Markus Horntrich
In Europa zählt die Curasan AG zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Knochen- und Gewebegeneration. Erfolgreichstes Produkt ist das synthetische Knochenaufbaumaterial Cerasorb, das derzeit für den Dentalbereich über den Kooperationspartner, die Riemser Arzneimittel AG, vermarktet wird. Aber auch außerhalb des Dentalbereichs ist Curasan dabei, eine aktive Vermarktungskette aufzubauen. Im Interview mit dem AKTIONÄR verrät der Gründer und Vorstandsvorsitzende Hans Dieter Rössler, was bei Curasan noch alles in der Pipeline steckt.
In Europa zählt die Curasan AG zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Knochen- und Gewebegeneration. Erfolgreichstes Produkt ist das synthetische Knochenaufbaumaterial Cerasorb, das derzeit für den Dentalbereich über den Kooperationspartner, die Riemser Arzneimittel AG, vermarktet wird. Aber auch außerhalb des Dentalbereichs ist Curasan dabei, eine aktive Vermarktungskette aufzubauen. Im Interview mit dem AKTIONÄR verrät der Gründer und Vorstandsvorsitzende Hans Dieter Rössler, was bei Curasan noch alles in der Pipeline steckt.
DER AKTIONÄR: Herr Rössler, curasan macht im Dentalbereich mit Cerasorb, ihrem derzeit erfolgreichsten Produkt, Umsätze im mittleren einstelligen Millionenbereich. Außerhalb der Dentalsparte sind die Umsätze jedoch noch relativ klein. Ist dieses Produkt denn für andere Einsatzgebiete schon einsatzfähig?
Hans Dieter Rössler: Wir haben in Zusammenarbeit mit deutschen und ausländischen Kliniken gezeigt, dass Cerasorb auch in der Unfall-, Sport-, Mund-, Kiefer-, Gesichts- und Wirbelsäulenchirurgie sowie bei orthopädischen Indikationen kleine und mittlere Defekte mit neu gebildetem körpereigenem Knochen heilt. Im Verlaufe dieses und nächsten Jahres werden weitere Ergebnisse veröffentlicht werden.
DER AKTIONÄR: Was sind die herausragenden Eigenschaften von Cerasorb?
Hans Dieter Rössler: Cerasorb wird vollständig im Organismus abgebaut und von eigenem Knochen ersetzt. Es macht eine Knochenentnahme, etwa von der Hüfte, in der Regel überflüssig, kann jedoch mit patienteneigenem Knochen, der gelegentlich während der Operation sowieso anfällt, gut vermischt werden. Cerasorb löst als synthetische Substanz keine allergischen oder sonstigen immunologischen Abwehrreaktionen aus. Nach wie vor wird für sehr große Defekte und zur Verkürzung der relativ langwierigen Regenerationsprozesse nach sicheren und bezahlbaren Lösungen gesucht. Hier eröffnet sich unter Umständen eine Alternative durch Tissue Engineering. Forscher an mehr als 20 Kliniken haben gezeigt, dass sich die zu vermehrenden Zellen auf Cerasorb, auch im Vergleich zu anderen Materialien, sehr wohl fühlen und die quantitative wie qualitative Zellvermehrung auf Cerasorb besonders gut gelingt. Ein solches Konglomerat aus Cerasorb und Knochen bildenden Zellen ist ein vielversprechender Ansatz, sowohl Knochen in großen Defekten, wie nach Hüftgelenkrevisionen, zu generieren als auch die Regenerationsleistung des Körpers zu potenzieren und die Behandlungszeiten zu verkürzen.
DER AKTIONÄR: Bis wann glauben Sie für Cerasorb einen Vertriebspartner gefunden zu haben?
Hans Dieter Rössler: Da Cerasorb bereits für die orthopädischen und chirurgischen Einsatzgebiete in der EU und in den USA zugelassen ist, können wir in die Verhandlungen mit potentiellen Vertriebspartnern einsteigen, sobald die Forschungsergebnisse für weitere Indikationen und klinische Resultate aus USA vorliegen. Dies wird voraussichtlich Ende dieses/Anfang nächsten Jahres der Fall sein.


Curasan-Chef Hans Dieter Rössler hält 2009 zwei weitere Zulassungen für durchaus realistisch.
DER AKTIONÄR: Curasan erwartet noch im laufenden Quartal die Zulassung für das Mediatoren-Konzentrat. Können Sie diesen Zeitplan halten und was bedeutet die Zulassung für Curasan?
