Michael Lang
Der Investor Jürgen Freisleben hat seinen Anteil an der Curasan AG überraschend von fünf auf zehn Prozent verdoppelt. Analysten schätzen den fairen Wert des mit 17 Millionen Euro bewerteten Herstellers von regenerativen Medizinprodukten auf mehr als 30 Millionen Euro ein (rund 4,40 Euro je Aktie). DER AKTIONÄR hat bei Vorstandssprecher und Mehrheitsaktionär Hans-Dieter Rössler nachgefragt.
Der Investor Jürgen Freisleben hat seinen Anteil an der Curasan AG überraschend von fünf auf zehn Prozent verdoppelt. Analysten schätzen den fairen Wert des mit 17 Millionen Euro bewerteten Herstellers von regenerativen Medizinprodukten auf mehr als 30 Millionen Euro ein (rund 4,40 Euro je Aktie). DER AKTIONÄR hat bei Vorstandssprecher und Mehrheitsaktionär Hans-Dieter Rössler nachgefragt.
Eine aktuelle Einschätzung zur Aktie der Curasan AG finden Sie in DER AKTIONÄR Ausgabe 04/09. Das ganze Heft können Sie hier auch online als ePaper lesen.
DER AKTIONÄR: Herr Rössler, wie ist Curasan nach dem Verkauf der Dentalsparte aufgestellt?
Hans-Dieter Rössler: Als erstes müssen wir das Medikament Mitem nennen, ein Arzneimittel aus dem Bereich der Urologie, mit dem wir über unseren Vertriebspartner in Deutschland von gut vier Millionen Euro Umsatz und eine konstante Rohertragsmarge von rund 20 Prozent erzielen.
Sie sind vertraglich mit Mitem noch bis 2013 an Schwarz Pharma beziehungsweise UCB gebunden. Was ist das Produkt Ihrer Meinung nach wert, wenn es Curasan frei veräußern kann?
Im Medizintechniksektor ist es üblich, dass Umsatzmultiplikatoren im Bereich zwei bis drei bezahlt werden. Dies beweist auch der Verkauf unserer Dentalsparte. Konservativ betrachtet dürfte der Verkaufspreis demzufolge in der Größenordnung von acht Millionen bis zehn Millionen Euro liegen.
Welche weiteren Umsatzbringer haben Sie im Portfolio?

Hans-Dieter Rössler hat Curasan 1988 gegründet und führt das Unternehmen als Vorstandsvorsitzender.
Mit Curavisc, einem biotechnologisch hergestellten Gelenkschmierstoff auf Hyaluronsäurebasis, haben wir ein ausgezeichnet verträgliches Produkt für die Anwendung in den großen Gelenken im Markt, das letztes Jahr bereits über eine Million Euro Umsatz erzielt hat und das wir zunehmend internationalisieren und seit kurzem auch mit einer neuen Applikationseinheit in den Markt der kleinen Gelenke vordringen. Bereits nächstes Jahr wollen wir mit Curavisc einen Umsatz von mehr als zwei Millionen Euro erzielen. Bei einem heutigen Verkauf würden wir für Curavisc mindestens fünf Millionen Euro erzielen, in ein paar Jahren deutlich mehr.
Außerdem haben wir erst vor kurzem die Erteilung des Patentes Cerasorb in Japan gemeldet, so dass unser japanischer Vertriebspartner jetzt dort mit der Markteinführung beginnen kann. Erste Erlöse hieraus werden frühestens Ende nächsten Jahres fließen.
Welche Erwartungen haben Sie an das so genannte Mediatoren-Konzentrat ATR?
Wir gehen davon aus, dass wir die Zulassung im ersten Quartals 2009 bekommen. Wir wollen den Markt in Stufen entwickeln, in dem wir für die sehr unterschiedlichen Indikationsfelder und Zielgruppen, wie Verbrennungen, Hauttransplantationen, schwere Infektionen der Haut, Plastische Chirurgie und optimierte Knochenregeneration bis Ende dieses Jahres gut positionierte Vertriebspartner für die EU-Staaten einlizenzieren und nächstes Jahr für USA und diverse osteuropäische asiatische Märkte.
Was müssen Ihre Aktionäre über den so genannten Knochenklebstoff wissen?
Die Auslizenzierung kann voraussichtlich in zwei bis drei Jahren beginnen. Die Großtierstudie wird dieses Jahr beendet und wir bereiten den Beginn der Humanstudie vor. Das Marktpotenzial kann mit weit über 100 Millionen Euro weltweit eingeschätzt werden. Dies ist ein Produkt, bei dem unsere Anleger aber eher noch einen längeren Atem haben müssen.
Wie bewerten Sie die vorhandenen wie auch die künftigen Produkte?
Konservativ betrachtet würde ich den vorhandenen Produkten einen Wert von mindestens 15 Millionen Euro beimessen und der Wert der künftigen Produkte dürfte sich derzeit in einer ähnlichen Größenordnung bewegen. Mit den jeweiligen Projektfortschritten in den nächsten Jahren wird der Wert eher noch zunehmen.


Hans-Dieter Rössler ist mit einem Anteil von 33,0 Prozent größter Einzelaktionär der Curasan AG. Nachdem die Wegold Edelmetalle AG ihre Beteiligung vor wenigen Tagen verdoppelt hat, hält sie nun 10,2 Prozent der Curasan-Aktien und ist zweitgrößter Aktionär.
Hat die Wegold Edelmetalle AG, die kurz nach Jahreswechsel die Aufstockung auf 10,2 Prozent bekanntgegeben haben, diese Zahlen gekannt?
Die oben genannten Zahlen wurden wiederholt publiziert. Ich gehe davon aus, dass diese Zukunftsaussichten gepaart mit dem bestehenden Geschäft und unserer ausgezeichneten Liquiditätslage Herrn Freisleben für die Wegold zur Verdopplung der Aktienposition in der Curasan AG motiviert haben.
Erwarten Sie weitere Zukäufe durch Wegold?
Wir haben derzeit keine Information darüber, was Wegold plant. Uns ist lediglich bekannt, dass Wegold mit knapp 30 Prozent an der Dresdner Factoring AG beteiligt ist. Dies könnte möglicherweise ein gewisses Indiz für eine weitere Aufstockung sein.
Herr Rössler, vielen Dank für das Gespräch.
