich der negative Einfluss auf den Kurs in Grenzen halten. Kommt die Klage allerdings, dürfte die Aktie darunter leiden. Dabei geht es weniger um den zu leistenden Einmalbetrag im Falle einer Verurteilung. Die Frage ist vielmehr, ob Daimler sich dann genötigt sehen würde, in Ländern mit Menschenrechtsverletzungen auf die Bremse zu treten. Dazu zählen so wichtige Märkte wie China und Russland. Gerade China ist einer der großen Hoffnungsträger für die Absatzentwicklung bei den Stuttgartern. Kurzfristig dürfte die Daimler-Aktie jedoch noch auf der allgemeinen Euphorie-Welle mitreiten.

Nächster Versuch
Der Chart der Daimler-Aktie sieht wieder gut aus. Derzeit startet sie einen erneuten Versuch, die Marke von 37,90 Euro aus dem Markt zu nehmen. Ende 2009 scheiterte sie dort noch. Gelingt diesmal das Kaufsignal, dürfte der folgende Schwung umso größer sein und die Aktie in die Nähe der 40-Euro-Marke katapultiert werden. Anleger, die der Empfehlung des AKTIONÄRs vom 4. November 2009 gefolgt sind und den MINI-Long mit der WKN TB2 7XY (aktueller Kurs: 13,68 Euro) gekauft haben, erfreuen sich mittlerweile an einem Gewinn von 66 Prozent. Sie sollten investiert bleiben und den Stoppkurs bei zehn Euro belassen. Ein Neueinstieg ist erst nach erfolgtem Kaufsignal ratsam.