Hans Dieter Rössler: Obwohl solche Prozesse immer fremdbestimmt sind, sieht es bislang danach aus. Diese Zulassung in Form einer Medizinproduktzertifizierung erlaubt uns den Vertrieb eines weltweit einzigartigen Systems zur Herstellung patienteneigener Mediatoren, die die Heilung und das Wachstum von Weich- und Hartgewebe, also Haut und Knochen, beeinflussen. Es handelt sich um reines Verbrauchsmaterial, aufwendige und teure Maschinentechnik wird nicht benötigt. Gleichzeitig ist diese Zertifizierung Basis für den Zulassungsantrag in USA. Sobald weitere Ergebnisse aus laufenden Untersuchungen und Studien vorliegen, werden wir die Verhandlungen mit potenziellen Vertriebspartnern aufnehmen. Dies wird voraussichtlich Ende des Jahres der Fall sein. Voraussetzung für eine Kooperation ist, dass die Firmen in den Anwendungsgebieten Verbrennungen, Hauttransplantationen, schlecht heilende Wunden, Knochendefekte gut aufgestellt sind.
DER AKTIONÄR: Curasan hat das Tumormedikament Mitem gegen Blasenkarzinom zum Vertrieb in die Hände von Schwarz Pharma/UCB gegeben. An diese Vertriebkooperation ist Curasan noch bis 2013 gebunden. Besteht nicht die Möglichkeit, das Produkt früher anderweitig zu vermarkten?
Hans Dieter Rössler: Mitem ist bislang nur in Deutschland zugelassen und im Vertrieb. In den letzten Monaten haben wir ein Programm zur Reduzierung der Herstellkosten umgesetzt, um den Rohertrag zu erhöhen und die Liefersicherheit zu optimieren. Gleichzeitig treiben wir die internationale Zulassung voran, die jedoch aufgrund der langen Bearbeitungszeiten der Behörden noch zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen wird, damit auch im Export Umsätze über Vertriebspartner erzielt werden können. Allerdings gibt es auch Überlegungen, das gesamte Paket trotz unserer sehr guten Liquiditätssituation zu verkaufen, da es einerseits zwar eine gute Cash Cow ist, andererseits aber nicht mehr in unsere strategische Ausrichtung passt. Immerhin könnte hieraus ein Erlös resultieren, der zum Beispiel unsere Forschungs- und Entwicklungskosten für die nächsten vier bis fünf Jahre abdecken würde.
DER AKTIONÄR: Ist in 2009 außer dem Mediatoren-Konzentrat noch mit weiteren Zulassungen zu rechnen?
Hans Dieter Rössler: Ja, wir erwarten zum Jahresende die Zulassung für Osbone, einem im Gegensatz zu Cerasorb nicht abbaubaren Knochenersatzmaterial. Es gibt Anwendungen, für die ein resorbierbares Material nicht oder weniger gut geeignet ist. Insofern runden wir unsere Palette hier ab.
DER AKTIONÄR: Wie umsatztechnisch der Start in das neue Jahr?
Hans Dieter Rössler: Trotz der Finanzmarkt- und Konjunkturkrise gehen wir davon aus, dass die im zweiten Halbjahr 2008 nach dem Verkauf der Dentalsparte eingeleitete strategische Neuausrichtung bereits im ersten Quartal 2009 Früchte trägt und wir die für 2009 angestrebten Umsatzziele damit gut untermauern können.
DER AKTIONÄR: Der Handel der Curasan-Aktie hat sich in den letzten vier Monaten an der Börse deutlich gesteigert. Allein im Februar lag der durchschnittliche Umsatz bei fast 20 000 Aktien täglich. Worauf führen Sie diese Umsatzbelebung zurück?
Hans Dieter Rössler: Wir verfügen über eine sehr gute Liquidität, ein nachvollziehbares Geschäftsmodell für einen wachstumsstarken und weniger krisenanfälligen Markt und eine zukunftsträchtige Produktpipeline, deren Finanzierung bis zur Marktreife aus eigenen Mitteln gesichert ist. Damit hat die Curasan AG eine Story, die wir vermehrt kommuniziert haben und die offenkundig von den Anlegern verstanden und akzeptiert wird.
DER AKTIONÄR: Herr Rössler, vielen Dank für das Gespräch.
